Wovon handelt eigentlich Transcendence? Kurz und knapp: Es
geht um technologische Singularität und die komplexe Arbeit an einem
Supercomputer, der das gesamte Wissen der Welt mit dem vollen Gefühls- und
Emotionsspektrum eines Menschen in sich aufnimmt. Dies gelingt im Film durch
die Vernetzung eines lebenden Gehirns mit der Festplatte eines Rechners.
Erinnerungen und Bewusstsein werden als Datenträger abgespeichert. Daraus
entsteht ein vermeintlich fühlendes Programm, welches über einen Pixel-Avatar
mit der Außenwelt kommuniziert. Es strebt nach Weiterentwicklung und
praktischer Ausschöpfung seines Potenzials, weshalb es an das Internet
angeschlossen werden will.
„Klar soweit?“
Okay, Standbildpause. Johnny Depp und
Rebecca Hall spielen das Wissenschaftlerpärchen Will und Evelyn Caster, das
sich mit dem oben genannten Gebiet befasst. Nach einer Konferenz verübt eine
technikfeindliche Untergrundorganisation Anschläge auf sämtliche
Wissenschaftler, die sich mit künstlicher Intelligenz befassen. Will wird
verseucht und liegt im Sterben. Um seine Arbeit zu vervollständigen und seine
Seele nicht ganz zu verlieren beschließt Evelyn zusammen mit ihrem gemeinsamen
Freund Max (Paul Bettany) sein Hirn mit einem Supercomputer zu vernetzen.
Dieser Computer speichert alle Informationen ab, kurz darauf stirbt Will.
Doch dann der Durchbruch. Will kehrt als Programm mit
Avatar, Stimme und Erinnerungsvermögen zurück auf den Bildschirm des Rechners.
Er saugt sämtliches Wissen der Welt auf und plant den Anschluss ans Internet,
um sein Wissen anzuwenden. Während Evelyn glaubt den Geist und die Seele ihre
toten Mannes gerettet zu haben, fangen Computerspezialist Tagger (Morgan
Freeman), FBI-Agent Buchanan (Cilian Murphy) und Max an zu zweifeln. Und sie
sollten Recht behalten. Helfen können vielleicht nur Bree (Kate Mara) und ihre
Technikgegner – die Mörder von Will.
Wo Wikipedia nicht mehr ausreicht
Die Idee der Geschichte ist schwere Kost, aber trotzdem sehr interessant. Leider kann man als Ottonormalverbraucher nie wirklich nachvollziehen, wie realistisch oder wie unlogisch die Handlung gestrickt ist. Wills Möglichkeiten werden erst einmal hingenommen und die zugegeben beeindruckenden Bilder lenken hin und wieder vom Zweifeln ab. Auf technischer Ebene bin ich also ehrlich und konsumiere einfach. Was mir aber nicht gefällt sind die Charakterzeichnungen. Johnny Depp, endlich mal wieder in einer „normalen“ Rolle, sticht allein durch sein Können und sein Charisma dabei heraus. Vor allem als Pixel-Face wirkt er.
Die Idee der Geschichte ist schwere Kost, aber trotzdem sehr interessant. Leider kann man als Ottonormalverbraucher nie wirklich nachvollziehen, wie realistisch oder wie unlogisch die Handlung gestrickt ist. Wills Möglichkeiten werden erst einmal hingenommen und die zugegeben beeindruckenden Bilder lenken hin und wieder vom Zweifeln ab. Auf technischer Ebene bin ich also ehrlich und konsumiere einfach. Was mir aber nicht gefällt sind die Charakterzeichnungen. Johnny Depp, endlich mal wieder in einer „normalen“ Rolle, sticht allein durch sein Können und sein Charisma dabei heraus. Vor allem als Pixel-Face wirkt er.
Alle anderen Darsteller bleiben farblos. Während es Rebecca
Hall noch ansatzweise gelingt Emotion und eine verzweifelte Liebe auf die
Leinwand zu übertragen, sind die Beweggründe von Bree und ihrer Organisation in
ein, zwei Sätzen abgehandelt. Und für mich damit ungeklärt oder zumindest nicht
ausreichend dargestellt. Paul Bettanys Figur, dessen Beziehung zum Paar oder
sein innerer Zwiespalt hätten gerne intensiver beleuchtet werden können und was
Morgan Freeman und Cilian Murphy angeht – ihre Charaktere hätte man sich sogar
komplett sparen können.
Still & steril & trotzdem zuviel
Wer einen Actionkracher erwartet, der irrt. Transcendence
ist kein zweiter Inception, obgleich bekannte Gesichter dabei sind und Regisseur
Wally Pfister damals als Kamermann mitwirkte. Doch eben die fehlende Tiefe
lässt einen Vergleich mit Christopher Nolans Werk nicht zu. Stattdessen gibt es
viel ruhige Momente, langgezogene Szenen und Panorama-Aufnahmen. Sterile
Atmosphäre statt SciFi-Abenteuer oder Weltuntergang. Ohne Frage besitzt der
Streifen einen futuristischen Glanz mit netten Effekten. Das völlig überladene
Finale aber strapaziert Nerven und Hirn – nicht jeder kann sich schließlich den
Luxus leisten diese auf Festplatte zu speichern.
Fazit: Transcendence vermeidet das, was Dr. Will Caster als Computerprogramm tat: Potenzial ausschöpfen. Die interessante Geschichte ist zu schwierig um beiläufig erzählt zu werden und zu den Figuren wird zu wenig Nähe entwickelt. So bleibt am Ende ein Film, der optisch ganz nett und auch spannend ist, aber am Ziel weit vorbei schießt. Trotzdem macht er nachdenklich und hinterlässt Eindruck. Für mich aber eine Enttäuschung, denn ich hatte nicht einen "Kann-man-mal-gucken"-Movie erwartet, sondern ein Jahreshighlight.




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