„Für meine Familie würde ich töten“ – viele denken es, kaum
jemand traut sich es öffentlich zu äußern. Schauspieler Christian Bale wagte
diesen Schritt vor ein paar Tagen. Mutig, doch nicht ohne Hintergedanken. Anfang
April läuft Auge um Auge in den deutschen Kinos an. Und dort spielt Bale eine
Person, die das Gesetz in die eigene Hand nimmt. Selbstjustiz hat sich in
Hollywood zu einem Sub-Genre entwickelt, dass die Zuschauer fasziniert. Die
Hauptfiguren erfahren Leid und Verlust. Aus ihrer Frustration gegenüber
gesetzlich eingeschränkter Unterstützung sehen sie – mit dem Zuschauer zusammen
– nur noch einen Ausweg: Eigeninitiative.
Die bewehrte Methode der Filmemacher folgt dabei einem
strengen Muster. Der Zuschauer muss schnell Sympathie für die Figur entwickeln,
bevor sich die Logik durchsetzt. Das illegale Handeln wird dadurch nicht immer
schöngeredet, aber schnell als „notwendig“ akzeptiert. Schließlich wurde der brave Normalbürger vom Gesetz im Stich gelassen. Von dort an wünscht der Betrachter
dem „Helden“ Glück, denn er verkörpert den Mut, den man selbst vielleicht nicht
hätte. Zumindest verkörpert er den Freigeist, der die gesetzlichen Grenzen
nicht hinnimmt, wenn es darum geht eine geliebte Person zu retten oder zu
rächen. Selbstjustiz ist schick. Der Täter ein dunkler Ritter. So bezeichnet „Batman“-Christian
Bale seine neue Rolle als Rächer-Bruder auch als „ehrenhaft“.
Uma Thurman avancierte als Beatrix Kiddo in Quentin Tarantinos Kill Bill Vol. 1 und Vol. 2 zu einer wahren Kultfigur der Selbstjustiz. Selbst nach ihren Mehrfachmorden, manche würden es Massaker nennen, begegnen ihr sogar ihre stärksten Widersacher noch mit Bewunderung. Große Namen scheuen nicht vor diesen Rollen, eben weil sie so interessant und fragwürdig sind. In Die Fremde in Dir versucht sich Oscar-Gewinnerin Jodie Foster als unerprobte Rächerin ihres ermordeten Verlobten. In Vier Brüder machten Mark Wahlberg und Terrence Howard das Genre „straßentauglich“, während der Klassiker Straw Dogs – Wer Gewalt sät mit Dustin Hoffmann im Jahre 2011 neuverfilmt wurde.
Wenn wir aber von Rittern und Helden sprechen, dann denken viele Kinogänger meiner Generation an den Namen Bryan Mills. Der Entführungs-Thriller 96 Hours holte Liam Neeson aus der Versenkung. Die Null-Toleranz-Grenze gegenüber Tätern, die unmoralische Herangehensweise und das rücksichtlose Tempo mit dem der Ex-Topagent Mills seine Tochter aus den Fängen albanischer Frauenhändler befreit, wirkten damals selbst für Fans des Genres neu und überraschend. Mittlerweile befindet sich der dritte Teil dieser Reihe in der Drehbuchphase.
(Der-Selbstjustiz-Filmtipp: Prisoners, mit Hugh Jackman, Terrence Howard und Jake Gyllenhaal. Weitere: Taxi Driver, Der blutige Pfad Gottes 1+2, Irreversibel, Dirty Harry, Falling Down, Payback, Oldboy, Desperado, Shooter und so ziemlich jede Superhelden- und Comic-Verfilmung von Batman über Sin City bis Kick-Ass.)






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