Damenbesuch in der #DerFilmtippAward-Jury! Sonja Hartl vom Zeilenkino sprach mit mir über ihr Interesse an Oscars und Co, europäische Filmlandschaften und Buchverfilmungen. #DerFilmtippAward-Favorit Gone Girl kommt dabei insgesamt ganz gut weg. Zu Serena mit Bradley Cooper und Jennifer Lawrence konnte Sonja mir erste Eindrücke vermitteln - und das ohne Spoiler! Danke, Sonja :)
Micha: Hi Sonja, dankeschön für Deine Teilnahme am
#DerFilmtippAward. Beim Durchstöbern Deiner wirklich interessant gestalteten
Seite habe ich mit Freude festgestellt: Du hast angefangen mit
filmpreise.wordpress.com, ein Blog über Oscars, Globes und Co. Was fasziniert
Dich an solchen Preisverleihungen?
Sonja: Oh ja, das liegt schon ein wenig zurück. Damals hatte
ich das Gefühl, es gibt sehr wenige Seiten, die sich mit den Oscars und anderen
Preisverleihungen jenseits der tatsächlichen Veranstaltung beschäftigen. Und
ich war seit meiner ersten Oscar-Verleihung 1992 fasziniert von den ganzen
Stars und dem Pathos. Deshalb habe ich mich viel damit mit beschäftigt, mit der
Geschichte der Oscars, Organisation der Academy, Abstimmungsmechanismen,
Indikatoren für spätere Preisträger und so weiter. Daraus wollte ich dann etwas
machen und so ist schließlich der Blog entstanden. Allerdings fühlte ich mich
dort schnell thematisch allzu eingeschränkt, deshalb habe ich es im Zeilenkino
erweitert. Außerdem wollte ich auch nicht mehr zu der Überhöhung der Verleihung
beitragen, die für mich mittlerweile vor allem eine große – und zweifellos
amüsante – Marketingaktion ist, die man meiner Meinung nach aber nicht allzu
ernst nehmen sollte. Jede Jury-Entscheidung (und letztlich ist es bei den
Oscars nicht anderes) ist eine Konsensentscheidung und deshalb gewinnt in der
Regel nicht der beste Film. Ich glaube beim FilmtippAward auch nicht, dass alle
meine Favoriten gewinnen – zumal wie bei den Oscars die meisten gar nicht
nominiert sind. ;-)
„Ich hätte mit Gone
Girl etwas dreckiger und innovativer gewünscht“
Micha: Auf Zeilenkino werden vor allem Buchverfilmungen von
Dir beleuchtet. Gab es da 2014 spezielle Highlights aus Deiner Sicht?
Sonja: Leider ohne deutschen Kinostart sind The Selfish Giant und Cold in July geblieben, zwei großartige
Literaturverfilmungen – auf ganz unterschiedliche Weise: The Selfish Giant ist ebenso poetisch wie sozialrealistisch, Cold in July durch und durch ein
Genrefilm mit irren Twists und viel Blut am Ende. Von den Kinofilmen hat mich Der Hundertjährige, der aus dem Fenster
stieg und verschwand positiv überrascht, weil er viele Schwächen des Buches
ausgleicht und einen etwas böseren Humor hat.
Micha: Als Jury-Mitglied der #DerFilmtippAwards ist Dir mit
Sicherheit nicht entgangen, dass Gone
Girl –das perfekte Opfer die meisten Nominierungen von mir erhalten hat.
Also eine Buchverfilmung. Hast Du David Finchers düstere Interpretation schon
sehen können?
Sonja: Ja. Gillian Flynns Buch fand ich ganz okay, David
Finchers Film finde ich besser, allerdings hätte ich ihn mir ein wenig dreckiger
und innovativer gewünscht. Außerdem ist er nicht so progressiv in den
Geschlechterrollen wie viele immer behaupten. Aber Gone Girl ist schon ein guter Film, insbesondere technisch nahezu
makellos und auch sehr gut besetzt.
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| "Laut Buchvorlage soll'n wir jetzt..." Sonja hätte Gone Girl trotzdem gerne dreckiger gesehen:) © 20th Century Fox |
Micha: Gibt es einen Roman, bzw. eine literarische
Geschichte, die Du gerne im Kino sehen würdest?
Sonja: Die „Turner“-Trilogie von James Sallis – mit John
Hawkes als Turner.
Micha:Ist das nur ein Eindruck meinerseits, oder
interessierst Du Dich vor allem für europäische Geschichten? Ich denke vor
allem an zwei, drei dänische Geschichten, die Du besprochen hast.
Sonja: Ja, insgesamt schaue ich eher europäisches Kino und
hier insbesondere Filme aus Nordeuropa. Der Schwerpunkt im Blog liegt zum Teil
aber auch daran, dass ich mein Geld mit dem Schreiben über Filme und Bücher
verdiene. Deshalb landen im Zeilenkino oftmals die Filme, für die ich keinen
Auftraggeber habe, denen ich aber dennoch Aufmerksamkeit wünsche. Das sind
meist ältere Filme oder Filme ohne Starttermin.
Micha: Susanne Bier erhielt für In einer besseren Welt 2011
den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Nun versucht sie es in Hollywood
mit Serena. Ich bin gespannt wie ein
Kleinkind, was erwartest Du von dem Film?
Sonja: Da ich ihn schon gesehen habe, ist diese Frage
schwierig zu beantworten. Ich hatte mir erhofft, dass sich Susanne Bier auf
ihre Stärken konzentriert, also auf komplexe Charaktere in schwierigen
Situationen, und nicht wie „All you need is love“ allzu weichgespült ist.
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| "Guck mal, Jen, da läuft Sniper. Soll Oscar-Chancen haben" Serena laut Sonja zu weichgespült. Bin gespannt! © Studiocanal |
Micha: Hast Du noch einen 2014er Filmtipp für mich?
Sonja: Klar. Höhere
Gewalt, The Drop, Nymphomaniac I + II, Ida und Boyhood würden mir da spontan einfallen.
Micha: Was können Deine Leser im kommenden Jahr von Dir
erwarten?
Sonja: Noch mehr Beiträge über Kriminalromane, die neben
Filmen mein zweiter Schwerpunkt sind. Außerdem überlege ich seit längerem, eine
neue Rubrik im Zeilenkino einzuführen und ich will etwas experimentierfreudiger
im Stil der Beiträge zu werden – aber das hatte ich mir für 2014 auch schon
vorgenommen. Deshalb bin ich gespannt, ob es klappt.









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