In der vergangenen Woche habe ich Euch Wulf Bengsch von Medienjournal.de vorgestellt. Genau wie Mr. Media Monday ist auch Christian Hoja von Cellurizon stolzes Mitglied meiner #DerFilmtippAward-Jury. In meinem kleinen Interview mit ihm spricht er über seine Anfänge als Filmblogger, den Stand der deutschen Filmbloggerlandschaft und seine Filmes des Jahres 2014. Die Sache mit Godzilla, lieber Christian, klären wir noch ;)
Micha: Hi Christian, dankeschön für Deine Teilnahme als
Jurymitglied. Ich fühle mich ein bisschen geehrt, da ich Deinen Schreibstil und
Cellurizon insgesamt super unterhaltend finde. Wie bist Du ans Bloggen geraten?
Christian: Moin Michael, danke für’s Lob und die Ehre ist natürlich
ganz meinerseits. Mit dem Bloggen habe ich 2008 auf MySpace angefangen, in
einer Phase, in der ich am literarischen Schreiben gerade die Lust verloren
hatte. Ich wollte aber schon weiterhin irgendwas schreiben und was kreatives
mit meiner Freizeit anfangen und hab deswegen eine Leidenschaft mit der anderen
verknüpft und einen kleinen MySpace-Blog namens ChristiansFoyer aufgemacht,
damals ausschließlich mit Kritiken und Star-Portraits. Das erste Feedback kam,
der Spaß am Bloggen wuchs, die Ambitionen und das Programmier-Know How auch und
jetzt steht da halt das Cellurizon, wie man’s heute kennt.
Micha: Du schreibst auf Deiner Seite, Deine Begeisterung für
Horrorfilme hat sich mit Scream verabschiedet. Gibt es aus dem Genre denn heute
gar nichts mehr, was Dich noch interessieren könnte?
Christian: Also eine richtiggehende „Begeisterung für Horrorfilme“ gab
es eigentlich nie, in der Pubertät zieht man sich halt viel „Verbotenes“ rein.
Ich verfolge das Genre generell schon noch mit einem gewissen Interesse (wie im
Grunde annähernd jedes Genre, denn: wenn es Film ist, ist es interessant), weil
ich über Strömungen und sowas auf dem Laufenden sein will, um zumindest
halbwegs kompetente Einschätzungen abgeben zu können. Aber nur wenig aus dem
Horrorbereich reizt mich, es mir tatsächlich noch anzusehen. Ti West soll ja
zum Beispiel ein ganz spannender Regisseur sein und begrüßenswerterweise geht
der Trend seit einiger Zeit wieder weg vom Folterhorror und wieder mehr hin zum
echten Grusel. Aber mich schocken und erschrecken zu lassen ist als Reizimpuls
einer Filmerfahrung einfach nicht mehr mein Ding ;)
Micha: Welche Filme waren Dein Highlight 2014 und was war Dein
erster Gedanke, als Du die Nominiertenliste der #DerFilmtippAwards gesehen
hast?
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| Godzilla - ich habe ihn für den besten Film des Jahres vorgeschlagen. Christian sieht das anders :) © Warner Bros. |
Christian: Was der klappsige Godzilla unter den Nominierten für den
besten Film zu suchen hat! Mein persönliches Top-Quintett in diesem Jahr (alles
vorläufig und ohne bestimmte Reihenfolge und auch nur das berücksichtigend,
wozu ich eine Kritik geschrieben habe) waren The Wolf of Wall Street, Edge
of Tomorrow, Snowpiercer, der von allen Seiten komplett falsch angegangene
und zu Unrecht schlecht bewertete Schwarzenegger-Actioner Sabotage und als
gemeinsame fünfte Nennung das Marvel-Doppel aus Captain America: The Winter
Soldier und Guardians of the Galaxy. Sehr nice waren auch Enemy, Zulu oder Under the Skin. Aus überwiegend Low- bis bestenfalls Midlights bestand
hingegen der diesjährige Blockbuster-Sommer (bis auf die „Guardians“).
Micha: Für einen unabhängigen deutschen Filmblog hast Du eine
beachtliche Reichweite in den sozialen Netzwerken. Kannst Du Dir das selbst
erklären?
Christian: Ja. Weil ich so viele Gewinnspiele veranstalte :D Aber mal
ernsthaft: ich wäre froh, wenn ich davon ausgehen könnte, dass der Großteil
meiner Facebook-Fans aufgrund eines Faibles für meine Berichterstattung, Freude
an meinen Kritiken usw. auf meiner Seite gelandet wäre, aber in Wahrheit trifft
das nur auf einen verhältnismäßig kleinen Anteil zu. Einige Filmbuddys
(darunter auch Bloggerkollegen) verfolgen meinen Output tatsächlich schon seit
mehreren Jahren sehr regelmäßig (und vice versa) und das freut mich ungemein,
da das Leute sind, deren Umgang und Standpunkte zum Medium Film mir sehr
zusagen und mir ihre Treue zeigt, dass ich ein paar Sachen durchaus richtig
mache und dass ich damit eine Leserschaft erreichen kann, die ich mir wünsche
und ansprechen will: meinungs- und diskussionsstarke Kenner, deren Horizont
nicht beim Blockbuster von letzter Woche endet.
Aber, let’s face it: die Mehrheit der Fans kommt halt über
das Gewinnspielangebot und schert sich ansonsten nicht groß um das, was daneben
so auf Cellurizon läuft. Und wenn die Non-Gewinnspiel-Topics nichts mit Star
Wars oder der nächsten Comicverfilmung zu tun haben quillt die Interaktionsrate
mit meinen Beiträgen auch nicht gerade über. Aber das ist eben der
sprichwörtliche Drahtseilakt bei Social Media-Präsenz und Filmberichterstattung
allgemein und FB (Reichweitenbeschneidung), Twitter (Unübersichtlichkeit bei
rappelvoller Timeline) und Google+ (nutzen halt wenige) machen es einem nicht
einfacher, wenn man nicht auf Mechaniken wie Clickbaiting und co. setzen will…
„Es muss immer auch einen Haudrauf-Affen wie Michael Bay geben“
„Es muss immer auch einen Haudrauf-Affen wie Michael Bay geben“
Micha: Was mir bei Deinen Postings und Deinen Artikeln sofort
auffiel, wir scheinen eine ähnliche Filmjugend gehabt zu haben. Jedenfalls was
Filme wie Jurassic Park, Mad Max oder Terminator angeht. Ganz persönliche Frage
daher: was hältst Du von Con Air, Independence Day und Armageddon? ;)
Christian: Con Air ist so der typische Mid-90ies-Actioner und gefällt
mir heute nicht mehr so gut wie früher, im Gegensatz zu zum Beispiel The
Rock. Independence Day verliert für mich außerhalb der Kinoleinwand so
ziemlich alles, was an dem Film irgendwie reizvoll ist und das Emmerich’sche
Katastrophenkino und die ganze Art, wie der Schwabenbube seine Filme aufzieht,
mag ich mir nicht mehr gerne ansehen. Armageddon habe ich lange nicht
gesehen, aus dem Gedächtnis macht der aber Spaß. Ich bin auch kein Bay-Hasser.
Es muss zu allem einen Pol oder ein Gegengewicht geben. Und zu jedem versierten
Filmemacher mit raffinierten Erzähltechniken und so weiter muss es drum immer
auch einen Haudrauf-Affen wie Bay geben ;)
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| Stimme Christian zu: The Rock ist ein klasse Film © Buena Vista International |
Micha: Ich habe den Award auch ins Leben gerufen, weil ich finde,
dass Filmblogger untereinander nicht konkurrieren, sondern bestenfalls
kooperieren sollten. Wie siehst Du die deutsche Filmblogger-Landschaft?
Christian: Entspannter als noch vor einiger Zeit. Mit meinem
Kontaktkreis bin ich total im Reinen und mir persönlich ist lange keiner auf
eine Art blöd gekommen, die mich die deutsche Filmblogosphäre einstmals sehr
kritisch oder quasi als non-existent betrachten ließ. Und ich will da nicht
ewig auf ollen Kamellen rumreiten, deswegen begrüße ich, was sich da in den
vergangenen Monaten und vermutlich initiiert durch den Wachrütteltext von Alex
Matzkeit auf Real Virtuality getan hat, und ich begrüße ebenso eine Aktion wie
deine Awardverleihung mit Jury aus diesen Kreisen. Daran, dass innerhalb der
Cluster der Filmblogosphäre weiterhin viel eigene Suppe gekocht wird, hat sich
aber wohl nicht so viel geändert und ich denke, da kann man auch keinen
Lösungsansatz schaffen, der irgendwie zweck- oder überhaupt sinnführend ist.
Fernsehsender, Filmstudios oder bspw. Konsolenhersteller könnten sich auch alle
an einen Tisch setzen und gemeinsam tolle Megaprojekte austüfteln und die Welt
damit beglücken, aber: Konkurrenz bleibt dennoch irgendwo Konkurrenz und wenn
(nur so als Beispiel) zwanzig einzelne Fimblogger ohne große Subjektivierung
des Themas den neuen Star Wars-Trailer posten, statt auf den Beitrag desjenigen
zu verlinken, der ihn als erstes online hatte, dann möchte eben jeder sein
Stück vom Kuchen der Macht. Aber so lange ein Blog echte Intentionen und ein
Konzept verfolgt (viele sprießen ohne beides hervor und verschwinden dann auch
schnell wieder) und so eine Meinungsvielfalt entsteht, die nicht zwingend
kooperieren, sondern gesund koexistieren kann, ist das soweit auch völlig in
Ordnung.
Micha: Kannst Du mir als Jurymitglied noch einen Tipp geben,
welchen Film ich bis zum Ende des Jahres gesehen haben sollte?
Christian: Jeden, denn wie weiter oben erwähnt: wenn es Film ist, ist
es interessant. Oder, wenn du so viel Zeit nicht hast, zum Beispiel die
ebenfalls schon erwähnten Enemy und Under the Skin, wenn’s mal „was
anderes“ sein soll.
Micha: Was dürfen Deine Leser 2015 von Dir erwarten?
Christian: Viel. Ich tüftel im Hintergrund ununterbrochen an Cellurizon
und wenn die Seite ihren nächsten Optimierungsschritt hinter sich hat (ich bin
halt erst heute und nach sechs Jahren im Selbstlehrgang gut genug im
Programmieren, um langgehegte Wünsche für die Seite umzusetzen) habe ich einen
ganz großen Schritt vor, der bisher aber erst einem kleinen, exklusiven Kreis
offenbart ist. Ansonsten bleibt eigentlich alles wie gehabt, bei mir sind
Intention und Konzept nach sechs Jahren gefestigt und funktionieren so weit ja
auch ganz gut.
Micha: Ich bin gespannt welcher große Schritt damit gemeint ist und wünsche Dir mit Cellurizon weiterhin viel Spaß und Erfolg! Dankeschön für das Interview, Christian:)
Micha: Ich bin gespannt welcher große Schritt damit gemeint ist und wünsche Dir mit Cellurizon weiterhin viel Spaß und Erfolg! Dankeschön für das Interview, Christian:)







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