Mittwoch, 21. Januar 2015

Interview: Bianca und Marco von Duoscope über Bloggen zu zweit und das Besondere an Filmen: "Ursprünglich sah unser Konzept mehr Konflikt vor."

Sie ist gelernte Schauspielerin, er ist studierter Kulturwissenschaftler. Endlich habe ich es geschafft und kann Euch mein Interview mit Duoscope liefern. Bianca und Marco zählen definitiv zu meinen Filmblog-Favoriten. Umso mehr freue ich mich, dass sie ebenfalls in der Jury für den #derFilmtippAward sitzen. Viel Spaß also mit unserem längeren Gespräch unter Filmliebhabern, dass ich mit den beiden - ganz ihrem Stil entsprechend - in Dialogform geführt habe.
---
Am Set von Ant-Man und LOST: Marco und Bianca von Duoscope
Spaß, natürlich nicht. Die beiden aber sind echt!
---

Micha: Moin Bianca, moin Marco! Ich freue mich, dass ihr mit an Bord seid.

Duoscope: Dankeschön! Wir freuen uns auch. Tolle Aktion übrigens, du hast eine herrlich bunte Jury zusammengerufen. Wir sind gespannt, was am Ende rauskommt.

Micha: Es ist Tradition, also mache ich bei Euch keine Ausnahme – erzählt doch mal was über Duoscope. Woher zum Beispiel der Name? Bei „Duo“ habe ich ja eine Vermutung. ;)

Marco: Ja, das „Duo“ war etwas zu kurz gedacht. Wir Zwei bleiben auf der ganzen Arbeit alleine hängen.

Bianca: Und es ist wirklich viel Arbeit! Sobald wir noch jemanden dazunehmen, müssten wir den Namen ändern.

Marco:  Japp. Wir können nicht mal einen Praktikanten ausbeuten. Heute würde ich uns vermutlich „Die Wilde 13“ nennen. Dann hätten wir viel Luft nach oben, falls uns mal die Puste ausgeht!

Bianca: Aber du hast recht, wir wollten einen Namen, der ausdrückt, dass wir zu zweit sind. Und dann sollte es was mit Optik zu tun haben.


Marco: Wegen Filmblog und so!


Bianca: „Duoscope“ bezeichnet ein Gerät, mit dem man ein Objekt aus zwei Richtungen betrachten kann.

Marco: Wie in Mikroskop, Teleskop und so.


Bianca: Das passte recht gut zu dem, was wir uns vorgestellt haben.


Marco: „1000 Meilen Film“ wäre allerdings auch ein toller Name gewesen – und hätte das Personalproblem gelöst!


---
"Bill Paxton ist bis heute eine große Liebe von mir"
---


Micha: Ich habe zuletzt Euer hochinteressantes Portrait über Mel Gibson gelesen, ein Held meiner Kindheit. Welche Schauspieler zählen für Euch zwei zu den Helden Eurer Filmjugend?

Bianca:
Dankeschön! Das Porträt hat Spaß gebracht und war uns wichtig. Eine wirklich dramatische Persönlichkeit! Unglaublich, aber ich stand damals auf Noah Hathaway als DIE UNENDLICHE GESCHICHTE lief – allerdings ist das sehr frühe Filmjugend. Später kam dann Tom Cruise dazu. Und Winona Ryder und Christian Slater fand ich sensationell! Jeder Film ein Mega-Muss! Und dann, wieder etwas später, stießen noch Brad Pitt hinzu und Leonardo DiCaprio hinzu, die beiden liebe ich heute noch! Und natürlich waren Ethan Hawke und Robert Sean Leonard auch mit dabei, wobei ich Letzteren dann doch aus den Augen verloren habe. Und das sind ja nur die zeitgenössischen Helden, ich hätte da ja noch all die Stars aus den 50er und 60er Jahren in Petto! J
Marco: 
Du willst ja HOUSE, M.D. nicht gucken! Da isser dann gelandet, dein Robert Sean Leonard! Meine Filmjugend begann ja schon recht früh, und damals gab es keine Auswahl. Einen Videorekorder hatten wir erst, als ich etwa Vierzehn war, also bin ich fernsehgeprägt. Ich erinnere mich, dass jeden Sonntagvormittag ein GODZILLA-Film lief, und jeden Sonntagabend ein JAMES BOND. Die anderen Tage kamen gefühlt nur deutsche Schlager- und Paukerfilme im Fernsehen. Meine ersten Helden waren also Godzilla, Sean Connery und Hansi Kraus! Als Videotheken aufkamen, wurde Michael Dudikoff mein großes Vorbild! Ich habe diese ganze AMERICAN NINJA Erfolgswelle mit voller Wucht miterlebt – wir haben auf dem Rasen vorm Haus wilde Kampfszenen veranstaltet! Und Bill Paxton ist bis heute eine große Liebe von mir – mit 13 hab ich ALIENS das erste Mal gesehen, seitdem find ich den Kerl cool und freue mich immer wie ein Kind, wenn er mal in einem Film auftaucht! Da fehlt mir jede Objektivität!!
Bianca:
Ach, an die Zeit in den 70er und 80er Jahren denke ich echt gern zurück. Drei bis fünf Fernsehsender und noch kein Videorekorder – da gab es kein Überangebot, kein wildes Zappen. Da wurde das eine Abendprogramm geguckt, das es eben gab und ich hab mich immer riesig drauf gefreut! Edelwestern am Samstagabend, klassische Krimis am Freitag. Man musste sich notgedrungen viel intensiver mit den einzelnen Filmen auseinandersetzen und konnte nicht sofort zum nächsten springen. Das hat sich mittlerweile sehr verändert. Ich glaube, damals habe ich meine Liebe zum Film entdeckt.

---
"Wir sind wie„Die Ärzte“:
Zwei grundverschiedene Typen, die dennoch auf einer Wellenlänge liegen."
---

Micha: Zu Marcos Lieblingsbüchern 2013 gehören World War Z und Gone Girl. Beides grandiose Bücher mit durchdachtem Unterhaltungswert. Ich hoffe seit Jahren auf eine Verfilmung von Der Schwarm – was würdet ihr gerne mal auf der Leinwand sehen?

Marco:
„A Song of Ice and Fire“ begeistert ja mittlerweile zurecht die Welt! Damit bin ich eigentlich glücklich. Allerdings begleitet mich das Expanded Universe von STAR WARS seit 23 Jahren und ich bin tottraurig, dass ich jetzt weder Admiral Thrawn noch Mara Jade oder Anakin Solo je auf der Leinwand sehen werde. Daneben ist „Spin“ von Robert Charles Wilson einer meiner absoluten Lieblingsromane, ich hoffe, der wird mal verfilmt – und natürlich die „Sandman“-Comics von Neil Gaiman.
Bianca:
Auf die „Der Schwarm“ Verfilmung hab ich mich sehr gefreut, ich fand das Buch sauspannend! Uma Thurman hatte wohl die Rechte gekauft, aber leider ist nix draus geworden. Ich hätte die Verfilmung von „Meg“ gern gesehen, ein Bestseller von Steve Alten über ein „freigelegtes“ Megalodon. Regie sollte Jan De Bont führen, aber der ist dann ausgestiegen oder ausgestiegen worden. Mittlerweile scheint das Projekt ad acta zu liegen. Vielleicht auch besser so – Haifilme tendieren ja grad weniger zum Highlight, und nach dem Desaster mit SPEED 2 war De Bont eh weg. Tatsächlich hatte ich neulich Gänsehaut und Pipi in den Augen, als ich erste Bilder zu DER KLEINE PRINZ gesehen habe! Ein wunderbares Buch, ich bin sehr gespannt!

---
"Erstaunlicherweise sind wir meistens einer Meinung"
---

MichaDuoscope und Micha, das passt zusammen irgendwie. Das stelle ich immer wieder fest, wenn ich lese, was ihr so über Godzilla, 12 Years a Slave oder American Hustle schreibt. Ist es schwierig ein Blog zu zweit zu führen, bei unterschiedlichen Ansichten zum selben Film?

Bianca: Yay, danke für das Lob! Öh, nein, es gestaltet sich einfacher als wir dachten.


Marco: Ursprünglich sah unser Konzept mehr Konflikt vor. Diskussionen und Streit und so. Viel Haareziehen und Schmollen.


Bianca: Erstaunlicherweise sind wir meistens einer Meinung.


Marco:
Seit wir angefangen haben, konnten wir uns nur in einem einzigen Fall überhaupt nicht einigen: GONE GIRL hat uns tief gespalten! Ich hab tatsächlich ein bisschen geschmollt! Wir versuchen, in den Fällen, wo wir unterschiedlicher Meinung sind, beide Ansichten in den Artikel einfließen zu lassen. So wird das Ergebnis ziemlich objektiv.
Bianca:
Wir ergänzen uns generell perfekt! Marco kennt fast jeden großen Film seit 1975 und hat einen guten Zugang zum modernen Action- und Fantasyfilm. Action ist selten meins – Fantasy schon eher, aber Marco ist da definitiv der Kenner von uns beiden!
Marco:
Wir sind da wie die Band „Die Ärzte“: Zwei grundverschiedene Typen, die dennoch auf einer Wellenlänge liegen. Biancas Stärken sind die Klassiker: Wenn der Film zwischen 1920 und 1970 gedreht wurde, hat sie ihn gesehen. Mehrfach! Wenn sie loslegt, spürt man, wie das Goldene Hollywood vor einem wieder lebendig wird. Das fasziniert mich jedes Mal! Gemeinsam decken wir die gesamte Filmgeschichte ab. Inhaltlich interessiert mich meist das Theoretische, Strukturelle, die Wirkung und das soziale Umfeld eines Films. Ich hab halt Kulturwissenschaft und Geschichte studiert.
Bianca:
Ich bin gelernte Schauspielerin, deshalb habe ich den Blick mehr auf den Akteuren und den Bedingungen, unter denen ein Film entsteht. Wie und wieso kann ein Film emotional berühren? Mit welchen Techniken agieren die Schauspieler? Ich liebe es, wenn ein Film endet und ich erst dann bemerke, dass ich gar nicht über die Spieltechniken oder Ähnliches nachgedacht habe. Dann haben die Schauspieler alles richtig gemacht!
Marco:
Wir diskutieren tatsächlich viel über die Filme, aber unsere Artikel spiegeln nicht, wie ehedem geplant, die Diskussion wider, sondern das Ergebnis!
Bianca:
Nur manchmal entspinnen wir unsere Diskussion vor den Augen der Leser, wenn sie uns interessant erscheint. Das ergibt sich dann im Schreibprozess! Das Haareziehen lassen wir aber weg.

---
Audrey geht immer: aktueller Screenshot von duoscope.blogspot.de
---

Micha: Was unterscheidet Duoscope von anderen Filmblogs?

Marco:
Wir sind quasi der Audiokommentar unter den Filmblogs. Als ich meinen ersten DVD-Spieler hatte, habe ich mir von all meinen Lieblingsfilmen die DVD gekauft und nur die Audiokommentare laufen lassen, immer wieder. Das war für mich spannender als der Film: welche Gedanken und Geschichten liegen dahinter? Genau das möchten wir mit unserem Blog für Filmfans leisten.
Bianca:
Wenn wir über Filme gesprochen haben, haben wir immer Anekdoten, Geschichten und Zusammenhänge ausgetauscht, die wir über die Filme und Schauspieler kannten. Wir haben jeden, der uns nach einem Film gefragt hat, mit dem gesamten Hintergrundwissen überhäuft, das wir dazu hatten.
Marco:
Wir wollen keine gängigen „Filmrezensionen“ schreiben, sondern kleine Reportagen zu den Filmen. Ein üblicher Filmblog bietet in der Regel einen sehr aktuellen Service: Man liest die Meinung des Rezensenten, seine Bewertung, und weiß dann, ob man den Film schauen will oder nicht. Wir hatten den Wunsch, eine Art Lexikon zu schreiben, mit Artikeln die zeitlos sind und viel Inhalt bieten, vor allem für Cineasten und ganz speziell die Fans eines bestimmten Films. Deshalb stecken wir bis zu 15 Stunden Arbeit in unsere Artikel. Wir versuchen, den Fans und Liebhabern einen Mehrwert zu bieten. Jeder Film, den wir besprechen, ist aus irgendeinem Grund sehenswert, jeder Star hat das Business entscheidend geprägt.
Bianca:
Oft erwähnen wir mit keinem Wort den Inhalt des Films. Bei GHOSTBUSTERS etwa – kennt doch eh jeder, ist doch viel spannender, wie es zu dem Film kam und wie er die Art, Komödien zu drehen, bis heute verändert hat. Oder wusstest du, dass Charlton Heston einer der ersten Hollywoodstars war, der sich öffentlich für Menschenrechte eingesetzt hat? Er ist für die Rechte der Schwarzen ganz vorne mit nach Washington gelaufen, hat sich für homosexuelle Kollegen eingesetzt und ist einer der ersten sozialen und liberalen Stars in Hollywood, der sich öffentlich politisch für die Gleichbehandlung der Schwachen eingesetzt hat!
Marco: Weiß heute keiner mehr!


Bianca: Richtig, dank Michael Moore! Aber genau um sowas geht‘s bei uns.

---
Die Frau mit den meisten Oscars ist...na, wer weiß es?
---


Marco:
Oder wer kennt Edith Head? Die Frau hat ACHT Oscars gewonnen! Keine Frau der Filmgeschichte hat mehr! Als Kostümdesignerin hat sie an über 1000 Filmen mitgewirkt. Heute weiß jeder, dass praktisch alle Kostümdesigner Frauen sind, aber Edith Head war die erste. Sie hat in den Vierzigern eine rein männliche Domäne beim Film erobert, und heute kann man sich männliche Kostümdesigner fast nicht mehr vorstellen! Jeder große Film und jeder große Star hat die Filmgeschichte verändert und geprägt. Das fasziniert uns.
Bianca:
Zusätzlich möchten wir mehr Aufmerksamkeit für kleinere Independetproduktionen erregen. Da gibt es wirklich sooooo tolle Filme, die kaum jemand sieht, was wirklich schade ist! Die meisten davon sind spannender, kraftvoller und berührender als jedes Effektspektakel. Da steckt auch die erzählerische Innovation im Kino, die heute viele nur noch beim Fernsehen sehen.

Micha: Mein Gott, der norddeutsche Touch in der Begrüßung war nicht beabsichtigt und fällt mir gerade erst auf. Irgendwie kommt’s plump rüber. :D

Marco:
Norddeutsch und plump? Das geht doch gar nicht ... So, und nu ma Budder bei die Fische ... ;-)

Micha: Alles klar, zurück zum Thema. Sagt mir doch mal jeweils drei 2015er Filme, die ihr ohne schlechtes Gewissen jedem Filmfan empfehlen würdet. Mit Begründung selbstverständlich.

Bianca:
Ich bin zwar ein Indie-Verfechter, aber nun folgen tatsächlich drei Mainstream-Empfehlungen! Los geht’s: JAMES BOND – SPECTRE, weil der letzte Bond so grandios war und der Cast für den neuen so kongenial ist, dass der eigentlich nur gut werden kann! JURASSIC WORLD, weil ich da wohl bekomme, was ich erwarte: hervorragendes Popcorn-Kino mit guten Effekten, hanebüchener Story und Dinos, die sich gewaschen haben. THE HATEFUL EIGHT, weil es ein Tarantino ist – die Begründung muss reichen! J
Marco:
2015 hat exzellente Titel in der Pipeline! Ich hab schon jetzt über zwanzig Filme, auf die ich gespannt bin, und es kommen etliche Kracher, an denen ohnehin kein Cineast vorbei kommt. Ich meine, hey: STAR WARS! Hallo!?! Drei Filme, die ich für besonders empfehlenswert halte, sind aber:
ENTOURAGE: Absolute Fanware, aber jede Sekunde wert! Die HBO Serie ist eine der witzigsten und smartesten Aufarbeitungen des Filmgeschäfts, die es gibt! Nach acht Staffeln war Schluss, und jetzt kommt noch ein Film hintendran. Der Trailer verspricht schon das unvergleichliche Flair der Serie. TOMORROWLAND: Brad Birds neuer (Real-)Film verspricht ein Feuerwerk der Fantasie und des filmischen Einfallsreichtums. Wenn der Film das einlöst, was das bisherige Promomaterial verspricht, könnte das eines der absoluten Highlights des Jahres werden! THE LOST CITY OF Z bietet auch alles, was einen exzellenten Kinoausflug ausmacht: Eine wahre Geschichte, ein mysteriöses Abenteuer mitten im Dschungel, exotisches Amazonasflair (die Geschichte hielt sogar schonmal als Hintergrund für einen Indiana Jones Roman her!) und Benedict Cumberbatch! Ich halte James Gray außerdem für einen herausragenden Regisseur, dessen Filme grundsätzlich sehenswert sind!

---
"12 Years a Slave war eine meiner größten Enttäuschungen 2014"
---

Micha: Bianca, 12 Years a Slave, Argo oder The Artist?

Bianca:
Ah, die drei Besten Oscarfilme der letzten Jahre! Auf jeden Fall THE ARTIST! Ach, das war genau mein Ding! Gefühle ohne Sprache, ach was, eine komplette wunderbare Geschichte ohne Sprache, wie früher! Oft wird heute zuviel geredet in den Filmen, jede Handlung nochmal verbalisiert. Toll sind doch die Filme, die Charaktere nur durch Handlungen beschreiben.
Marco:
Wenn ich kurz darf: Das ging in den Siebzigern verloren! Bis dahin, und noch in TERMINATOR, war ganz wenig Text. Und jetzt? In ATTACK OF THE CLONES sehen wir den Attentäter einen Pfeil auf jemanden schießen, der sofort tot zusammenbricht. Und Obi Wan beugt sich runter, zieht den Pfeil raus, mustert ihn und sagt bedeutungsschwanger: „Ein Giftpfeil!“ Was soll der überflüssige Mist?
Bianca:
Weißt du, was wir bezüglich 12 YEARS A SLAVE gelesen haben? Viele Academy-Mitglieder haben den Film gar nicht gesehen, fühlten sich aber verpflichtet, das Rassismus-Drama zu prämieren! So viel zu der Auszeichnung „Bester Film“. Und unter uns: Ich fand, dass der Film in so unendlich vielerlei Hinsicht an seinen Chancen vorbeigestiefelt ist, dass er eine meiner größten Enttäuschungen 2014 ist!

Wie ich schon sagte. Eine Wellenlänge und so. Marco, du findest Enemy gut. Hab ihn auch gesehen. Erklär ihn mir bitte. :D

Marco:
Kein Problem, ich muss nur noch kurz die Farbe von Pi auf dem Theremin spielen ... Spaß beiseite – weder kann ich das, noch sollte ich es, weil der Film davon lebt, dass jeder selbst ihm eine Deutung gibt. Das Ding ist ein Meisterwerk! Ich habe meine Interpretation zwar öffentlich geäußert, aber tatsächlich finde ich es viel interessanter, Deutungen auszutauschen, als sie vorzusagen und höre viel lieber eine Deutung, als eine abzugeben. Wie hast du ihn denn verstanden? Erwähnte ich, dass Villeneuve vom Team eine Verschwiegenheitserklärung hat unterschreiben lassen, dass niemand etwas zu seinen Absichten sagt? Er selbst meinte, es macht mehr Spaß, wenn jeder selbst das Rätsel löst.

Micha. Na, daran haben sich alle Beteiligten allerdings gehalten! Worauf werdet ihr achten, wenn ihr Euch die fertige Nominiertenliste vom #derFilmtipp Award anschauen werdet und eine Entscheidung treffen wollt?

Bianca:
Ich glaube, am meisten auf das, was die Filme im ersten Moment in mir auslösen: Wohlwollen, Freude oder eher ein schüttelndes „Brrrrr“? – und danach werde ich ihn bepunkten. Ja, ich glaube, so wird das wohl laufen. Wir haben in diesem Jahr bereits so viel analysiert und auseinandergenommen, dass das alles jetzt zwar mitschwingt, aber der Bauch entscheiden darf! Yay!

Marco:
Ich mag keine Erwartbarkeiten. Mir ist oft am wichtigsten: Bringt der Film was Neues,  und wenn ja, wie gut? Das ist immer das, was ich an einem Film am tollsten finde, deswegen liebe ich auch strittige Werke wie SNOWPIERCER: Der hatte eine unglaublich kreative Wucht und war bis unters Dach vollgestopft mit neuen Sachen. Da sitze ich mit leuchtenden Augen wie gebannt im Kino, als wäre es das allererste Mal! Ich liebe Überraschungen auf der Leinwand, egal ob gute oder schlechte!
Ein Film wie GRAND BUDAPEST HOTEL lässt mich da beispielsweise deutlich kälter: Der Film ist zwar kurzweilig und astrein gemacht, aber halt Wes Anderson-Standardware – der Kerl kopiert sich selbst so konsequent, dass er fast zur Parodie seiner Selbst wird und mich auf gewisse Art langweilt.

Micha: Ich danke Euch für Eure Zeit und Eure Worte!

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen