Intro: Seine Hände streichen durch ihr Haar, sie blickt ihn an. Er stellt sich vor wie es wäre ihr den Schädel einzuschlagen und fragt: „Was haben wir uns angetan?“ Wenn ein Film zu Ende ist und das Publikum mit einem spürbar
mulmigen Gefühl den Saal verlässt, dann war der Film entweder enttäuschend oder
aber aufwühlend. David Fincher (Fight Club, Sieben, u.a.) hat mit Gone Girl
einen Thriller geschaffen, der definitiv im Gedächtnis bleibt und meiner
Meinung nach der bislang beste Film des Jahres 2014 ist. Wenn es für dieses
Meisterwerk keine Preise gibt, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.
Viel darf einfach nicht verraten werden, ich versuche Euch
trotzdem kurz den Handlungsrahmen zu erläutern: An ihrem fünften Hochzeitstag
verschwindet Amy Dunne spurlos. Ehemann Nick alarmiert Polizei und Medien. Ein
Fehler, denn lange kann er die Fassade, seine Ehe mit Amy sei glücklich
gewesen, nicht aufrecht halten. Die Notizen seiner Ehefrau und sein seltsames
Verhalten lassen ihn nach und nach zum Tatverdächtigen mutieren. Leute, lasst
Euch nicht vom nichtssagenden Titel abschrecken und guckt diesen Film einfach! Er ist so viel besser als alle Turtles, Sex Tapes und Draculas dieser Welt.
Gone Girl – Das perfekte Opfer wurde 2012 das
zweiterfolgreichste Buch hinter Fifty Shades of Grey. Zum Glück durfte Autorin
Gillian Flynn selbst das Drehbuch zur Verfilmung schreiben. Ich habe das Buch
zwar nicht gelesen – noch nicht – aber wenn man Kommentaren und Kritikern
glauben darf, dann hat sie gewisse intensivere Filmszenen der Story
hinzugedichtet. Auf David Fincher zugeschnitten möchte man meinen. Mich
jedenfalls stört das keineswegs, denn ich wurde die vollen zweieinhalb Stunden
bestens unterhalten.
Erschreckend. Gut. Rosamund Pike.
Es ist eine Schande, dass Rosamund Pike (The World’s End,
Stolz und Vorurteil, u.a.) mehr oder weniger nur die 6. Oder 7. Wahl war.
Jedenfalls fielen lange vor ihr Namen wie Natalie Portman, Jessica Chastain,
Charlize Theron, Emily Blunt, Abbie Cornish, Olivia Wilde und Julianne Hough.
Vor allem Portman, Chastain und Blunt schätze ich sehr, aber sie hätten es
niemals so hinbekommen wie Pike. Sie reißt einen mit und spielt ihre „Amazing
Amy“ so intensiv, dass es beängstigend und faszinierend zugleich ist. Wenn
diese Frau keine Oscar-Nominierung erhält, wer denn bitte dann?
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| © 20th Century Fox |
Auch Ben Affleck spielt elektrisierend. Gegen diese
emotionale Rosamund Pike kommt er nicht an, trotzdem macht seine charmante,
aber irgendwie seelenlose und nüchterne Figur neugierig und sorgt für die
nötigen Fragezeichen über den Zuschauerköpfen. In den Nebenrollen gefallen mir
vor allem die noch weitestgehend unbekannten Gesichter. Da wären zum Beispiel
Patrick Fugit und Kim Dickens (Hollow Man, The Blind Side, u.a.) als hoch
interessantes Ermittler-Duo sowie Tyler Perry als zynischer Star-Anwalt und
Carrie Coon als Nicks treue Schwester. Super Dialoge, die den Film gut
begleiten. Schon in meiner Monats-Preview habe ich Gone Girl auf Platz 1 gesetzt und damit habe ich (schulterklopf!) absolut richtig gelegen.
Großes Kino aller Beteiligten
Bei weiteren Nebenrollen muss ich schon sagen, dass die
Auswahl schlitzohrig ist. Neil Patrick Harris dürfte alleine durch seinen
Erfolg als Barney Stinson in How I Met Your Mother weitere Zuschauer in die
Kinos locken. Er macht seine Sache als Amys zwielichtiger Schulfreund auch
wirklich gut, leider stellt sich den ganzen Film über trotzdem nicht das Gefühl
ein, man sehe noch immer Barney vor sich. Vielleicht liegt es an der deutschen
Synchronisation. Für die Männer/Fashionwelt wurde zudem Model Emily Ratajkowski
engagiert, die den meisten als Nackedei in Robin Thickes „Blurred Lines“
bekannt sein dürfte. Auch hier darf sie kurz blankziehen.
„Team Fincher“ sollte noch viele Filme zusammen machen. Warum
„Team Fincher“? Da wäre zum einen Jeff Cronenweth (auch bei Fight Club), dessen
Kameraarbeit schon in Verblendung und The Social Network oscarnominiert wurde.
Auch dieses Mal hält er brutal nah auf Gesichter und dann drauf, wenn andere
lieber wegschauen. Die perfekten Schnitte stammen vom zweifachen Oscargewinner
Kirk Baxter (ebenfalls Verblendung und The Social Network), der zudem noch für Derseltsame Fall des Benjamin Button nominiert war. Das ganz große Plus ist dieses
Mal aber der Score von Nine Inch Nails Mastermind Trent Reznor. Gerade in den „heftigen“
Augenblicken durchbohrt sein wummernder Sound die Nerven. Gänsehaut pur!
Es tut mir leid, ich kann Euch keine Szenen-Beispiele
nennen, weil ich Euch einfach nichts verraten möchte. Ich kann Euch sagen, dass
der Film nicht ganz unblutig ist und einige Momente nichts für Zuschauer mit schwachen
Nerven sind. Auf der anderen Seite gelingt es Fincher kleine Happen Medien- und
Vorstadtsatire mit einfließen zu lassen, ohne, dass sie störend zum depressiven
Gesamtkontext wirken. Wer Fincher-Werke wie Sieben, Verblendung oder Alien³ kennt,
der wird am ehesten wissen, was ich meine.
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| © 20th Century Fox |
Fazit: Gone Girl ist ein depressiver, atmosphärisch dichter
und bitterböser Thriller, der die Zuschauer (vor allem Pärchen) mit einem faden
Beigeschmack aus dem Kinosaal entlässt. Weit heftiger als nur ein Beziehungsdrama.
Ich bin völlig begeistert! Rosamund Pike ist schlichtweg fantastisch in ihrer
Rolle und auch Ben Affleck überzeugt mich voll und ganz. Technisch wird hier
alles richtig gemacht, der Score geht unter die Haut. Wer auf viele üble Überraschungen, Zynismus und düstere Optik steht, dem kann ich den Film nur
wärmstens empfehlen. Und auch sonst jedem!







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