Freitag, 18. April 2014

Flopcorn statt Popcorn: Vier Biografien, die keinen interessieren


Diana

Es hätte die große Rolle für Naomi Watts werden sollen. Nach dem Achtungserfolg von Peter Jacksons King Kong und ihren zwei Oscar-Nominierungen für das Tsunami-Drama The Impossible und den Episodenfilm 21 Gramm hatten viele Filmkenner Diana schon als sicheren Preisträger auf dem Zettel. Doch es kam alles anders, denn gerade die Briten waren überhaupt nicht zufrieden mit Watts‘ Interpretation der verunglückten Prinzessin von Wales. Immerhin, zeigten die Engländer wenigstens Interesse. In Deutschland scheiterte der Film gnadenlos an den Kinokassen mit nur 17.000 Zuschauern beim Start. Zum Vergleich: 252.867 Personen wollten Lego: The Movie gleich in der ersten Woche sehen, sogar für den total unbekannten Super-Hypochonder schafften es 56.412 Zuschauer in die Säle. Als Krönung wurde Naomi Watts auch noch für eine Goldene Himbeere als schlechteste Hauptdarstellerin nominiert.


Grace of Monaco


Nicole Kidman ist ab dem 15. Mai als Grace Kelly in den deutschen Kinos zu sehen. Richtig gehört, der Film kommt erst noch und trotzdem bin ich mir absolut sicher, dass auch er zu den Flops des Jahres zählen wird. Ähnlich wie bei Diana versucht sich eine gestandene Schauspielerin in einer biografischen Rolle über eine Weltikone. Nun liegt Nicole Kidmans letzter Erfolg schon Jahre zurück. Zuletzt wollte kaum jemand Stoker sehen. Für The Paperboy wurde sie immerhin noch für den Golden Globe nominiert, doch auch ihr Bett-Duett mit Zac Efron ging bei den Filmkritikern größtenteils unter. Dass sie in den bekloppten Komödien Plötzlich Star und Meine erfundene Frau mitgespielt hat, hat sowieso kaum jemand mitbekommen. Vielleicht liegt es am Botox, oder aber daran, dass die mehrfache Preisträgerin ihre Berater in Sachen Rollenwahl eventuell wechseln sollte.


Mandela


In Idris Elba, dem ich persönlich seine Schwachsinnsrolle in Prometheus nie verzeihen werde, versuchte Hollywood so etwas, wie einen aufgehenden Stern zu kreieren. Plötzlich tauchte sein Gesicht in diversen Kinofilmen auf. Vor allem in der Serie Luther sorgte er für Furore und holte den Golden Globe. Die Tatsache, dass dieser Mann Nelson Mandela verkörpern sollte schrie nach Oscars und Aufmerksamkeit. Traurigerweise gesellte sich mit Mandelas Tod ein fragwürdiger PR-Faktor hinzu. Und trotzdem: Mit rund 1,6 Millionen Zuschauern wurde die Biografie in Deutschland von knapp viermal weniger Deutschen gesehen, als zum Beispiel Lincoln oder 12 Years a Slave. Und siehe da, die vorher angekündigten Oscar-Gewinne blieben aus, Elbas Leistung wurde bestenfalls als Durchschnitt abgestempelt.


Yves Saint Laurent


Seit Mittwoch läuft in den deutschen Kinos die Biografie über Yves Saint Laurent. Dass dieser Film ebenfalls keinen großen Erfolg feiern wird ist abzusehen. Französisches Kino bekommt generell weniger Aufmerksamkeit – Filme wie Ziemlich Beste Freunde sind eine Ausnahme – als US-Produktionen. Die Darsteller sind hierzulande weitestgehend unbekannt und noch dazu sind die Geschichten von Modeschöpfern nicht so spannend, wie zum Beispiel von Freiheitskämpfern, Prinzessinnen oder Formel-1-Fahrern. Die Zeit schreibt: „Dass dieser Mann die Mode umgekrempelt hat, musste extra in den Abspann geschrieben werden, es wäre sonst unbemerkt geblieben.“ Klingt nicht danach, als würden die Filmkunstkinos demnächst gestürmt werden.

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