1996 flüchteten Helen Hunt, Bill Paxton und Philip Seymour
Hoffman vor ein paar Tornados, die so gut aussahen, dass sie zwei
Oscar-Nominierungen erhielten. Seit diesem Erfolg ist es im Blockbusterkino
ruhig um die Wirbelwinde geworden. Storm Hunters lässt sie 18 Jahre später
wieder über die Leinwand fegen – und es kracht gewaltig!
Die Story ist kurz erzählt, was kein gutes Zeichen ist, in
einem Katastrophenfilm aber okay. Ein paar vom Unwetter überraschte Zivilisten
treffen auf eine Gruppe Sturmjäger und kämpfen gemeinsam ums Überleben. Was sie
nicht ahnen können: diese Sturmfront nimmt Ausmaße an, die einmalig in der
Geschichte der Wetteraufzeichnungen sein werden. Mit dabei ist Richard
Armitage, der mir sonst nur als Zwergenkönig Thorin Eichenschild (Der Hobbit)
bekannt ist. An seiner Seite flüchtet Sarah Wayne Callies - über ihren Serientod
in The Walking Dead bin ich noch heute froh. Beide machen ihre Sache aber gut.
Große Darstellerkunst gibt es hier sowieso nicht, da die Effekte klar im Fokus
stehen.
Was mir persönlich gut gefällt ist, dass Storm Hunters
gleich zu Beginn stark loslegt. Ein paar Teenager werden nachts von einem
Twister erfasst. Diese düstere, beklemmende Einstiegsszene ist direkt ein
erstes Highlight. Gerade weil der Film zu 50 Prozent im Found-Footage-Stil
gedreht ist, hätte es mich gefreut, wenn diese unvorhersehbaren Überfälle bei
Nacht noch mehr thematisiert worden wären.
Hier fragt keiner, warum die Kamera wackelt
Als Begründung der ständigen Handkameraführung werden hier
unter anderem die wichtigen Aufnahmen der Sturmjäger angeführt, was durchaus
passt. Leider gibt es erklärungstechnisch keine Datentiefe. Die Stürme tauchen
auf. Werden größer. Stärker. Mehr. Warum? Hier bleibt das Drehbuch auf der
Strecke bzw. dreht seine Kreise zurück zu Found Footage, denn nicht jeder
Zivilist, der das Chaos miterlebt, bekommt gleich ein paar nette Gründe für die
Stürme mit auf den Weg. Das alles klingt schlimmer als es ist, denn dieser
Katastrophenfilm hier ist vor allem eines: verdammt schnell!
![]() |
| © Warner Bros. |
Atempausen gibt es selten, die Stürme tauchen urplötzlich
auf, werden stärker und bedrohlicher und aus mehreren Perspektiven geschildert.
Ein Fußballspiel dauert länger als dieser rasende Überlebenskampf. Hektik,
Krach und viel Wind – Regisseur Steven Quale (Final Destination 5) bringt seine Stürme bildgewaltig
und packend aufs Bild. Sogar James Cameron sollen die Spezialeffekte gefallen
haben, die zusammen mit dem erst einmal in Oblivion genutzten Dolby-Atmos-Surround
(3D-Sound, wenn man so will) eine beängstigend echte Atmosphäre schaffen. Dadurch
wird der Zuschauer von kleineren Logiklücken abgelenkt, aber sei es drum.
Dieses Tempo fesselt bis zum Schluss, wenn der Tornado Kleinstadtgröße und
Windgeschwindigkeiten von 300 k/h annimmt. Kleiner Exkurs: Die stärksten je gemessenen Tornados entsprechen der Kategorie F5. Dieser hier ist ein F6.
"Halt drauf Alter, wir werden berühmt"
Storm Hunters besitzt nicht den Charme seines großen Bruders
und ist vom Grundcharakter her deutlich erwachsener. Anders formuliert, hier
gibt’s keine fliegende Kuh. Dafür aber gelegentlich Gesellschafts-Satire mit
Seitenhieb auf die klickgeile YouTube-Generation. Ich will nicht zu viel verraten,
aber achtet auf die „Twister Huntaaz“. Vielleicht kein Zufall, dass mit Matt
Walsh (Phils Arzt aus Hangover) ein Komiker für die Rolle des sturmjagenden
Pete gewählt wurde. Zum Lachen ist aber sonst nur der Filmtitel. Der Originaltitel
lautet viel passender Into The Storm. Verstehen wir hierzulange so wenig
Englisch?
Fazit: Storm Hunters haut von den Socken und zeichnet ein
gewaltiges Katastrophenszenario, dass nicht so bekloppt überzogen wurde wie bei
2012 oder The Day After Tomorrow. Den beeindruckendsten Eigenschaften dieser
Stürme wurde die meiste Leinwandzeit geboten und es gibt ständig auf den
Deckel. Nicht ohne dabei außer Acht zu lassen, dass die Gefahr für viele Amerikaner
mehrmals im Jahr real ist.
![]() |
| © Warner Bros. |







0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen