Sonntag, 8. März 2015

Der Filmtipp: Rache oder Helden der Selbstjustiz, Teil 1: The Equalizer - Denzel Washingtons lahme One Man Show

Hi Freunde,

in den kommenden Tagen möchte ich Euch drei Filme näher bringen, die allesamt ähnliche Geschichten, Typen und Strukturen vorweisen. The Equalizer aus 2014, Taken 3 und John Wick. Ihr seht, es geht um heldenhafte Rächer, die mit der Moralfrage spielen. Gemeinsam haben sie, dass sie eine gewisse Fanbase besitzen und teils sehr unterschiedliche Kritiken einsammeln. Fangen wir mal an mit The Equalizer.

Worum geht es überhaupt? Robert McCall ist ein ehemaliger Agent mit Tötungstalent im Ruhestand. Zwar hat sich der introvertierte Mann in Boston zurückgezogen, doch der gläubige Christ ist ein Verfechter absoluter Gerechtigkeit und tritt hin und wieder noch für diejenigen ein, die sich selbst nicht helfen können. Im Falle der jungen Prostituierten Teri fällt Robert komplett in alte Muster zurück. Als seine junge Gesprächspartnerin aus dem seinem Stammlokal schließlich Ärger mit der russischen Mafia bekommt und verletzt wird startet er einen Rachefeldzug gegen jeden, der mit der Tat in Verbindung steht.

Mit Training Day feierten Denzel Washington (Flight, Inside Man, u.a.) und Regisseur Antoine Fuqua (King Arthur, Olympus Has Fallen, u.a.) einen der größten Erfolge ihrer jeweiligen Karrieren. Für die Adaptierung der Erfolgsserie aus den 80ern starteten sie nun eine weitere Zusammenarbeit, die mit großem Tamtam angekündigt wurde. Das Resultat ist eher enttäuschend. Denzel Washington liefert nichts weiter ab, als eine weitere „Too-Cool-For-School“-Figur. Zwar versteckt das Drehbuch diese Unkreativität hinter erzwungenen Moralfragen, spirituellem Bockmist-Gefasel und Möchtegern-Tiefe, doch mehr ist da einfach nicht. Dazu dann noch Leon Bodens typische Denzel-Synchro und man hat blitzschnell das Gefühl alles schon zig mal gesehen zu haben. 

---
"Aber Vooorsicht, it's cool, man!"
© Sony Pictures
---

Und da haben wir auch gleich das Problem. Mangelnde Ideen, fehlende Tiefe und starre Dialoge können heutzutage trotzdem abgefeiert und verblendet werden. Optisch ist der Film nämlich ganz nett geworden. Für mich persönlich etwas zu stilisiert, ich stehe da eher auf’s Grobe, Dreck, Grau und raue Authentizität. Nicht diese Kontraststärke, ständige Zeitlupen und alles in schön bunt und knallig. Dazu dann ein Score, der die durchchoreografierte Action im Gangsterstyle begleitet. Und selbst wenn man sich darauf einlässt, dann machen Filme wie John Wick das noch eine Spur besser. 

---
"Du spielst so 'nen Russen, der aussieht wie ein tätowierter Latino. Also den Bösen."
© Sony Pictures
---

Bei Filmen über Selbstjustiz hätte ich mich gefreut, wenn der Gesetzeskonflikt (oder wenigstens das Gewissen) noch irgendwie angesprochen würden. Dem ist hier aber nicht so, dem Zuschauer wird gar nicht die Möglichkeit gegeben die Taten von Baumarktkiller Robert in Frage zu stellen. Ein Moviepilot-User beschrieb die ganze Sache passend mit folgenden Worten: 

„Denzel Washington ist Batman, Robin Hood und Mutter Theresa in einer Person. Dazu steht er gerne mysteriös in dunklen Ecken oder meuchelt sich ultrastylisch in Zeitlupe, im Regen durch russische Mafiaschergen.“

Die angebliche Gewaltorgie stelle ich hier allerdings auch nicht fest. Nicht falsch verstehen, ein Film ist nicht besser, nur weil’s mehr Blut und Action gibt. Aber so gar nichts bei The Equalizer schockt, überrascht und oder hebt sich sonst wo ab aus der Genre-Masse. Generell wollte bei mir über die gesamte Filmlänge nicht großartig Spannung aufkommen. Darüber hinaus hätte ich mich gefreut, wenn Chloe Grace Moretz (Let Me In, Kick-Ass, u.a.) etwas mehr Screentime erhalten hätte. Oder, wenn sie diese belanglose Rolle erst gar nicht angenommen hätte.

---
Fazit:
---


Kein Thriller, kein Gangsterkult, kein Drama - irgendwas dazwischen. Für einen netten DVD-Abend reicht das aber alles aus, keine Frage. Es ist ein solider Actionfilm, der von der Machart her ganz interessant aussieht. Aber etwas Besonderes kann ich absolut nicht erkennen. Er ist ein Sandkorn im Meer und nicht wirklich spannend. Und das ist schade, wenn man in Filmen wie Flight oder Training Day sieht, wozu Denzel Washington eigentlich im Stande wäre.


0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen