U.S.A! U.S.A! U.S…Oh, sorry. Hi Buddies! Kennt ihr Eddie Ray
Routh? Eddie ist 27 Jahre alt und Ex-Soldat. Er wurde vor kurzem im
US-Bundesstaat Texas zu lebenslanger Haft ohne Chancen auf Bewährung verurteilt.
Wegen Mord. Vor rund zwei Jahren erschoss er Chad Littlefield und Chris Kyle.
Eddies Problem, keiner kannte ihn. Sein Opfer Chris Kyle war (und ist) dummerweise
ein amerikanischer Held. Ein ehemaliger Navy Seal, bekannt als „Legend“. Wir
kennen ihn als American Sniper.
Chris Kyle tötete in seinen Irak-Einsätzen 255 Menschen, 160
davon verifiziert. US-Militärrekord. Bradley Cooper (Silver Linings, Serena, u.a.) verkörpert den gefeierten
Nationalhelden nun in der Verfilmung seines Buches „American Sniper: The
Autobiography of the Most Lethal Sniper in U.S. Military History“. Es geht um
den Scharfschützen Chris Kyle, seine Einsätze im Irak und seine Probleme in der Heimat damit
abzuschließen. Das Werk wurde sechsmal für den Oscar nominiert und gilt als
finanziell erfolgreichster Kriegsfilm Amerikas. Er spaltet die Meinungslager, wie kein zweiter Film. Und er ist schlecht.
Wie bereits erwähnt wird Kyle vom moppeligen „Mr. Nice Guy“
Bradley Cooper als Inbegriff amerikanischer Ehrenbürger inszeniert. Ein
texanischer Cowboy, der von seiner streng-christlich erzogenen Familie einen
Beschützerinstinkt verpasst bekam. Nach einem Attentat auf zwei US-Botschaften
in Ostafrika 1998 lässt er sich aus Pflichtgefühl zum Navy Seal rekrutieren.
Was für ein Kerl. Sein Weg wird schnell und nicht gerade realistisch abgespult.
Schwupps ist er bei den Seals. Mit 30 Jahren. Schwupps findet er noch schnell seine
spätere Ehefrau, die Seals hasst, mit Alk und Charme aber sofort anbeißt.
Schwupps kommt die Hochzeit. Schwupps kommt der Irak. Dazu noch schnell ein
paar Bedenken, weil der kleine Bruder mit muss (nach ihm kräht später aber kein
Hahn mehr).
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| "Clint, ich kann das so nicht sagen! Was? Ja ist ja gut." © Warner Bros. |
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Die Sichtweise des Films ist so beschränkt, wie das Fernrohr
eines Sniper-Gewehrs. Und das ist pure Absicht, dazu später mehr. Kyles Ausbildung
wird als hart angeschnitten, aber durch lockere Sprüche verharmlost. Kaum im
Irak, „dem neuen Wilden Westen im alten Mittleren Osten“, wird schnell klar,
dass alles was Amerika dort tut, gerechtfertigt ist. Kyle macht von Beginn an
keine Fehler. Nicht einen! Jeder Schuss rettet Leben. Dieser These verleiht
Clint Eastwood absolute Berechtigung durch Irakis („Wilde“) als das
personifizierte Böse: Den Kollaborateur, „das Arschloch“, „den Schlächter“ und
Mustafa, Kyles für den Film erfundenes, arabisches Pendant.
Im Buch schrieb unser Held „Es war meine Aufgabe, zu
schießen und ich bereue es nicht. Meine Schüsse haben Amerikanern das Leben
gerettet“, und ergänzte: „Ich bedauere nur, nicht noch mehr Feinde erschossen
zu haben.“ Damit er ein Held bleibt wurde das Zitat für den Film schnell mal
umgeschrieben. Dort wird Kyle folgendes sagen: „Ich bin bereit vor meinen
Schöpfer zu treten und mich für jeden tödlichen Schuss zu verantworten. Was
mich verfolgt sind all die, die ich nicht retten konnte.“ Ist das nicht
rührend?
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American Liar
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Kyle bleibt im Film trotz Heldenstatus immer bescheiden. Was
dort nicht mal erwähnt wird: In Wirklichkeit holte der Mann aus seinem Ruhm 1,6
Millionen verkaufte Biografie-Exemplare, eine TV-Dokusoap und Bronzestatuen in
der Heimat. Was auch nicht auftaucht sind Kyles nachgewiesene Lügen. Die zwei Autoräuber,
die er in Texas mal erwischt haben soll existierten nie, ebenso die 30
Plünderer in New Orleans, nach Hurrikan „Katrina“, die er vom Dach aus
abgeschossen haben will. Die bekannteste Lüge: Kyle will Ex-Wrestler und
Ex-Gouverneur Jesse Ventura in einer Kneipe k. o. geschlagen haben, als Strafe
für negative Statements über die US-Truppen. Für diese Lüge erhielt Ventura vom
Gericht 1,9 Millionen Dollar Schadensersatz. Übrigens wusstet ihr, dass ursprünglich Steven Spielberg den Film drehen sollte? Er wollte auch die arabische Seite mehr beleuchten. Das lehnten die Studios ab und nannten als Argument zu hohe Kosten. Spielberg stieg aus.
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„Who wants to send a message to al-Quaida?“
Der Spiegel
schreibt Coopers Darstellung von Kyle sei „besonders und zugleich beunruhigend“.
Seth Rogen twitterte, der Film erinnere ihn an Nazi-Propaganda. Tatsächlich
erinnert mich die konstant einseitige Perspektive an den fiktiven Nazi-Streifen
„Der Stolz der Nation“
aus Quentin Tarantinos Inglorious Basterds. Dort ballert Deutschlands bester Schütze Fredrik Zoller (Daniel
Brühl) den Gegner im Alleingang ab, von einem umzingelten Wachturm aus.
Tarantino verarscht dort weltklasse, was Filme wie American Sniper oder auch Herz aus Stahl stumpf wie Brot tatsächlich abliefern. Einziger Unterschied, die
Navy Seals schaffen das sogar während eines Sandsturms. Unbeschadet. Rechtspopulisten
wie Sarah Palin sind begeistert.
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Gott. Land. Familie. Hooyah!
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Waffenfreund Eastwood gaukelt uns vor, sein Film zeige auch
die negativen Seiten. Zum Beispiel als Kyles Bruder völlig verstört in den
Flieger steigt und nach Hause will. Doch irgendwie wirkt es trotzdem so, als
sei es ein Zeichen von Schwäche. Auch Kyles Probleme den Krieg in der Heimat zu
verarbeiten werden nur angeschnitten durch Klischees, wie Traumata durch Gewehrgeräusche,
oder Aggression. Wie er es am Ende schafft? Natürlich von selbst. Er hilft Veteranen,
natürlich durch Tipps am Schießstand, ihr Selbstwertgefühl zu erneuern („Fühlt
sich an, als hätte ich meine Eier wieder.“). Würg. Ernsthafte Herangehensweise an das vielleicht interessanteste Thema der ganze Sache? Null.
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| American Mobile. Ständig erreichbar. Zum Schwangertarif. © Warner Bros. Pictures Germany |
Inhaltlicher Bullshit wird hier durch gute Kamerafahrten und
einen wirklich soliden Score wenigstens technisch noch aufgefangen. Sienna
Miller wird als immerheulende Frau chronisch unterfordert. Bradley Cooper
schafft es nur in wenigen Momenten echte Emotionen zu vermitteln. Auch aus
neutraler Sicht ist der Film nur Durchschnitt und vier von sechs
Oscar-Nominierungen ein echter Witz, wenn man bedenkt, dass Ralph Fiennes, Jake
Gyllenhaal und Co. nicht mal bedacht wurden. Bei 60 Millionen Dollar Budget hätte man wenigstens ein echtes Baby zeigen können und nicht nur eine Puppe. Kein Witz! Der Trailer war gut. Joa. Der hat mir gefallen.
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Fazit:
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Versuchen wir mal für einen Moment der Wahrheit ins Auge zu
sehen: Chris Kyle war ein Auftragskiller, kein Held. American Sniper ist pure
Blendung. Eine republikanische Ideologie, verpackt in einem langatmigen
Popcorn-Movie, in dem bärtige Vaterfiguren Kinder erschießen und trotzdem mit
Flagge und Trompete beerdigt werden. Auf technischem Level durchaus sehenswert,
doch die Erzählweise ist grober Unfug.
Übrigens: Dass Eddie Ray Routh - der Täter - unter
posttraumatischer Belastungsstörung aus dem Irak-Krieg leide, kaufte die Jury
ihm so nicht ab. Seiner paranoiden Störung sei vielmehr durch Alkohol und
Drogen eine Psychose erwachsen. Über die Entscheidung des Strafmaßes wurde im
selben Zeitraum verhandelt, in dem American Sniper in den Kinos anlief. Rouths
Anwalt Warren St. John fragte damals den Hollywood-Reporter: „Kann es einen
fairen Prozess geben?“







Schön auseinandergenommen!
AntwortenLöschenDankeschön :)
LöschenGute Kritik!! :) Also, inhaltlich. Wir haben den Film ja nicht gesehen... :D
AntwortenLöschenDankeschön :) Lasst es ruhig auch in Zukunft bleiben!
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