Dienstag, 9. September 2014

Apokalypse in Düsseldorf: Zombies überrennen die Rheinpromenade

Es ist einer der schöneren Düsseldorfer Sonntage. Beim Gang von der Heinrich-Heine-Allee durch die Bolker Straße blinzeln Sonnenstrahlen durch die Gassen, viele Menschen sind auf den Beinen, quatschen, lachen. Man könnte fast behaupten, dass bis aufs strahlende Rheinlandwetter alles normal ist. Doch zwischen den Touristen und Stammgästen sitzen vereinzelt Personen mit hässlichen, blutverschmierten Fratzen und zerfetzten Klamotten. Ein paar Menschen schauen sich verdutzt um, andere schmunzeln. In der Masse fallen die seltsamen Gestalten trotzdem kaum auf. Noch nicht.


Je näher ich dem Burgplatz komme, desto mehr von ihnen tauchen auf und schlendern Richtung Schlossturm. Ich folge, denn dort wo sie hin marschieren will auch ich hin. Unter dem Motto Düss Hell Dorf sollte exakt dort an den Rheintreppen ein Aufmarsch der Zombies stattfinden. Und tatsächlich sind die zahlreichen, untoten Körper in der Überzahl. Abgesehen von ihrem drastischen Aussehen verhalten sie sich aber normal, essen Pommes, trinken Bier, unterhalten sich mit Passanten und lassen sich fotografieren. Irgendwie nicht sehr „tot“ das alles

Dann plötzlich schallen Sirenen durch die sonnige Idylle. Ein Raunen geht durch die Menge. Die Zombies legen ihre Menschlichkeit ab, lassen alles stehen und liegen, beenden die Gespräche und bewegen sich von den Rheintreppen in genau die Richtung, aus der das Geheule der Sirenen kommt. Schreie sind zu hören, ein grunzendes Grölen überdeckt den Alltagstrouble. Ich mische mich unter die gefühlt hundert Fotografen und Touristen, die ein paar Bilder des Spektakels einfangen wollen. Ein "Leitzombie" brüllt durchs Megafon wie ein betrunkener Hooligan und weist seinen Mitstreitern den Weg.

Dawn of the Dead am Rhein

Und so schlürfen über 1000 untote Horrorgestalten los über die sonnige Rheinpromenade. Ständig sind irgendwo schreiende Mädchen, weinende Kleinkinder und brüllende Untote zu hören. Ein großer Spaß. Irgendwie. Die Aufmerksamkeit ist der lauten Masse jedenfalls sicher. Ich laufe die Rheintreppen hinauf und versuche die auf der Rheinpromenade wandernden Zombies auf dem oberen Parallelweg zu überholen, um sie später abzufangen. Immer wieder halte ich am Gemäuer, schaue runter und fotografiere. Einige Zombies reagieren auf Schaulustige wie mich und laufen gegen die Wand, greifen mit ihren Armen nach oben bis das Megafon des Leitzombies sie wieder zu sich lockt. Ein typisches Rudelverhalten. Machen Zombies so etwas überhaupt?


Ein Rentnerpärchen starrt von der Mauer auf die seltsamen Gestalten herab und versteht die Welt nicht mehr. „Gegen was demonstrieren die denn? Das erschließt sich mir nicht“, sagt eine alte Dame. „Die demonstrieren nicht, das sind einfach nur Zombies“, antwortet ein Fotograf. Und er hat Recht. Viele Zombies, verschiedene Zombies. Zombies im Rollstuhl, schwangere Zombies, Zombies mit Zombie-Retriever, in Masken, Strapsen, Kleidern oder Seuchenschutzanzügen. Ein buntes Treiben. Eine riesige Wand voll blutverschmierter Gesichter. Und eben diese Wand rollt nun auf einen Open Air-Salsa-Kurs zu.

Zombies sind nicht sehr Salsa-affin

Ich bin froh die Truppe von oben zu filmen, so bietet sich mir ein fantastisches Schauspiel. Der DJ des Salsakurses warnt noch seine Tänzer: „So, liebe Leute, nur damit sich keiner erschrickt. Rechts sehen wir jetzt eine Horde Zombies auf uns zu kommen. Lasst uns doch ein bisschen Platz machen.“ Ein paar Tänzerinnen verstecken sich direkt. Andere staunen einfach nur. Über das Megafon schallt es tierische Geräusche und irgendetwas mit „Macht Platz ihr Hippies“. Einige tanzen einfach weiter und lassen sich nicht beirren. Doch nur Sekunden später ist die Tanzfläche bedeckt von grölenden Zombies. Dort wo gerade noch Hüften geschwungen wurden schleifen nun Knöchel. Ein super Bild.



Wenig später schafft es die gesamte Gruppe die Treppen hinauf und wandert nun auf den Alten Hafen und die Rheinstraße zu. Ein paar Jogger und Fahrradfahrer meckern gerade noch über die Leute, die die Wege versperren. Dann entdecken sie, was da auf sie zu kommt und bremsen hastig. Ich beschließe mich dieses Mal in etwa auf der Höhe der Alten Bastion näher an die Gestalten heranzuwagen. Einige reagieren sofort und springen auf mich zu, andere schlendern wie tot vorbei. Ich bekomme noch ein weiteres Mal richtig gute Bilder und folge den Zombies anschließend noch bis zur Uerige Brauerei. Dann trennen sich unsere Wege.

Der Zombiewalk war meiner Meinung nach ein voller Erfolg, weil viele der maskierten Wanderer so engagiert bei der Sache waren. Allein die staunenden Bilder der ahnungslosen Passanten und Salsatänzer waren es wert, sich dieses Spektakel mal aus der Nähe angesehen zu haben. Und es hätten vielleicht noch viel mehr Zombies werden können. Leider fand gleichzeitig noch ein Zombie-Run an der Galopprennbahn in Neuss statt – der ein oder andere Zombie hätte wahrscheinlich gerne an beiden Events teilgenommen.

Weitere Bilder vom Zombiewalk in Düsseldorf gibt’s HIER.

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