Wir schreiben das Jahr 1818. Die Londoner Autorin Mary
Shelly veröffentlicht ihren Roman Frankenstein oder Der moderne Prometheus. Die
Geschichte stieg zum Klassiker auf und weckt noch heute Interessen. Was aber
wäre, wenn ihr Roman nur eine Maske wäre? Für ein Ereignis, das auf Tatsachen
beruht?
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Seine Theorie: Es wurde ein menschenähnliches Wesen mit Sozialverhalten erschaffen, dass aufgrund seines Aussehens von der Menscheit verstoßen wurde. Aus Verachtung und der teils tierischen DNA - daher das lange Überleben - folge es tierischen Instinkten, verfolge Karibuherden durchs Land, lebe in Einsamkeit und sei verantwortlich für jede Menge ungeklärte Morde und Verschwinden im verlassenen Norden Kanadas.
Pseudo-Pseudo-Doku
Von der Mord-These erfährt das Kamerateam allerdings erst während der Tour. Die sympathisch verkörperten Filmer, die Venkenhein ohnehin nicht für ganz dicht halten, werden nervöser je tiefer es in die Wildnis geht und je lauter die Wölfe nachts heulen. Für einen Handkamerafilm nimmt sich Regie-Debütant Andrew Weiner übrigens sehr viel Zeit für tolle Landschaftsbilder. Generell sind die Aufnahmen nur selten verwackelt, dagegen meist gut positioniert. Für Found Footage ein bisschen zu gut – was den Allgemeinzuschauer aber eher erfreuen wird.Wo der Mockumentary-Flair dann völlig verfliegt sind die Momente, in denen urplötzlich Panorama-Shots und Zeitraffer abgespult werden. Wunderschön, aber echt unnötig, zumal Weiner im Interview mit Deadline mal sagte, er habe bewusst auf bekannte Darsteller verzichtet, „…weil das für die Glaubwürdigkeit des Films sehr kontraproduktiv gewesen wäre. Wenn man einen Film dreht, der vorgibt, die Realität zu zeigen, dann kann man dafür keine bekannten Schauspieler besetzen.“ Aber Aufnahmen von irgendwo sind dann okay? Nun ja.
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By the way, so frei erfunden ist Shellys Geschichte nun auch
nicht. In der Burg Frankenstein bei Darmstadt gab es einen Alchemist namens
Johann Konrad Dippel. Dieser experimentierte gerne, jagte dabei versehentlich
Türme in die Luft. Und glaubt man dem Bürgertratsch von damals erschuf er eine
Kreatur, die heimlich Kinder und Frauen in den Wäldern killte. Märchenfreund
Jacob Grimm bekam Wind davon und berichtete es Mary Jane Clairmont, seiner
Englisch-Übersetzerin und - jetzt kommt‘s - Stiefmutter von Mary Shelley. Diese
änderte den Namen dann um in Frankenstein.
Mit dieser netten Nebeninfo im Hinterkopf und einer Prise
Toleranz gegenüber Found Footage Filmen muss ich sagen, dass mich die Low
Budget Produktion gut unterhalten hat. Das Ende ist zwar etwas enttäuschend,
aber wenigstens nicht peinlich. Und klar gibt es ein paar Logiklücken. Die sind
meiner Meinung nach aber noch im grünen Bereich. Ob es denn nun die Kreatur war
oder ein Yeti oder Bigfoot oder einfach nur ein riesiger Irrer – das überlasse
ich Eurer Fantasie.
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