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Dienstag, 3. Februar 2015

Interview: Stefan Rybkowski über Equlibrium und Filmstärken: "Einen geilen Film muss ich nicht sofort wieder sehen."

Hallo liebe Freunde der Filmkunst, 

mittlerweile habe ich alle Votings für den #derFilmtippAward eingesammelt. Stefan Rybkowski feiert mit seinem Blog Equilibrium im kommenden April sein achtjähriges Jubiläum und zählt ebenfalls zur Jury. Ich gratuliere auf diesem Wege schon mal vorab und präsentiere Euch ein kleines Interview mit ihm. Viel Spaß!

Micha: Hi Stefan, dankeschön, dass Du mit dabei bist! Erzähl doch mal wie Du auf die Idee gekommen bist zu bloggen. Warum Film? Seit wann? Woher der Name? Alles!

Stefan: Ich hatte 2004 bereits auf Filmforen.de ein Filmtagebuch gestartet, in das ich alle gesehenen Filme eintrug und kommentierte. Dann kamen die Blogs auf und ich habe mich etwas damit beschäftigt. Da mit der Technologie deutlich mehr möglich war als in einem Forum, habe ich schließlich auf ein eigenes Blog umgesattelt. Im April existiert Equilibrium bereits acht Jahre. Der Name kommt von Kurt Wimmers Equilibrium, den ich damals ganz großartig fand – und das Wort mag ich ohnehin, auch wenn seine Bedeutung nichts mit Film zu tun hat. Film ist nur das Hauptthema des Blogs, ich blogge aber auch viele andere Dinge, wenn mir danach ist – Events, Politik, Lifestyle.

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Jordan-Belfort-Style: Stefan Rybkowski von Equilibrium
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Micha: Unter den Beiträgen auf Equilibrium sind teils auch andere Namen zu lesen, wie seid ihr strukturiert? Wer ist alles dabei?

Stefan: In letzter Zeit habe ich meine Schwester zu den Pressevorführungen geschickt, da es mir beruflich leider nicht möglich ist, so viel ins Kino zu gehen. Christoph hat mal eine Zeit lang ebenfalls Kritiken beigesteuert, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Es ist ja auch interessant, mal andere Meinungen zu hören/lesen.

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"Scorseses „Wolf“ fand ich aber viel zu hochgejazzt!"
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Micha: Was waren 2014 für Dich eindeutig die Filme, die das Kinojahr ausgemacht haben? Gibt es Filme, die Deiner Meinung überbewertet wurden?

Stefan: Ich muss gestehen, dass ich so gut wie gar nichts gesehen habe, leider! Scorseses „Wolf“ fand ich aber viel zu hochgejazzt!

Micha: Bald stehen die Oscars an. Dein Favorit?

Stefan: Ich habe keinen der Best-Picture-Filme gesehen und will daher auch kein Urteil fällen.

Christian Bale zu Stefan (links, nicht im Bild):
"Du bennenst Dein Blog nach diesem Film hier!"

Micha: Was muss ein Film mitbringen, um Begeisterung bei Dir zu wecken und nachhaltig zu wirken?

Stefan: Er muss mich berühren – und das auf ganz vielen Ebenen. Ich muss außerdem etwas mitnehmen. Das kann fast alles sein, und sei es nur ein Möbelstück, das ich nach Sichtung unbedingt haben will. Ich muss ihn gar nicht mal unbedingt sofort wieder sehen wollen, vielleicht auch jahrelang gar nicht, und er kann trotzdem großartig sein! Was ich damit sagen will, ist, dass im Gegensatz zu vielen anderen, es für mich kein Kriterium ist, dass ich einen geilen Film sofort wieder sehen will.

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zur Nominiertenliste des #derFilmtippAwards:
"Ich finde gut, dass sie so bunt ist und keine Feuilleton-Liste."

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Micha: Du bist Teil der #derFilmtippAward-Jury und hat die Nominiertenliste gesehen. Sein wir mal ehrlich, was passt Dir nicht? Was geht in Ordnung?

Stefan: Ich habe so gut wie nichts davon gesehen, leider, aber ich finde es gut, dass sie so bunt ist und es keine „Feuilleton-Liste“ ist.

Micha: Wie betrachtest Du die Filmbloggerwelt in Deutschland? Gibt es Dinge, die Du gerne ändern würdest, wenn Du könntest?

Stefan: Sie könnte natürlich etwas größer sein, wobei sie durch ihre Übersichtlichkeit auch sehr familiär ist, was wiederum auch seinen Reiz hat. Ich finde es jedenfalls klasse, wie sie sich in den letzten Jahren entwickelt hat.

Micha: Was können Deine Leser und Follower in diesem Jahr noch alles von Dir erwarten?

Stefan: Hoffentlich wieder mehr Posts, egal ob Kritiken, News oder Trailer – ich bemühe mich, dass 2015 wieder mehr Content auf Equilibrium zu finden sein wird. Außerdem habe ich auch mal wieder richtig Lust auf einen Podcast mit Sascha von PewPewPew.


Sonntag, 1. Februar 2015

Der Filmtipp: Florian Erbach über filmverliebt, Found Footage und den #derFilmtippAward: "Besonders Godzilla fand ich sehr interessant."

Hallo liebe Freunde des Filmes. Langsam aber sicher trudeln die letzten Votes der Jury des #derFilmtippAwards ein und schon jetzt zeichnen sich einige Überraschungen ab. Vorher möchte ich Euch aber noch ein weiteres Mitglied der Entscheider vorstellen: Florian Erbach von filmverliebt.de.

Micha: Hi Florian, dankeschön für Deine Teilnahme als Jurymitglied. Beim Absatz „Filme als Spiegelbild der Gesellschaft“ dachte ich sofort: „Mit diesem Part würde ich genau so wortwörtlich bei einer Rede über Filme einsteigen.“ Deine tollen Worte und der Blogtitel verraten viel – was hat Dich dazu bewogen diese Leidenschaft in Form eines Blogs zu teilen?

Florian: Die Entstehungsgeschichte von filmverliebt ist im Grunde wenig spektakulär: Angefangen hat eigentlich alles mit meiner Internetfreundschaft (stranges Wort ^^) zu Sascha von pewpewpew. Wir waren zusammen in einem Clan (später auch ein e-Sport-Verein) und haben gemeinsam Battlefield gezockt. Was man eben so als junger Kerl macht... ;)
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Ist ganz schon filmverliebt, der Florian. 
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So kam es, dass er auch viel von seinem Blog erzählt hat und man sozusagen hautnah dabei war, wenn er was Cooles veröffentlicht hat. Irgendwann war das Zocken dann nicht mehr interessant und die Wege trennten sich etwas, doch hatte ich immer den Blog von Reeft im Hinterkopf und irgendwann nahm das Gefühl überhand, auch einen Blog ins Internet zu stellen. Das Thema „Film“ war dann schnell klar – endlich konnte ich meine Leidenschaft für Filme mit anderen teilen und neue Trailer und Entdeckungen in die Welt des Internets entlassen. Was anfänglich als „One-Man-Show“ gestartet ist, entwickelte sich mit den Monaten zu einer richtig kleinen Redaktion.

Micha: Wie habt ihr Euch als Redaktion zusammengefunden?

Florian: Martin ist ein Kommilitone von mir und ich habe ihn wenige Wochen nach Start des Blogs davon berichtet. Irgendwann fragte ich ihn dann, ob er nicht auch mitmachen möchte. Er ist bis heute dabei und steuert immer mal wieder einen Beitrag bei. Mandy war eine der ersten Followerinnen, die mir aufgefallen ist, wahrscheinlich, weil sie ab und an einen Beitrag teilte oder favorisierte. Irgendwann schrieb sie mir eine E-Mail, ob sie denn nicht auch mitmachen könne. Die Antwort auf diese Frage dürfte kein Geheimnis sein. Ralf ist auch schon eine Weile dabei und ist über das Internet auf den Blog aufmerksam geworden. Genauso ist es mit Thomas. Darüber hinaus gibt es noch einige Gastautoren, die auch über das Internet auf den Blog gestoßen sind. Ich kenne bis auf Martin keinen persönlich – was natürlich sehr schade ist! Aber die Kommunikation via E-Mail und Facebook macht Spaß und es ist definitiv nicht auszuschließen, dass man sich mal persönlich sieht.

Micha: Ich habe Deine Filmkritik zu Die Präsenz sehr positiv aufgenommen, da endlich mal ein Film nicht vorverurteilt wurde, nur weil er im Wackelkamera-Modus läuft. Ist Found Footage für Dich etabliert, oder nur ein Trend unter den Filmgenres?


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"Blair Witch Project hat mich nachhaltig beeindruckt."
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Florian: Ich muss gestehen, dass ich ein absoluter Fan von Found-Footage bin! Das fing alles damals mit Blair Witch Project an. Der Film hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt. Ich hatte solche Angst und ich habe mich derart gegruselt – das sich das wohl ins Gehirn gebrannt hat. Seitdem schaue ich eigentlich fast alle Found-Footage-Filme, und wenn diese einigermaßen gut gemacht sind, dann gibt es meist positives Feedback von mir. Natürlich nimmt das gefühlt langsam überhand, aber Filme wie V/H/S, Willow Creek, Alien Abduction oder etwas ältere, wie [REC], zeigen ja, dass das Genre unterhaltsame Filme bieten kann. Daher denke ich, dass „Found-Footage-Filme“ über diese Phase des Trends schon lange hinweg sind und definitiv etabliert. Gerade weil das Genre Möglichkeiten bietet, mit einfachen und vor allem kostengünstigen Mitteln, einen Film zu produzieren.

Micha: Als Jury-Mitglied hast Du Dir bestimmt schon einmal die Nominiertenliste des #DerFilmtippAwards angesehen. Hand aufs Herz, welche Vorschläge kannst Du nachvollziehen, welche weniger?

Florian: Godzilla, Boyhood und The Wolf of Wall Street sind natürlich tolle Filme, die neben den genannten Dallas Buyers Club und 12 Years a Slave, definitiv zu den besten Filmen 2014 zählen. Besonders Godzilla fand ich sehr interessant! Auch Gone Girl hatte seine guten Momente. Nightcrawler und Boyhood habe ich bisher leider noch nicht gesehen. Etwas irritiert bin ich aber ehrlich gesagt von der häufigen Nennung von Stereo, den ich ziemlich belanglos und als langweilig empfand. Der Film hat bei mir eine gerade so Wertung von 4/10 bekommen. Und ich vermisse ein paar Independentfilme, wie zum Beispiel Under The Skin, der mein Lieblingsfilm 2014 ist und bei klassischen Rankings, wie dem Oscar, leider gar keine Berücksichtigung findet. Wenn Filme wie A Most Wanted Man, Edge of Tomorrow oder Coherence genannt worden wären, hätte ich wohl denen eine hohe Punktezahl gegeben. Aber bei der Fülle an Filmen, ist so eine Auswahl ja eh rein subjektiv und auch schwierig.
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Florian schwört auf Under the Skin. Und das liegt nicht nur an Ms Johansson.
Ach, komm, Flo!
© Senator
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Micha: Du sagst es. Gibt es Filme, die Du mir bis zum Ende des Jahres unbedingt noch empfehlen würdest?

Florian: Schau dir auf jeden Fall Under The Skin an! Auch Most Wanted Man, falls noch nicht geschehen.

Micha: The Walking Dead ist so ziemlich meine absolute Lieblingsserie, die auch häufiger auf Filmverliebt erwähnt wird. Wenn Du die Chance hättest Schauspieler zu casten, wen würdest Du gerne neben Rick Grimes und Co. kämpfen und flüchten sehen?

Florian: Puh. Das ist eine wirklich schwierige Frage. Ehrlich gesagt bin ich mit dem Cast soweit zufrieden und freue mich darauf, dass auch unbekannteren Schauspielern eine Chance gegeben wird. Insofern alles okay! Wobei.. ja doch... vielleicht Scarlett Johansson und Britt Robertson?

Micha: Was können Deine bzw. Eure Leser im Jahr 2015 von Euch erwarten?

Im Jahr 2015 steht ein ReDesign an. Ich hoffe, dass ich das zeitlich umsetzen kann, und werde mir dafür wohl Hilfe holen. Ansonsten wollen wir als Redaktion weiter gute und interessante Inhalte liefern. Dafür wollen wir die Redaktion auch erweitern und habe schon ein paar coole Ideen für Specials und Blogrubriken ... Es geht auf jeden Fall weiter! :)

Micha: Werde ich definitiv verfolgen, ich danke Dir :)

Mittwoch, 21. Januar 2015

Interview: Eine App für Filmkritiken! Manuel Jaeger über die Ideen und Ziele von krittiq - "Menschen weltweit über ihren Geschmack verbinden"

Überraschung! Heute gibt's gleich zwei Interviews. In diesem hier spreche ich mit Manuel Jaeger, einem weiteren Mitglied der #derFilmtippAward-Jury. Manuel ist allerdings kein Filmblogger, sondern Mitentwickler der App krittiq, über die Filmfreunde - der Titel spoilert's - Kritiken verfassen und mit anderen teilen und diskutieren können. Ich hab sie, ich mag sie und empfehle sie Euch gerne weiter. Jetzt aber erst mal zum Frage-Antwort-Spielchen.

"Am wichtigsten ist mir jedoch, dass man
nach einem Film viele offene Fragen in seinem Kopf hat
"

Micha: Hi Manuel, erst einmal dankeschön dafür, dass Du in unserer kleinen Jury-Runde dabei bist. Dabei, oh Schreck, bist Du gar kein Filmblogger. Erzähl doch mal kurz, wer Du stattdessen bist und weshalb Du trotzdem Filmtipps auf Lager hast.

Manuel: Hallo Micha! Erstmal vielen lieben Dank für die Einladung zu dem Interview und die Teilnahme an der Jury-Runde. Du hast Recht, ich bin kein Filmblogger, aber trotzdem schon lange ein großer Film- und Serienfan. Filmtipps sind also folglich schon immer ein wichtiger Bestandteil meines Lebens gewesen. Um gute Filmtipps zu bekommen, vertraue ich meistens auf die Empfehlungen von Freunden. Vor 1.5 Jahren ist mir jedoch aufgefallen, dass es recht schwierig ist, den Filmkonsum meiner Freunde aktiv zu verfolgen. Aus diesem Grund habe ich zusammen mit zwei Entwicklern die App ‚krittiq‘ entwickelt, wo man sich aktiv mit Freunden über Empfehlungen austauschen kann.

Micha: Mit Eurer App krittiq habt ihr quasi ein kleines Facebook/Instagram-Dingens für Filmkritiker geschaffen. Mir persönlich gefällt die ganze Geschichte jetzt schon, aber wo stecken Eure Ziele?

Manuel: Wir glauben fest daran, dass Menschen sich gerne über Filme und Serien austauschen. Unser Ziel ist es mit krittiq eine Plattform zu schaffen, wo wir Menschen weltweit über ihren Geschmack verbinden. Aktuell gibt es krittiq nur in Deutschland, aber wir werden das ganze bald auch international ausrollen.

Optisch hübscher als Jack O'Connell auf diesem Bild von Unbroken: krittiq

Micha: Bei mir findet man ja alles und wirklich jede Filmkritik *räusper* Warum brauche ich dann noch krittiq?

Manuel: Da ich selbst mal eine Zeit lang als Blogger unterwegs war, weiß ich, wie viel Arbeit dahinter steckt. Ich glaube aber auch, dass es noch jede Menge Menschen gibt, die auch gerne ihre Meinung über ihren Lieblingsfilm oder Lieblingsserie kundtun würden. Mit krittiq geben wir den Leuten ein einfaches Tool an die Hand, womit sie das tun können.

Micha: Ich weiß, dass Du eifrig dabei bist selbst krittiqs zu schreiben. Wie muss ein Film gestrickt sein, um Dir zu gefallen? Hast Du bestimmte Lieblings-Genre?

Manuel: Das kommt bei mir immer auf meine Stimmung und Situation an. Allgemein mag ich aber gute Thriller sehr gerne, von denen es leider viel zu wenige gibt. Am wichtigsten ist mir jedoch, dass man nach einem Film viele offene Fragen in seinem Kopf hat. Also quasi Filme die zum Nachdenken anregen.

zu den Nominierten des "Der Filmtipp Awards":
"Ich hätte die Liste nicht besser zusammenstellen können."


Micha: Die Nominiertenliste vom #derFilmtippAward ist nun abgeschlossen. Das bedeutet, es kommen keine weiteren Filme mehr hinzu. Fehlen in Deinen Augen bestimmte Filme, die eine Nominierung verdient gehabt hätten?

Manuel: Ich habe jetzt die Liste gesehen und ich hätte sie nicht besser zusammenstellen können :).

Micha: Filmblogs und krittiq – passt das zusammen, oder rede ich hier gerade mit der Konkurrenz?

Manuel: Nein, wir sind keine Konkurrenz. Wir bieten ‚professionellen‘ Filmbloggern nur einen weiteren Kanal an, ihre Kritiken einer Filmcommunity zuzuspielen.

Micha: 2015 ist gestartet. Auf welche Filme freust Du Dich besonders?

Manuel: Da fallen mir spontan Taken 3, James Bond - Spectre und Unbroken ein. Aber da wird sicher der ein oder andere noch dazu kommen.


Micha: Ich danke Dir für das Interview und wünsche Euch mit krittiq weiterhin viel viel Erfolg!

Interview: Bianca und Marco von Duoscope über Bloggen zu zweit und das Besondere an Filmen: "Ursprünglich sah unser Konzept mehr Konflikt vor."

Sie ist gelernte Schauspielerin, er ist studierter Kulturwissenschaftler. Endlich habe ich es geschafft und kann Euch mein Interview mit Duoscope liefern. Bianca und Marco zählen definitiv zu meinen Filmblog-Favoriten. Umso mehr freue ich mich, dass sie ebenfalls in der Jury für den #derFilmtippAward sitzen. Viel Spaß also mit unserem längeren Gespräch unter Filmliebhabern, dass ich mit den beiden - ganz ihrem Stil entsprechend - in Dialogform geführt habe.
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Am Set von Ant-Man und LOST: Marco und Bianca von Duoscope
Spaß, natürlich nicht. Die beiden aber sind echt!
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Micha: Moin Bianca, moin Marco! Ich freue mich, dass ihr mit an Bord seid.

Duoscope: Dankeschön! Wir freuen uns auch. Tolle Aktion übrigens, du hast eine herrlich bunte Jury zusammengerufen. Wir sind gespannt, was am Ende rauskommt.

Micha: Es ist Tradition, also mache ich bei Euch keine Ausnahme – erzählt doch mal was über Duoscope. Woher zum Beispiel der Name? Bei „Duo“ habe ich ja eine Vermutung. ;)

Marco: Ja, das „Duo“ war etwas zu kurz gedacht. Wir Zwei bleiben auf der ganzen Arbeit alleine hängen.

Bianca: Und es ist wirklich viel Arbeit! Sobald wir noch jemanden dazunehmen, müssten wir den Namen ändern.

Marco:  Japp. Wir können nicht mal einen Praktikanten ausbeuten. Heute würde ich uns vermutlich „Die Wilde 13“ nennen. Dann hätten wir viel Luft nach oben, falls uns mal die Puste ausgeht!

Bianca: Aber du hast recht, wir wollten einen Namen, der ausdrückt, dass wir zu zweit sind. Und dann sollte es was mit Optik zu tun haben.


Marco: Wegen Filmblog und so!


Bianca: „Duoscope“ bezeichnet ein Gerät, mit dem man ein Objekt aus zwei Richtungen betrachten kann.

Marco: Wie in Mikroskop, Teleskop und so.


Bianca: Das passte recht gut zu dem, was wir uns vorgestellt haben.


Marco: „1000 Meilen Film“ wäre allerdings auch ein toller Name gewesen – und hätte das Personalproblem gelöst!


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"Bill Paxton ist bis heute eine große Liebe von mir"
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Micha: Ich habe zuletzt Euer hochinteressantes Portrait über Mel Gibson gelesen, ein Held meiner Kindheit. Welche Schauspieler zählen für Euch zwei zu den Helden Eurer Filmjugend?

Bianca:
Dankeschön! Das Porträt hat Spaß gebracht und war uns wichtig. Eine wirklich dramatische Persönlichkeit! Unglaublich, aber ich stand damals auf Noah Hathaway als DIE UNENDLICHE GESCHICHTE lief – allerdings ist das sehr frühe Filmjugend. Später kam dann Tom Cruise dazu. Und Winona Ryder und Christian Slater fand ich sensationell! Jeder Film ein Mega-Muss! Und dann, wieder etwas später, stießen noch Brad Pitt hinzu und Leonardo DiCaprio hinzu, die beiden liebe ich heute noch! Und natürlich waren Ethan Hawke und Robert Sean Leonard auch mit dabei, wobei ich Letzteren dann doch aus den Augen verloren habe. Und das sind ja nur die zeitgenössischen Helden, ich hätte da ja noch all die Stars aus den 50er und 60er Jahren in Petto! J
Marco: 
Du willst ja HOUSE, M.D. nicht gucken! Da isser dann gelandet, dein Robert Sean Leonard! Meine Filmjugend begann ja schon recht früh, und damals gab es keine Auswahl. Einen Videorekorder hatten wir erst, als ich etwa Vierzehn war, also bin ich fernsehgeprägt. Ich erinnere mich, dass jeden Sonntagvormittag ein GODZILLA-Film lief, und jeden Sonntagabend ein JAMES BOND. Die anderen Tage kamen gefühlt nur deutsche Schlager- und Paukerfilme im Fernsehen. Meine ersten Helden waren also Godzilla, Sean Connery und Hansi Kraus! Als Videotheken aufkamen, wurde Michael Dudikoff mein großes Vorbild! Ich habe diese ganze AMERICAN NINJA Erfolgswelle mit voller Wucht miterlebt – wir haben auf dem Rasen vorm Haus wilde Kampfszenen veranstaltet! Und Bill Paxton ist bis heute eine große Liebe von mir – mit 13 hab ich ALIENS das erste Mal gesehen, seitdem find ich den Kerl cool und freue mich immer wie ein Kind, wenn er mal in einem Film auftaucht! Da fehlt mir jede Objektivität!!
Bianca:
Ach, an die Zeit in den 70er und 80er Jahren denke ich echt gern zurück. Drei bis fünf Fernsehsender und noch kein Videorekorder – da gab es kein Überangebot, kein wildes Zappen. Da wurde das eine Abendprogramm geguckt, das es eben gab und ich hab mich immer riesig drauf gefreut! Edelwestern am Samstagabend, klassische Krimis am Freitag. Man musste sich notgedrungen viel intensiver mit den einzelnen Filmen auseinandersetzen und konnte nicht sofort zum nächsten springen. Das hat sich mittlerweile sehr verändert. Ich glaube, damals habe ich meine Liebe zum Film entdeckt.

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"Wir sind wie„Die Ärzte“:
Zwei grundverschiedene Typen, die dennoch auf einer Wellenlänge liegen."
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Micha: Zu Marcos Lieblingsbüchern 2013 gehören World War Z und Gone Girl. Beides grandiose Bücher mit durchdachtem Unterhaltungswert. Ich hoffe seit Jahren auf eine Verfilmung von Der Schwarm – was würdet ihr gerne mal auf der Leinwand sehen?

Marco:
„A Song of Ice and Fire“ begeistert ja mittlerweile zurecht die Welt! Damit bin ich eigentlich glücklich. Allerdings begleitet mich das Expanded Universe von STAR WARS seit 23 Jahren und ich bin tottraurig, dass ich jetzt weder Admiral Thrawn noch Mara Jade oder Anakin Solo je auf der Leinwand sehen werde. Daneben ist „Spin“ von Robert Charles Wilson einer meiner absoluten Lieblingsromane, ich hoffe, der wird mal verfilmt – und natürlich die „Sandman“-Comics von Neil Gaiman.
Bianca:
Auf die „Der Schwarm“ Verfilmung hab ich mich sehr gefreut, ich fand das Buch sauspannend! Uma Thurman hatte wohl die Rechte gekauft, aber leider ist nix draus geworden. Ich hätte die Verfilmung von „Meg“ gern gesehen, ein Bestseller von Steve Alten über ein „freigelegtes“ Megalodon. Regie sollte Jan De Bont führen, aber der ist dann ausgestiegen oder ausgestiegen worden. Mittlerweile scheint das Projekt ad acta zu liegen. Vielleicht auch besser so – Haifilme tendieren ja grad weniger zum Highlight, und nach dem Desaster mit SPEED 2 war De Bont eh weg. Tatsächlich hatte ich neulich Gänsehaut und Pipi in den Augen, als ich erste Bilder zu DER KLEINE PRINZ gesehen habe! Ein wunderbares Buch, ich bin sehr gespannt!

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"Erstaunlicherweise sind wir meistens einer Meinung"
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Micha: Duoscope und Micha, das passt zusammen irgendwie. Das stelle ich immer wieder fest, wenn ich lese, was ihr so über Godzilla, 12 Years a Slave oder American Hustle schreibt. Ist es schwierig ein Blog zu zweit zu führen, bei unterschiedlichen Ansichten zum selben Film?

Bianca: Yay, danke für das Lob! Öh, nein, es gestaltet sich einfacher als wir dachten.


Marco: Ursprünglich sah unser Konzept mehr Konflikt vor. Diskussionen und Streit und so. Viel Haareziehen und Schmollen.


Bianca: Erstaunlicherweise sind wir meistens einer Meinung.


Marco:
Seit wir angefangen haben, konnten wir uns nur in einem einzigen Fall überhaupt nicht einigen: GONE GIRL hat uns tief gespalten! Ich hab tatsächlich ein bisschen geschmollt! Wir versuchen, in den Fällen, wo wir unterschiedlicher Meinung sind, beide Ansichten in den Artikel einfließen zu lassen. So wird das Ergebnis ziemlich objektiv.
Bianca:
Wir ergänzen uns generell perfekt! Marco kennt fast jeden großen Film seit 1975 und hat einen guten Zugang zum modernen Action- und Fantasyfilm. Action ist selten meins – Fantasy schon eher, aber Marco ist da definitiv der Kenner von uns beiden!
Marco:
Wir sind da wie die Band „Die Ärzte“: Zwei grundverschiedene Typen, die dennoch auf einer Wellenlänge liegen. Biancas Stärken sind die Klassiker: Wenn der Film zwischen 1920 und 1970 gedreht wurde, hat sie ihn gesehen. Mehrfach! Wenn sie loslegt, spürt man, wie das Goldene Hollywood vor einem wieder lebendig wird. Das fasziniert mich jedes Mal! Gemeinsam decken wir die gesamte Filmgeschichte ab. Inhaltlich interessiert mich meist das Theoretische, Strukturelle, die Wirkung und das soziale Umfeld eines Films. Ich hab halt Kulturwissenschaft und Geschichte studiert.
Bianca:
Ich bin gelernte Schauspielerin, deshalb habe ich den Blick mehr auf den Akteuren und den Bedingungen, unter denen ein Film entsteht. Wie und wieso kann ein Film emotional berühren? Mit welchen Techniken agieren die Schauspieler? Ich liebe es, wenn ein Film endet und ich erst dann bemerke, dass ich gar nicht über die Spieltechniken oder Ähnliches nachgedacht habe. Dann haben die Schauspieler alles richtig gemacht!
Marco:
Wir diskutieren tatsächlich viel über die Filme, aber unsere Artikel spiegeln nicht, wie ehedem geplant, die Diskussion wider, sondern das Ergebnis!
Bianca:
Nur manchmal entspinnen wir unsere Diskussion vor den Augen der Leser, wenn sie uns interessant erscheint. Das ergibt sich dann im Schreibprozess! Das Haareziehen lassen wir aber weg.

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Audrey geht immer: aktueller Screenshot von duoscope.blogspot.de
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Micha: Was unterscheidet Duoscope von anderen Filmblogs?

Marco:
Wir sind quasi der Audiokommentar unter den Filmblogs. Als ich meinen ersten DVD-Spieler hatte, habe ich mir von all meinen Lieblingsfilmen die DVD gekauft und nur die Audiokommentare laufen lassen, immer wieder. Das war für mich spannender als der Film: welche Gedanken und Geschichten liegen dahinter? Genau das möchten wir mit unserem Blog für Filmfans leisten.
Bianca:
Wenn wir über Filme gesprochen haben, haben wir immer Anekdoten, Geschichten und Zusammenhänge ausgetauscht, die wir über die Filme und Schauspieler kannten. Wir haben jeden, der uns nach einem Film gefragt hat, mit dem gesamten Hintergrundwissen überhäuft, das wir dazu hatten.
Marco:
Wir wollen keine gängigen „Filmrezensionen“ schreiben, sondern kleine Reportagen zu den Filmen. Ein üblicher Filmblog bietet in der Regel einen sehr aktuellen Service: Man liest die Meinung des Rezensenten, seine Bewertung, und weiß dann, ob man den Film schauen will oder nicht. Wir hatten den Wunsch, eine Art Lexikon zu schreiben, mit Artikeln die zeitlos sind und viel Inhalt bieten, vor allem für Cineasten und ganz speziell die Fans eines bestimmten Films. Deshalb stecken wir bis zu 15 Stunden Arbeit in unsere Artikel. Wir versuchen, den Fans und Liebhabern einen Mehrwert zu bieten. Jeder Film, den wir besprechen, ist aus irgendeinem Grund sehenswert, jeder Star hat das Business entscheidend geprägt.
Bianca:
Oft erwähnen wir mit keinem Wort den Inhalt des Films. Bei GHOSTBUSTERS etwa – kennt doch eh jeder, ist doch viel spannender, wie es zu dem Film kam und wie er die Art, Komödien zu drehen, bis heute verändert hat. Oder wusstest du, dass Charlton Heston einer der ersten Hollywoodstars war, der sich öffentlich für Menschenrechte eingesetzt hat? Er ist für die Rechte der Schwarzen ganz vorne mit nach Washington gelaufen, hat sich für homosexuelle Kollegen eingesetzt und ist einer der ersten sozialen und liberalen Stars in Hollywood, der sich öffentlich politisch für die Gleichbehandlung der Schwachen eingesetzt hat!
Marco: Weiß heute keiner mehr!


Bianca: Richtig, dank Michael Moore! Aber genau um sowas geht‘s bei uns.

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Die Frau mit den meisten Oscars ist...na, wer weiß es?
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Marco:
Oder wer kennt Edith Head? Die Frau hat ACHT Oscars gewonnen! Keine Frau der Filmgeschichte hat mehr! Als Kostümdesignerin hat sie an über 1000 Filmen mitgewirkt. Heute weiß jeder, dass praktisch alle Kostümdesigner Frauen sind, aber Edith Head war die erste. Sie hat in den Vierzigern eine rein männliche Domäne beim Film erobert, und heute kann man sich männliche Kostümdesigner fast nicht mehr vorstellen! Jeder große Film und jeder große Star hat die Filmgeschichte verändert und geprägt. Das fasziniert uns.
Bianca:
Zusätzlich möchten wir mehr Aufmerksamkeit für kleinere Independetproduktionen erregen. Da gibt es wirklich sooooo tolle Filme, die kaum jemand sieht, was wirklich schade ist! Die meisten davon sind spannender, kraftvoller und berührender als jedes Effektspektakel. Da steckt auch die erzählerische Innovation im Kino, die heute viele nur noch beim Fernsehen sehen.

Micha: Mein Gott, der norddeutsche Touch in der Begrüßung war nicht beabsichtigt und fällt mir gerade erst auf. Irgendwie kommt’s plump rüber. :D

Marco:
Norddeutsch und plump? Das geht doch gar nicht ... So, und nu ma Budder bei die Fische ... ;-)

Micha: Alles klar, zurück zum Thema. Sagt mir doch mal jeweils drei 2015er Filme, die ihr ohne schlechtes Gewissen jedem Filmfan empfehlen würdet. Mit Begründung selbstverständlich.

Bianca:
Ich bin zwar ein Indie-Verfechter, aber nun folgen tatsächlich drei Mainstream-Empfehlungen! Los geht’s: JAMES BOND – SPECTRE, weil der letzte Bond so grandios war und der Cast für den neuen so kongenial ist, dass der eigentlich nur gut werden kann! JURASSIC WORLD, weil ich da wohl bekomme, was ich erwarte: hervorragendes Popcorn-Kino mit guten Effekten, hanebüchener Story und Dinos, die sich gewaschen haben. THE HATEFUL EIGHT, weil es ein Tarantino ist – die Begründung muss reichen! J
Marco:
2015 hat exzellente Titel in der Pipeline! Ich hab schon jetzt über zwanzig Filme, auf die ich gespannt bin, und es kommen etliche Kracher, an denen ohnehin kein Cineast vorbei kommt. Ich meine, hey: STAR WARS! Hallo!?! Drei Filme, die ich für besonders empfehlenswert halte, sind aber:
ENTOURAGE: Absolute Fanware, aber jede Sekunde wert! Die HBO Serie ist eine der witzigsten und smartesten Aufarbeitungen des Filmgeschäfts, die es gibt! Nach acht Staffeln war Schluss, und jetzt kommt noch ein Film hintendran. Der Trailer verspricht schon das unvergleichliche Flair der Serie. TOMORROWLAND: Brad Birds neuer (Real-)Film verspricht ein Feuerwerk der Fantasie und des filmischen Einfallsreichtums. Wenn der Film das einlöst, was das bisherige Promomaterial verspricht, könnte das eines der absoluten Highlights des Jahres werden! THE LOST CITY OF Z bietet auch alles, was einen exzellenten Kinoausflug ausmacht: Eine wahre Geschichte, ein mysteriöses Abenteuer mitten im Dschungel, exotisches Amazonasflair (die Geschichte hielt sogar schonmal als Hintergrund für einen Indiana Jones Roman her!) und Benedict Cumberbatch! Ich halte James Gray außerdem für einen herausragenden Regisseur, dessen Filme grundsätzlich sehenswert sind!

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"12 Years a Slave war eine meiner größten Enttäuschungen 2014"
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Micha: Bianca, 12 Years a Slave, Argo oder The Artist?

Bianca:
Ah, die drei Besten Oscarfilme der letzten Jahre! Auf jeden Fall THE ARTIST! Ach, das war genau mein Ding! Gefühle ohne Sprache, ach was, eine komplette wunderbare Geschichte ohne Sprache, wie früher! Oft wird heute zuviel geredet in den Filmen, jede Handlung nochmal verbalisiert. Toll sind doch die Filme, die Charaktere nur durch Handlungen beschreiben.
Marco:
Wenn ich kurz darf: Das ging in den Siebzigern verloren! Bis dahin, und noch in TERMINATOR, war ganz wenig Text. Und jetzt? In ATTACK OF THE CLONES sehen wir den Attentäter einen Pfeil auf jemanden schießen, der sofort tot zusammenbricht. Und Obi Wan beugt sich runter, zieht den Pfeil raus, mustert ihn und sagt bedeutungsschwanger: „Ein Giftpfeil!“ Was soll der überflüssige Mist?
Bianca:
Weißt du, was wir bezüglich 12 YEARS A SLAVE gelesen haben? Viele Academy-Mitglieder haben den Film gar nicht gesehen, fühlten sich aber verpflichtet, das Rassismus-Drama zu prämieren! So viel zu der Auszeichnung „Bester Film“. Und unter uns: Ich fand, dass der Film in so unendlich vielerlei Hinsicht an seinen Chancen vorbeigestiefelt ist, dass er eine meiner größten Enttäuschungen 2014 ist!

Wie ich schon sagte. Eine Wellenlänge und so. Marco, du findest Enemy gut. Hab ihn auch gesehen. Erklär ihn mir bitte. :D

Marco:
Kein Problem, ich muss nur noch kurz die Farbe von Pi auf dem Theremin spielen ... Spaß beiseite – weder kann ich das, noch sollte ich es, weil der Film davon lebt, dass jeder selbst ihm eine Deutung gibt. Das Ding ist ein Meisterwerk! Ich habe meine Interpretation zwar öffentlich geäußert, aber tatsächlich finde ich es viel interessanter, Deutungen auszutauschen, als sie vorzusagen und höre viel lieber eine Deutung, als eine abzugeben. Wie hast du ihn denn verstanden? Erwähnte ich, dass Villeneuve vom Team eine Verschwiegenheitserklärung hat unterschreiben lassen, dass niemand etwas zu seinen Absichten sagt? Er selbst meinte, es macht mehr Spaß, wenn jeder selbst das Rätsel löst.

Micha. Na, daran haben sich alle Beteiligten allerdings gehalten! Worauf werdet ihr achten, wenn ihr Euch die fertige Nominiertenliste vom #derFilmtipp Award anschauen werdet und eine Entscheidung treffen wollt?

Bianca:
Ich glaube, am meisten auf das, was die Filme im ersten Moment in mir auslösen: Wohlwollen, Freude oder eher ein schüttelndes „Brrrrr“? – und danach werde ich ihn bepunkten. Ja, ich glaube, so wird das wohl laufen. Wir haben in diesem Jahr bereits so viel analysiert und auseinandergenommen, dass das alles jetzt zwar mitschwingt, aber der Bauch entscheiden darf! Yay!

Marco:
Ich mag keine Erwartbarkeiten. Mir ist oft am wichtigsten: Bringt der Film was Neues,  und wenn ja, wie gut? Das ist immer das, was ich an einem Film am tollsten finde, deswegen liebe ich auch strittige Werke wie SNOWPIERCER: Der hatte eine unglaublich kreative Wucht und war bis unters Dach vollgestopft mit neuen Sachen. Da sitze ich mit leuchtenden Augen wie gebannt im Kino, als wäre es das allererste Mal! Ich liebe Überraschungen auf der Leinwand, egal ob gute oder schlechte!
Ein Film wie GRAND BUDAPEST HOTEL lässt mich da beispielsweise deutlich kälter: Der Film ist zwar kurzweilig und astrein gemacht, aber halt Wes Anderson-Standardware – der Kerl kopiert sich selbst so konsequent, dass er fast zur Parodie seiner Selbst wird und mich auf gewisse Art langweilt.

Micha: Ich danke Euch für Eure Zeit und Eure Worte!

Mittwoch, 7. Januar 2015

Interview: Gina Dieu Armstark über Passion of Arts, Filmfavoriten und ihren Künstlernamen: "Tom Hardy kann ich gar nicht leiden."

2014 ist Geschichte. Nur die Dezemberfilme haben noch etwas Laufzeit, damit sie fair mit in die Wertung für #derFilmtippAward aufgenommen werden können. Bis es soweit ist - die Jury wird schon diese Woche loslegen können - stelle ich Euch weiterhin alle Jurymitglieder vor. Dieses Mal begrüße ich Newcomerin Gina Dieu Armstark.
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Nein, das ist nicht Gina. Das ist Nina.
In Ginas Augen ist Nina Audrey Hepburn sehr ähnlich. Wir reden von Nina Dobrev.

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Micha: Hallo Gina, vielen lieben Dank, dass Du Dich als Jurorin zur Verfügung stellst. Erzähl meinen Lesern und mir doch bitte kurz, warum Passion of Arts toll ist und wie Du ans Bloggen geraten bist.

Gina: Hallo, erst einmal vielen Dank, dass du mich mit dabei haben möchtest. Das ganze Projekt klingt schon sehr spannend und ich freu mich, ein Teil davon sein zu dürfen! Passion of Arts ist toll, weil es hierbei nicht nur um Filme und Serien geht, sondern auch die Rubrik "Vogue - Fragen ohne Antwort", die schon auf meinem Moviepilot-Blog gut ankam, mit dabei ist. Außerdem können sich die Leser auch auf diverse Gedichte und Kurzgeschichten meinerseits freuen und natürlich wird auch viel von meiner Kunst zu sehen sein. Ans Bloggen bin ich eigentlich durch meine Freunde und Verwandten gekommen, die immer meinten: "veröffentliche deine Kurzgeschichten" doch irgendwo. Auch Moviepilot brachte mich dazu, denn auf der Seite kann man ja Filmkritiken schreiben.

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"Also nannte ich mich Gott, aber unauffällig und ganz dezent auf Französisch."
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Micha: Was hat es mit Deinem Namen auf sich? Ich bin mir fast sicher Du heißt anders und als ich „Straße zum Glück, Wonderland“ gegooglet habe, hat mir Google Maps den Movie Park in Bottrop vorgeschlagen. Verdächtig.

Gina: Witzig, dass du fragst, das fragt nämlich im Grunde nie jemand. :D Eigentlich ist es ganz banal, denn ich wollte mich nach langem Dagegenschwimmen endlich bei Facebook anmelden und wollte dies aber unter keinen Umständen mit meinem richtigen Namen tun. Also habe ich überlegt und erst fiel mir nichts Originelles ein. Dann nahm ich einfach "Gina", was mehr oder weniger die Abkürzung meines richtigen Vornamens "Regine" ist und vielleicht hörte ich gerade einen Song von "Green Day" und dachte mir, warum nicht den Namen einer meiner Lieblingssänger nehmen? Ich übersetzte ihn einfach und so wurde aus "Armstrong", "Armstark". Das "Dieu" kam erst vor ca. ein oder zwei Jahren dazu. Ich blödelte mit meiner damals noch besten Freundin im Hallenbad rum und sie meinte ich sei "Gott". Also nannte ich mich Gott, aber ich machte das unauffällig und ganz dezent auf Französisch. So wurde Gina Dieu Armstark zu meinem Künstlernamen. Ahem ja, also im Movie Park in Bottrop wohne ich wirklich nicht, aber ich mache jeden Tag zu meinem persönlichen Glück und ja ich bin oft in Gedanken und somit auch im eigenen Wonderland :D 

Kann auch Kunst, die Kollegin. Hier ein schickes Ölgemälde.


Micha: Auf Deinem Blog ist zu lesen, dass Du Remakes und Reboots nicht leiden kannst. Überspitzt gefragt: Gibt es überhaupt einen Film in den kommenden 12 Monaten, auf den Du Dich freust?

Gina: Oh ja, so einige. Zum Beispiel habe ich noch immer nicht Die Entdeckung der Unendlichkeit gesehen und hoffe, dass ich diese Woche noch dazu komme. Dann natürlich The Imitation Game, Big Eyes, Avengers 2, Die Gärtnerin von Versailles und Fack ju Göthe 2.

Micha: Ich blende mal aus, dass auch 30 Seconds To Mars angegeben wurden und lobe Dich für Deinen musikalischen Geschmack (Farin Urlaub und die Ärzte). Schon „Faszination Weltraum“ gehört?

Gina: Danke. Nein, hab eben rein gehört, leider eine CD von Farin Urlaub, die ich noch immer nicht besitze. Ich sollte das mal ändern!

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"Die Dr. Hunter-Reihe von Simon Beckett würde 
mich als Film interessieren, aber nur, wenn Jake Gyllenhaal Dr. Hunter spielt."
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Micha: Von „Faszination Weltraum“ zackig den Bogen gespannt zu Fantasy- und Thriller, Deinen Genre-Lieblingen in Sachen Buch. Gibt es Bücher, die Du gerne mal auf der Leinwand wiederfinden möchtest?

Gina: Im Grunde nicht. Die meisten Buchverfilmungen, von denen ich das Buch las waren eine Katastrophe und jetzt habe ich auch noch gelesen, dass Kind 44 von Tom Rob Smith mit Tom Hardy verfilmt wurde. Den kann ich so gar nicht leiden :( Das schlimme ist eigentlich - haltet mich für verrrückt - aber ich drehe beim Lesen immer meinen eigenen Film und besetze die Charaktere auch mit Darstellern die ich mag, kenne und finde, dass die passen. Das macht es schwer, dem dann gerecht zu werden. Ja ich weis, ich bin anspruchsvoll, aber als eigene Schreiberin darf ich das auch. Im Moment würde mich die Dr. Hunter-Reihe von Simon Beckett als Film interessieren, aber nur, wenn Jake Gyllenhaal auch Dr. Hunter spielt. :D

Micha: Du liest nicht gerne Geschichten, in denen Mädchen die Hauptperson sind. Trifft das bei Dir auch auf Filme zu?

Gina: Komischerweise nicht. Es kommt meistens auf den Charakter der Dame an. Ist es eine Carrie Bradshaw (Sex and the City) oder eine Rosie (Love, Rosie) befinden wir uns ja noch im grünen Bereich. Sobald es aber eine Superfrau a la "ich kann alles und weiß alles" wird, wünsche ich mir einen Bus, der sie ausknipst. Das gilt auch für nervtötende Ladys wie Bridget Jones (Schokolade zum Frühstück), die ständig nur jammern. Schwer zu sagen, ich weis vorher ja nie, wie die Frau drauf ist, also kriegt sie wenigstens eine Chance.

Micha: Was wäre, wenn Tom Cruise mal ein Mädchen spielen würde?

Gina: Der ist viel zu maskulin, aber ich würde es mir ansehen. Das muss man doch mal gesehen haben! Immerhin war James McAvoy als Frau klasse und Jared Leto hat dies sogar noch übertroffen.

Micha: Worauf wirst Du achten, wenn Du als Jury-Mitglied Deine Votes abgibst?


Gina: Je nach Kategorie werde ich darauf achten, wieviel Eindruck bei mir hinterlassen wurde. So bewerte ich auch die Filme, die ich sehe. Wenn mich ein Film von anfang an mitreißt und auch danach noch in meinen Gedanken hängt, erzielt er natürlich eine höhere Punktzahl, als einer, der nach 20 Minuten noch immer nicht richtig unterhalten kann. Wir werden sehen, ich werde fair sein!

Micha: Da bin ich mir sicher. Ich danke Dir für das Interview und gespannt auf Deine Votes:)

Montag, 22. Dezember 2014

Interview: Sonja Hartl über Zeilenkino, Preisverleihungen und Europafilme - „In der Regel gewinnt nicht der beste Film.“

Damenbesuch in der #DerFilmtippAward-Jury! Sonja Hartl vom Zeilenkino sprach mit mir über ihr Interesse an Oscars und Co, europäische Filmlandschaften und Buchverfilmungen. #DerFilmtippAward-Favorit Gone Girl kommt dabei insgesamt ganz gut weg. Zu Serena mit Bradley Cooper und Jennifer Lawrence konnte Sonja mir erste Eindrücke vermitteln - und das ohne Spoiler! Danke, Sonja :)


Micha: Hi Sonja, dankeschön für Deine Teilnahme am #DerFilmtippAward. Beim Durchstöbern Deiner wirklich interessant gestalteten Seite habe ich mit Freude festgestellt: Du hast angefangen mit filmpreise.wordpress.com, ein Blog über Oscars, Globes und Co. Was fasziniert Dich an solchen Preisverleihungen?

Sonja: Oh ja, das liegt schon ein wenig zurück. Damals hatte ich das Gefühl, es gibt sehr wenige Seiten, die sich mit den Oscars und anderen Preisverleihungen jenseits der tatsächlichen Veranstaltung beschäftigen. Und ich war seit meiner ersten Oscar-Verleihung 1992 fasziniert von den ganzen Stars und dem Pathos. Deshalb habe ich mich viel damit mit beschäftigt, mit der Geschichte der Oscars, Organisation der Academy, Abstimmungsmechanismen, Indikatoren für spätere Preisträger und so weiter. Daraus wollte ich dann etwas machen und so ist schließlich der Blog entstanden. Allerdings fühlte ich mich dort schnell thematisch allzu eingeschränkt, deshalb habe ich es im Zeilenkino erweitert. Außerdem wollte ich auch nicht mehr zu der Überhöhung der Verleihung beitragen, die für mich mittlerweile vor allem eine große – und zweifellos amüsante – Marketingaktion ist, die man meiner Meinung nach aber nicht allzu ernst nehmen sollte. Jede Jury-Entscheidung (und letztlich ist es bei den Oscars nicht anderes) ist eine Konsensentscheidung und deshalb gewinnt in der Regel nicht der beste Film. Ich glaube beim FilmtippAward auch nicht, dass alle meine Favoriten gewinnen – zumal wie bei den Oscars die meisten gar nicht nominiert sind. ;-)

„Ich hätte mit Gone Girl etwas dreckiger und innovativer gewünscht“

Micha: Auf Zeilenkino werden vor allem Buchverfilmungen von Dir beleuchtet. Gab es da 2014 spezielle Highlights aus Deiner Sicht?

Sonja: Leider ohne deutschen Kinostart sind The Selfish Giant und Cold in July geblieben, zwei großartige Literaturverfilmungen – auf ganz unterschiedliche Weise: The Selfish Giant ist ebenso poetisch wie sozialrealistisch, Cold in July durch und durch ein Genrefilm mit irren Twists und viel Blut am Ende. Von den Kinofilmen hat mich Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand positiv überrascht, weil er viele Schwächen des Buches ausgleicht und einen etwas böseren Humor hat.

Micha: Als Jury-Mitglied der #DerFilmtippAwards ist Dir mit Sicherheit nicht entgangen, dass Gone Girl –das perfekte Opfer die meisten Nominierungen von mir erhalten hat. Also eine Buchverfilmung. Hast Du David Finchers düstere Interpretation schon sehen können?

Sonja: Ja. Gillian Flynns Buch fand ich ganz okay, David Finchers Film finde ich besser, allerdings hätte ich ihn mir ein wenig dreckiger und innovativer gewünscht. Außerdem ist er nicht so progressiv in den Geschlechterrollen wie viele immer behaupten. Aber Gone Girl ist schon ein guter Film, insbesondere technisch nahezu makellos und auch sehr gut besetzt.

"Laut Buchvorlage soll'n wir jetzt..."
Sonja hätte Gone Girl trotzdem gerne dreckiger gesehen:)
© 20th Century Fox 
Micha: Gibt es einen Roman, bzw. eine literarische Geschichte, die Du gerne im Kino sehen würdest?

Sonja: Die „Turner“-Trilogie von James Sallis – mit John Hawkes als Turner.

Micha:Ist das nur ein Eindruck meinerseits, oder interessierst Du Dich vor allem für europäische Geschichten? Ich denke vor allem an zwei, drei dänische Geschichten, die Du besprochen hast.

Sonja: Ja, insgesamt schaue ich eher europäisches Kino und hier insbesondere Filme aus Nordeuropa. Der Schwerpunkt im Blog liegt zum Teil aber auch daran, dass ich mein Geld mit dem Schreiben über Filme und Bücher verdiene. Deshalb landen im Zeilenkino oftmals die Filme, für die ich keinen Auftraggeber habe, denen ich aber dennoch Aufmerksamkeit wünsche. Das sind meist ältere Filme oder Filme ohne Starttermin.

Micha: Susanne Bier erhielt für In einer besseren Welt 2011 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Nun versucht sie es in Hollywood mit Serena. Ich bin gespannt wie ein Kleinkind, was erwartest Du von dem Film?

Sonja: Da ich ihn schon gesehen habe, ist diese Frage schwierig zu beantworten. Ich hatte mir erhofft, dass sich Susanne Bier auf ihre Stärken konzentriert, also auf komplexe Charaktere in schwierigen Situationen, und nicht wie „All you need is love“ allzu weichgespült ist.

"Guck mal, Jen, da läuft Sniper. Soll Oscar-Chancen haben"
Serena laut Sonja zu weichgespült. Bin gespannt!
© Studiocanal

Micha: Hast Du noch einen 2014er Filmtipp für mich?

Sonja: Klar. Höhere Gewalt, The Drop, Nymphomaniac I + II, Ida und Boyhood würden mir da spontan einfallen.

Micha: Was können Deine Leser im kommenden Jahr von Dir erwarten?

Sonja: Noch mehr Beiträge über Kriminalromane, die neben Filmen mein zweiter Schwerpunkt sind. Außerdem überlege ich seit längerem, eine neue Rubrik im Zeilenkino einzuführen und ich will etwas experimentierfreudiger im Stil der Beiträge zu werden – aber das hatte ich mir für 2014 auch schon vorgenommen. Deshalb bin ich gespannt, ob es klappt.

Montag, 15. Dezember 2014

Interview: Christian Hoja über Cellurizon, deutsche Filmblogs und Leser - „Ich habe einen ganz großen Schritt vor.“

In der vergangenen Woche habe ich Euch Wulf Bengsch von Medienjournal.de vorgestellt. Genau wie Mr. Media Monday ist auch Christian Hoja von Cellurizon stolzes Mitglied meiner #DerFilmtippAward-Jury. In meinem kleinen Interview mit ihm spricht er über seine Anfänge als Filmblogger, den Stand der deutschen Filmbloggerlandschaft und seine Filmes des Jahres 2014. Die Sache mit Godzilla, lieber Christian, klären wir noch ;) 

Micha: Hi Christian, dankeschön für Deine Teilnahme als Jurymitglied. Ich fühle mich ein bisschen geehrt, da ich Deinen Schreibstil und Cellurizon insgesamt super unterhaltend finde. Wie bist Du ans Bloggen geraten?

Christian: Moin Michael, danke für’s Lob und die Ehre ist natürlich ganz meinerseits. Mit dem Bloggen habe ich 2008 auf MySpace angefangen, in einer Phase, in der ich am literarischen Schreiben gerade die Lust verloren hatte. Ich wollte aber schon weiterhin irgendwas schreiben und was kreatives mit meiner Freizeit anfangen und hab deswegen eine Leidenschaft mit der anderen verknüpft und einen kleinen MySpace-Blog namens ChristiansFoyer aufgemacht, damals ausschließlich mit Kritiken und Star-Portraits. Das erste Feedback kam, der Spaß am Bloggen wuchs, die Ambitionen und das Programmier-Know How auch und jetzt steht da halt das Cellurizon, wie man’s heute kennt.

Micha: Du schreibst auf Deiner Seite, Deine Begeisterung für Horrorfilme hat sich mit Scream verabschiedet. Gibt es aus dem Genre denn heute gar nichts mehr, was Dich noch interessieren könnte?

Christian: Also eine richtiggehende „Begeisterung für Horrorfilme“ gab es eigentlich nie, in der Pubertät zieht man sich halt viel „Verbotenes“ rein. Ich verfolge das Genre generell schon noch mit einem gewissen Interesse (wie im Grunde annähernd jedes Genre, denn: wenn es Film ist, ist es interessant), weil ich über Strömungen und sowas auf dem Laufenden sein will, um zumindest halbwegs kompetente Einschätzungen abgeben zu können. Aber nur wenig aus dem Horrorbereich reizt mich, es mir tatsächlich noch anzusehen. Ti West soll ja zum Beispiel ein ganz spannender Regisseur sein und begrüßenswerterweise geht der Trend seit einiger Zeit wieder weg vom Folterhorror und wieder mehr hin zum echten Grusel. Aber mich schocken und erschrecken zu lassen ist als Reizimpuls einer Filmerfahrung einfach nicht mehr mein Ding ;)

Godzilla - ich habe ihn für den besten Film des Jahres vorgeschlagen. Christian sieht das anders :)
© Warner Bros.
Micha: Welche Filme waren Dein Highlight 2014 und was war Dein erster Gedanke, als Du die Nominiertenliste der #DerFilmtippAwards gesehen hast?

Christian: Was der klappsige Godzilla unter den Nominierten für den besten Film zu suchen hat! Mein persönliches Top-Quintett in diesem Jahr (alles vorläufig und ohne bestimmte Reihenfolge und auch nur das berücksichtigend, wozu ich eine Kritik geschrieben habe) waren The Wolf of Wall Street, Edge of Tomorrow, Snowpiercer, der von allen Seiten komplett falsch angegangene und zu Unrecht schlecht bewertete Schwarzenegger-Actioner Sabotage und als gemeinsame fünfte Nennung das Marvel-Doppel aus Captain America: The Winter Soldier und Guardians of the Galaxy. Sehr nice waren auch Enemy, Zulu oder Under the Skin. Aus überwiegend Low- bis bestenfalls Midlights bestand hingegen der diesjährige Blockbuster-Sommer (bis auf die „Guardians“).

Micha: Für einen unabhängigen deutschen Filmblog hast Du eine beachtliche Reichweite in den sozialen Netzwerken. Kannst Du Dir das selbst erklären?

Christian: Ja. Weil ich so viele Gewinnspiele veranstalte :D Aber mal ernsthaft: ich wäre froh, wenn ich davon ausgehen könnte, dass der Großteil meiner Facebook-Fans aufgrund eines Faibles für meine Berichterstattung, Freude an meinen Kritiken usw. auf meiner Seite gelandet wäre, aber in Wahrheit trifft das nur auf einen verhältnismäßig kleinen Anteil zu. Einige Filmbuddys (darunter auch Bloggerkollegen) verfolgen meinen Output tatsächlich schon seit mehreren Jahren sehr regelmäßig (und vice versa) und das freut mich ungemein, da das Leute sind, deren Umgang und Standpunkte zum Medium Film mir sehr zusagen und mir ihre Treue zeigt, dass ich ein paar Sachen durchaus richtig mache und dass ich damit eine Leserschaft erreichen kann, die ich mir wünsche und ansprechen will: meinungs- und diskussionsstarke Kenner, deren Horizont nicht beim Blockbuster von letzter Woche endet.

Aber, let’s face it: die Mehrheit der Fans kommt halt über das Gewinnspielangebot und schert sich ansonsten nicht groß um das, was daneben so auf Cellurizon läuft. Und wenn die Non-Gewinnspiel-Topics nichts mit Star Wars oder der nächsten Comicverfilmung zu tun haben quillt die Interaktionsrate mit meinen Beiträgen auch nicht gerade über. Aber das ist eben der sprichwörtliche Drahtseilakt bei Social Media-Präsenz und Filmberichterstattung allgemein und FB (Reichweitenbeschneidung), Twitter (Unübersichtlichkeit bei rappelvoller Timeline) und Google+ (nutzen halt wenige) machen es einem nicht einfacher, wenn man nicht auf Mechaniken wie Clickbaiting und co. setzen will…

„Es muss immer auch einen Haudrauf-Affen wie Michael Bay geben“

Micha: Was mir bei Deinen Postings und Deinen Artikeln sofort auffiel, wir scheinen eine ähnliche Filmjugend gehabt zu haben. Jedenfalls was Filme wie Jurassic Park, Mad Max oder Terminator angeht. Ganz persönliche Frage daher: was hältst Du von Con Air, Independence Day und Armageddon? ;)

Christian: Con Air ist so der typische Mid-90ies-Actioner und gefällt mir heute nicht mehr so gut wie früher, im Gegensatz zu zum Beispiel The Rock. Independence Day verliert für mich außerhalb der Kinoleinwand so ziemlich alles, was an dem Film irgendwie reizvoll ist und das Emmerich’sche Katastrophenkino und die ganze Art, wie der Schwabenbube seine Filme aufzieht, mag ich mir nicht mehr gerne ansehen. Armageddon habe ich lange nicht gesehen, aus dem Gedächtnis macht der aber Spaß. Ich bin auch kein Bay-Hasser. Es muss zu allem einen Pol oder ein Gegengewicht geben. Und zu jedem versierten Filmemacher mit raffinierten Erzähltechniken und so weiter muss es drum immer auch einen Haudrauf-Affen wie Bay geben ;)

Stimme Christian zu: The Rock ist ein klasse Film
© Buena Vista International
Micha: Ich habe den Award auch ins Leben gerufen, weil ich finde, dass Filmblogger untereinander nicht konkurrieren, sondern bestenfalls kooperieren sollten. Wie siehst Du die deutsche Filmblogger-Landschaft?

Christian: Entspannter als noch vor einiger Zeit. Mit meinem Kontaktkreis bin ich total im Reinen und mir persönlich ist lange keiner auf eine Art blöd gekommen, die mich die deutsche Filmblogosphäre einstmals sehr kritisch oder quasi als non-existent betrachten ließ. Und ich will da nicht ewig auf ollen Kamellen rumreiten, deswegen begrüße ich, was sich da in den vergangenen Monaten und vermutlich initiiert durch den Wachrütteltext von Alex Matzkeit auf Real Virtuality getan hat, und ich begrüße ebenso eine Aktion wie deine Awardverleihung mit Jury aus diesen Kreisen. Daran, dass innerhalb der Cluster der Filmblogosphäre weiterhin viel eigene Suppe gekocht wird, hat sich aber wohl nicht so viel geändert und ich denke, da kann man auch keinen Lösungsansatz schaffen, der irgendwie zweck- oder überhaupt sinnführend ist. Fernsehsender, Filmstudios oder bspw. Konsolenhersteller könnten sich auch alle an einen Tisch setzen und gemeinsam tolle Megaprojekte austüfteln und die Welt damit beglücken, aber: Konkurrenz bleibt dennoch irgendwo Konkurrenz und wenn (nur so als Beispiel) zwanzig einzelne Fimblogger ohne große Subjektivierung des Themas den neuen Star Wars-Trailer posten, statt auf den Beitrag desjenigen zu verlinken, der ihn als erstes online hatte, dann möchte eben jeder sein Stück vom Kuchen der Macht. Aber so lange ein Blog echte Intentionen und ein Konzept verfolgt (viele sprießen ohne beides hervor und verschwinden dann auch schnell wieder) und so eine Meinungsvielfalt entsteht, die nicht zwingend kooperieren, sondern gesund koexistieren kann, ist das soweit auch völlig in Ordnung.

Micha: Kannst Du mir als Jurymitglied noch einen Tipp geben, welchen Film ich bis zum Ende des Jahres gesehen haben sollte?

Christian: Jeden, denn wie weiter oben erwähnt: wenn es Film ist, ist es interessant. Oder, wenn du so viel Zeit nicht hast, zum Beispiel die ebenfalls schon erwähnten Enemy und Under the Skin, wenn’s mal „was anderes“ sein soll.

Micha: Was dürfen Deine Leser 2015 von Dir erwarten?

Christian: Viel. Ich tüftel im Hintergrund ununterbrochen an Cellurizon und wenn die Seite ihren nächsten Optimierungsschritt hinter sich hat (ich bin halt erst heute und nach sechs Jahren im Selbstlehrgang gut genug im Programmieren, um langgehegte Wünsche für die Seite umzusetzen) habe ich einen ganz großen Schritt vor, der bisher aber erst einem kleinen, exklusiven Kreis offenbart ist. Ansonsten bleibt eigentlich alles wie gehabt, bei mir sind Intention und Konzept nach sechs Jahren gefestigt und funktionieren so weit ja auch ganz gut.

Micha: Ich bin gespannt welcher große Schritt damit gemeint ist und wünsche Dir mit Cellurizon weiterhin viel Spaß und Erfolg! Dankeschön für das Interview, Christian:)

Dienstag, 9. Dezember 2014

Interview: Wulf Bengsch über Jury-Gedanken, Noah und sein Medienjournal - „Es gab eine Zeit, wo ich ans Aufhören gedacht habe.“

Der Filmtipp Award rückt näher. Welche Filme am Ende ausgezeichnet werden entscheide ich dann zusammen mit einer Jury aus Filmexperten. Einer davon ist Wulf Bengsch aus Essen, Betreiber der Seite Medienjournal. Seine Kritiken, seine Schauspielerportraits und vor allem der Media Monday sorgen wöchentlich dafür, dass sich lange Blicke auf sein Blog lohnen. Am vergangenen Montag feierte er den 180. Media Monday. Gleich doppelter Anlass also, ihm ein paar Fragen zu widmen.

Micha: Hi Wulf, erst einmal herzlichen Glückwunsch zur 180. Ausgabe des Media Mondays. Wie ich finde eine Reihe, die uns nicht nur ermöglicht Dampf abzulassen, nostalgisch zu werden oder zu huldigen, sondern auch klasse zum Netzwerken. Ich hoffe doch wir haben noch sehr lange etwas davon?!

Wulf: Hey Michael! Danke für die Glückwünsche erst einmal. Ich muss zugeben, dass ich immer noch baff bin, wie viel Anklang diese Aktion auch nach der langen Zeit noch findet und wie auch immer wieder neue Teilnehmer hinzukommen. Es gab tatsächlich mal eine Zeit, wo ich ans Aufhören gedacht habe und sogar schon entsprechende Abschiedsworte vorbereitet habe, aber letztlich habe ich es dank vieler wohlmeinender Worte dann doch nicht übers Herz gebracht, die Reihe einzustampfen, worüber ich natürlich im Nachhinein sehr froh bin, denn an ein Ende ist derzeit nicht zu denken, macht mir das wöchentliche Ausrichten und vor allem das Feedback, das ich dafür bekomme, doch immensen Spaß, so dass auch 2015 sicherlich niemand auf den Media Monday wird verzichten müssen.

„Ich hätte Amy Adams gewählt.“

Micha: Du bist Mitglied in der Jury meines kleinen Awards, den ich am Ende des Jahres vergeben möchte. Das freut und ehrt mich natürlich. Gibt es Kategorien, bei denen Du Dich jetzt schon festlegen könntest?

Wulf: Schwierig, da ich doch erschreckend wenige Filme gesehen habe, wie mir scheint, zumindest was die Nominierungen anbelangt. Ich versuche gerade noch ein wenig was aufzuholen, damit ich nicht überall Dallas Buyers Club wählen muss, plane zumindest noch The Wolf of Wall Street zu sehen, den ich sicherlich auch in einigen Kategorien favorisieren werde und habe mir zumindest – auch wenn die Rezension noch nicht online ist – jüngst American Hustle angesehen, wobei ich hier schon mokieren möchte, dass sich Amy Adams nicht unter den Nominierten in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin befindet, die ich ansonsten sicherlich gewählt hätte.

Micha: Aus aktuellem Anlass habe ich den Spieß mal umgedreht und einen kleinen Media Monday für Dich vorbereitet:

1. Ich portraitiere Darsteller nicht nur textlich, sondern zeichne sie auch. Wenn ich eine Person portraitieren müsste, die für mich das Kinojahr 2014 geprägt hat, dann wäre das Matthew McConaughey, weil er eben nicht nur für seine Rolle in "Dallas Buyers Club" den wohlverdienten Oscar bekommen hat, sondern auch noch mit "Interstellar" in einem der meisterwarteten Filme des Jahres zu sehen war und sich fernab der großen Leinwand zudem noch in der HBO-Serie "True Detective" hervorgetan hat und nach vielen grandiosen Rollen in den letzten Jahren nun nachhaltig und unwiderruflich seinen Status als ernstzunehmender Schauspieler zu festigen wusste.

Nicht mein Fall, Wulfs aber schon: Noah (2014)
© Paramount
2. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Wenn ich einen Blick auf Michas Liste der Nominierten werfe, kann ich ihm durchaus Filme empfehlen, die er bis zum Voting noch sehen sollte. Und zwar beispielsweise "Spuren", "Snowpiercer" und "Knights of Badassdom", wobei letzterer sicherlich keine Nominierungen nach sich ziehen wird, aber umso mehr für eine abwechslungsreiche Empfehlungsliste sorgt.

3. Unsere Meinungen zu Noah liegen offenbar deutlich auseinander. Vor allem hat mir an dem Film Aronofskys ihm eigene Interpretation des Stoffes, die archaische Lesart und der markante Fantasy-Touch gefallen, weil ich mit Bibel-Verfilmungen eigentlich herzlich wenig anfangen kann, mir aber die versteinerten Engel, der düstere Look des Films und die mystifizierte Geschichte doch sehr zugesagt haben, trotz des verkitschten Endes und einigen unnötigen Längen, die sich hätten vermeiden lassen.

4. Wenn Micha mir am Ende des Jahres die entgültige Nominiertenliste präsentiert, werde ich bei meinem Voting vor allem danach gehen müssen, welche Filme ich überhaupt schon gesehen habe, denn da ich in diesem Jahr meines Wissens nicht ein einziges Mal im Kino gewesen bin, muss ich mich ganz auf die Filme konzentrieren, die es mittlerweile auch schon zu kaufen gibt, wobei ich mich natürlich in den nächsten Wochen noch einmal bemühen werde, etwaige Wissenslücken zu schließen.

5. Wenn ich mir eine zusätzliche Kategorie aussuchen dürfte, dann wäre das vermutlich eine für Indie-Produktionen und Geheim-Tipps, denn vieles Sehenswertes schafft ja nun einmal leider nicht den Weg in unsere Kinos und da würde es sich anbieten, noch einmal eine gesonderte Nominierten-Liste zu schaffen, die nicht mit den üblichen Blockbustern konkurrieren muss. Alternativ könnte man den Ansatz der genre-spezifischen Nominierten (Endzeit, Found Footage…) weiter ausbauen und meinetwegen Krimis/Thriller oder Science-Fiction-Filme mitreinnehmen.

Wulfs Favorit? Matthew McConaughey in Dallas Buyers Club
© Ascot Elite
6. Wenn ich darauf angesprochen werde, was Euch auf medienjournal-blog.de im Jahr 2015 erwartet, antworte ich natürlich, dass ihr euch auf zahllose Kritiken jedweder Form freuen dürft und dass ich gerade in punkto Film noch einiges in petto habe, da ich gerade dabei bin, meinen Stapel ungesehener Filme zu reduzieren, doch auch die Schauspieler-Portraits plane ich als wöchentliche Serie fortzuführen, ebenso - wie oben schon erwähnt - den Media Monday, der euch und mir natürlich auch im nächsten Jahr erhalten bleibt!

7. Zuletzt gesehen habe ich "127 Hours" und das war beeindruckend, weil ich einerseits Danny Boyle Hochachtung zollen muss für die Art und Weise, wie er es geschafft hat, den Film spannend und unvorhersehbar zu halten, obwohl er in punkto Setting und Möglichkeiten doch eigentlich akut eingeschränkt war, andererseits, weil ich James Franco in letzter Zeit eigentlich nur in lustigen Rollen gesehen habe und beeindruckt war von der Hingabe, mit der er den Bergsteiger Aron Ralston verkörpert hat.

Micha: Dankeschön für Deine Zeit, Wulf. Und weiterhin viel Erfolg Dir und Deiner Seite. Ich bin gespannt über Deine Urteile am Ende des Jahres, auch wenn Noah wohl nicht gut abschneiden wird ;)

Samstag, 9. August 2014

Interview: Christian Genzel über sein Regie-Debüt "Die Muse"

Filmblogger Christian Grenzel veröffentlicht demnächst sein Regie-Debüt Die Muse als Video on Demand. Ich durfte mir den Film bereits anschauen, meine Gedanken dazu findet Ihr HIER. In diesem kleinen Interview erfahrt Ihr nun noch etwas mehr über Christians Beweggründe, diesen Film zu drehen. 

Hallo Christian, Glückwunsch zu einem wirklich gelungenen Regie-Debüt. Meine erste Frage würde gleich mal auf den Filmtitel 'Die Muse' anspielen - was hat Dich dazu inspiriert, diese Geschichte zu verfilmen?
Ich mag Kammerspiele - Geschichten, die sich auf sehr kleinem Raum abspielen und sich dabei ganz auf die Figuren konzentrieren. Mich interessiert die psychologische Dynamik zwischen Menschen - in diesem Fall zwischen Täter und Opfer. Da versuchen zwei Leute, in den Kopf des jeweils anderen hineinzukommen, und beide sind auf ihre Art Gefangene. Und ich finde es immer spannend, was Menschen antreibt, warum sie das tun, was sie tun - deswegen wollte ich keine Geschichte über einen eindeutig verrückten Filmpsychopathen erzählen, sondern über einen vielschichtigen Mann, der trotz seiner verbrecherischen Taten auch ein Mensch bleibt. Außerdem interessiere ich mich sehr dafür, wie Kreativität funktioniert, wie Ideen entstehen, wie der Prozeß abläuft, in dem etwas entsteht - so entstand die Konstellation des Schriftstellers und seiner Muse.

Henriette Müller und Thomas Limpinsel wird, wie bei einem Kammerspiel üblich, extrem viel Leinwandzeit geboten. Gab es Dinge, bei denen es Dir besonders wichtig war, dass die beiden sie richtig vermitteln?

Ich hatte immer den Gedanken, dass Fischer ein Mensch ist, von dem die Nachbarn später sagen würden: "Der war so ein netter Mann. Ganz unauffällig. Ein bisschen zurückgezogen." Wir haben daher immer daran gearbeitet, wie bedrohlich er sein würde, wie freundlich, wie überlegt er sprechen würde, wo man Risse in seiner Façade sehen wird. Diese Balance zwischen einem höflichen, etwas unscheinbaren Auftreten und all dem, was darunter liegt - die Abgründe, die Verzweiflung - war mir bei Thomas sehr wichtig.

Katja ist ja lange Zeit gewissermaßen ein unbeschriebenes Blatt - wir wissen nicht viel über sie, und wir wundern uns ebenso wie sie, warum ausgerechnet sie Fischers Muse sein soll. Ich wollte bei Henriette daher eine gewisse alltägliche Qualität haben, hinter der sich alle Facetten der Figur verbergen können - vom verängstigten Opfer hin zur wehrhaften Frau, von der ganz rational alle Möglichkeiten durchgehenden Person hin zu jemand, der wie ein eingesperrtes Tier gefährlich werden kann. All das sollte quasi gleichzeitig glaubwürdig in der Figur drinstecken und doch erst spürbar werden, wenn die Umstände es hervorrufen.

Welche Pläne hast Du für die nahe Zukunft, was kann man von Dir erwarten demnächst?

Ich arbeite an der Finanzierung meines zweiten Spielfilms Brot und Spiele. Das ist eine Komödie über Freundschaften, Rivalitäten, alte Kindsköpfe und ebenso alte Computerspiele. Thomas Limpinsel und Götz Otto werden die Hauptrollen spielen. Auf Vimeo gibt's einen kurzen Teaser dazu. Nebenher habe ich auch immer mal kleinere Projekte, die ich zwischendurch angehe - da kommt in Bälde auch etwas...

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