Nach Prometheus und The Counselor hat sich Ridley Scott (Alien, Gladiator, u.a.) bei
mir vorsichtig formuliert sehr sehr unbeliebt gemacht. Darren Aronofskys sehr freie
Version von Noah zählt für mich zu den miesesten Filmen des Jahres, gemessen an
den Erwartungen. Nun sollte also ausgerechnet Ridley Scott das Kinojahr 2014 mit
einem weiteren Bibelstoff abrunden? Die Zeichen auf Versöhnung zwischen mir und
Scott standen schlecht. Nun habe ich Exodus: Götter und Könige gesehen und muss
sagen, dass geringe Erwartungen manchmal tatsächlich für mehr Überraschungen
sorgen.
Worum geht es? Wir schreiben das 13. Jahrhundert vor Christus.
Pharao Sethos versklavt die Israeliten und lässt ihre männlichen Nachkommen im
Nil ertränken. Moses wird von seiner Mutter gerettet, in einem Korb am Nil
ausgesetzt und von der Tochter des Pharaos entdeckt. Er wächst als ägyptischer
Prinz neben seinem Bruder, Thronfolger Ramses, auf. Beide ahnen nichts von
Moses‘ hebräischer Herkunft. Als Ramses den Thron besteigt und Moses‘ Herkunft
auffliegt, wird dieser ins Exil geschickt. Dort begegnet er Gott und erhält von
ihm die Aufgabe sein Volk zu befreien und in die Freiheit zu führen.
Wenn Krokodile zappeln und das Wasser rotfärben
Ein paar gute Nachrichten zuerst: Exodus vermeidet die
peinlichen Fantasy-Ausgeburten, die Noah zu einem der verwirrtesten Filme des
Jahres machten. Und doch ist er nicht einfach ein zweiter Die Zehn Gebote, mit
dem ich ihn gar nicht vergleichen möchte. Die Plagen, die über das ägyptische
Reich kommen, sind so inszeniert, dass sie einerseits als göttlich
interpretiert werden können. Ägyptens Versuche sich die Abfolge als
wissenschaftliche Logik zu erklären, akzeptiere ich aber ebenso. Generell lässt
Agnostiker Ridley Scott viel Freiraum für die eigene Meinung.
Beispiel: Eine ägyptische Hohepriesterin soll mit ihrer
Vision ebenso Recht behalten, wie Moses‘ Warnungen vor Gottes Plänen. Auch das
Thema Bildnis wird geschickt angepackt. So ist das Kind nicht (wie viele Filmkritiker
behaupten) Gott, sondern nur dessen verbildlichter Bote. Auf eine mystische
Stimme aus dem Himmel wird zum Glück verzichtet. Für Zweifler werden dessen
Erscheinungen so dargestellt, als könnten sie ebenso gut Moses‘ Schizophrenie
entspringen. Und das geteilte Meer? Kein Zauberstab-Schnick-Schnack. Moses
sieht einen Feuerball am Himmel über dem Ozean untergehen. Dem Zuschauer bleibt
überlassen, an ein göttliches Zeichen zu glauben, oder an einen Kometen, der
für den kurzzeitigen Rückgang des Wassers und den anschließenden Tsunami verantwortlich
ist. Klasse!
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| Golden Boy & Ritter Rost: Ramses & Moses © 20th Century Fox |
Optisch ist der Film ein Meisterwerk. Die Spezialeffekte
verpassen dem Exodus einen epischen Look mit teils wirklich beeindruckender
Durchschlagskraft. Es gibt hier keineswegs einen Transformers-Hobbit-mäßigen
Overkill an CGI, keine Panik. Die Kulissen, Requisiten und Kostüme sehen spitze
aus und verleihen Exodus viel Authentizität, die ich dem Film nicht zugetraut
hätte. Das sieht alles wirklich so gut aus, dass die 3D-Konvertierung – so gut
sie auch ist – unnötig gewesen wäre. Allein die Bilder sorgen dafür, dass man
dem Film seine 150 Minuten nicht anmerkt.
Jesse Pinkman schweigt sich 'nen Bart
Und die Darsteller? Joel Edgerton (The Thing, Warrior, u.a.) ist als selbstverliebter,
an Politik und Bildung desinteressierter Ramses der größte Hauptgewinn, den
sich Ridley Scott hätte wünschen können. Seine Leistung ist stets
hervorzuheben. Christian Bale spult sein Standardprogramm auf hohem Niveau ab. Mir
persönlich hatte sein Moses zu wenig Kanten, der Film zu viel Disney-Atmosphäre.
Das mag an der weihnachtlichen Altersfreigabe liegen. Es muss nicht immer nur
düster und verbittert sein. Moses ist aber kein Engel und das Leid der Völker
weit brutaler als dargestellt. Auch Moses‘ Wandlung vom Agnostiker zum
Gotteskrieger wurde mir zu schnell abgehandelt.
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| Viel Kostüm und echtes Pferd - Gottes Wille? © 20th Century Fox |
Generell liegt hier der mumifizierte Hund begraben. So
ziemlich alle Nebenrollen sind zu prominent besetzt und wecken zu hohe
Erwartungen gemessen an der Leinwandzeit, die ihnen geboten wird. Sigourney
Weaver und Sir Ben Kingsley werden drastisch unterfordert. Bei Aaron Paul hat man zeitweise das Gefühl sein Josua sei taubstumm. Vor Breaking Bad hätte es zwar
kein Schwein interessiert, ob der Junge überhaupt dabei ist, aber nun? More
Drama, Baby. Die mangelnde Tiefe der Figuren ist das größte Manko. Zweiter
Kritikpunkt ist die Geschwindigkeit. Vor allem das Finale wird trotz
bildgewaltiger Wassermassen etwas schnell abgehandelt.
Fazit:
Exodus: Götter und Könige ist ein solide gespielter Bibelfilm, durchweg
spannend und optisch einwandfrei. Die tollen Settings und dezent eingestreuten
Effektbomben können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Ridley Scott
in seiner Erzählweise zu oft hetzen lässt. Viel Potenzial an spannenden
Hintergründen und super Darstellern wird unzureichend ausgeschöpft. Nichtsdestotrotz
ist dieser Moses-Streifen nicht so peinlich wie gedacht, sondern teils clever gefilmter
Bombast. Ein bisschen zu lieb und glatt vielleicht.




































