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Sonntag, 22. März 2015

Der Filmtipp: Rache oder Helden der Selbstjustiz, Teil 2: John Wick - Tötungsmaschine Keanu Reeves rächt Hündchen, Auto und Frauchen

Es gab Zeiten, da dachte ich Keanu Reeves (Speed, Matrix, u.a.) wird seinen Ruf als "Neo" niemals wieder los. Dank einer kleinen Actioner-Perle namens John Wick könnte sich das nun ändern. Als Titelfigur ballert sich Ne…, sorry, Keanu durch eine Horde debiler Mafiosi und avanciert dabei zum Schrecken, der die Nacht durchflattert für so ziemlich jeden Kriminellen, der ihm im Weg steht. Nur ein Tipp vorab…wenn man sein Matrix-Image ablegen will, dann doch bitte nicht mit einem Mann-gegen-Mann-Showdown im Regen. Ich darf sehr bitten, Mr. Anderson…

Worum geht es überhaupt? Um eine tickende Zeitbombe. Um Profi-Ex-Killer John Wick, der den Tod seiner Frau verarbeiten muss. Um auszusteigen schwört er sich den todbringenden Mann in sich zu unterdrücken und ein friedliches Leben zu beginnen. Als Starthilfe dient ihm das letzte Geschenk seiner Frau, ein Welpe. Die Ruhe findet ein schnelles Ende als der Welpe bei einem Überfall stirbt und sich der Täter mit Wicks Mustang aus dem Staubt macht. Wick erfährt seinen Namen. Es ist der Sohn des russischen Mafiabosses Viggo Tarasov. Dieser weiß, dass ein schlafender Riese geweckt wurde und investiert in Schutzmaßnahmen.

Den kenne ich doch,...?!

Dass John Wick ambitionierter ist, als viele Genre-Kollegen bemerkt man gleich an mehreren Ecken. Bis in die kleinste Nebenrolle ist der Film besetzt mit bekannten Gesichtern. Willem Dafoe (Grand Budapest Hotel, The Hunter, u.a.), Bridget Moynahan (I, Robot, Lord of War, u.a.), Michael Nyquist (Verblendung, Mission Impossible: Phantom Protokoll, u.a.), Jason Isaacs (Der Patriot, u.a.), Ian McShane (Fall 39, Hercules, u.a.), Lance Reddick (Lost, White House Down, u.a.), John Leguizamo (Kick-Ass 2, Romeo & Julia, u.a.),…die Liste ist lang und großartig.

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In dieser Szene ballert Wick wirklich alle über den Haufen.
© Studiocanal
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Doch es sind nicht nur Namen, die den Unterschied machen. Jede Kampfszene ist rasant und fast schon theater-like durchchoreografiert, was zusammen mit Wicks robuster Konsequenz sehr unterhaltend ist. Jedenfalls, wenn man auf diese Sorte Action steht. Rau und dreckig geht anders. Deshalb würde ich ihn auch nicht mit Bryan Mills‘ Kompromisslosigkeit aus Taken vergleichen. John Wick ist stilsicher, poliert, in kontraststarke Farbfilter getaucht und wird begleitet von einem wirklich coolen Score inkl. Songs von Tyler Bates, Marilyn Manson und The Castle Vania.

Hinzu kommen ein paar echt nette Ideen, wie zum Beispiel die Bar bzw. das Hotel für pendelnde Auftragskiller, die innerhalb dieser Wände einem Friedenskodex unterliegen. Oder die Putzkolonne, die ohne zu fragen antanzt, sobald Mr. Wick mal wieder seinem Geschäft nachgegangen ist. Dank einer echt tollen Kameraarbeit bekommen wir von dem ganzen Spaß jedes Mal exakt die richtigen Blicke auf das Geschehen.

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Status: Auto weg, Hund tot, Gangster in Lebensgefahr
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Ob Absicht oder nicht, John Wick braucht diesen ganzen Stil-Schnick-Schnack dringend. Für einen ernsthaften Rachefilm mit eventueller Moraldiskussion und halbwegs „guten“ Gegenspielern ist die Story schlichtweg zu doof. Von der ersten Minute an wird uns Wick als das Grauen in Person gezeigt, da reichen ein totes Hündchen und ein gestohlener Mustang aus, um das Abschlachten einer gesamten Mafia-Familie zu billigen? Ist das Kerlchen jetzt hypersensibel oder einfach der rote Knopf, den man nie drücken sollte?

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In dieser Szene ballert Wick wirklich alle über den Haufen. 
© Studiocanal
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Dadurch, dass aber die ganzen technischen Spielereien eingebaut wurden, die Darsteller Overacting betreiben und hin und wieder Schmunzler dabei sind versteckt der Film seine Schwächen gekonnt und steht als kultiger Actioner in der Gunst vieler Filmkritiker. Ich akzeptiere das auch so, denn es gibt genügend Streifen aus dem Genre, die ihr dumpfes Drehbuch nicht verstecken konnten und bestenfalls als Durchschnitt und Massenware endeten.

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Fazit:
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John Wick ist ultrarasant, zu keiner Zeit langweilig und gespickt mit kleinen Details und Feinheiten, die ihn von der Genre-Masse abheben. Vor allem optisch und choreografisch überzeugt der Streifen auf ganzer Linie. Kein Wunder, dass Keanu Reeves Lust auf den Film hatte. Dazu dann noch klasse Sounds und ich bin zufrieden. Da stört es auch nicht, wenn die Handlung auf einer Drehbuch-Idee basiert, die irgendwie viel zu einfach und stupide ist. By the way, stand da wirklich gerade Eva Longoria unter den Namen der Produzenten?

In diesem Trailer ballert Wick wirklich alle über den Haufen.
© Studiocanal


Meine letzten drei Filmkritiken:

Zombiber
V/H/S: Viral
The Equalizer

Dienstag, 17. März 2015

Der Filmtipp: Zombiber - Bissige Biber und blutige Brüste - Trotzdem viel viel besser als gedacht! Trash-Spaß vom feinsten!

Brüste. Blut. Biber. Die Inhalte des neuen Trash-Sterns Zombiber sind schnell zusammengefasst. Dachte ich. Doch das Leben ist ja bekanntlich wie eine Schachtel Pralinen und so musste ich feststellen, dass ich mich geirrt habe. Brüste, Blut und Biber gibt es en masse, keine Frage – aber der Film ist doch ein ganzes Stück besser als ich dachte. Nein, ich bin geschockt! Geschockt, weil ich den Film einfach loben muss.

Worum geht es überhaupt? Jenn hat mit ihrem Freund Sam, der sie auf einer Party betrogen hat, Schluss gemacht. Nun möchte sie mit ihren beiden Freundinnen Zoe und Mary in einer abgelegenen Ferienhütte am See den Kopf wieder frei kriegen. Keine Handys, kein Internet, keine Männer. Dummerweise tauchen Sam und seine Freunde dort unangekündigt auf, was Jenns dauerscharfe Freundinnen aber gar nicht so übel finden. Zu Konflikten kommt es trotzdem. Zwar nicht mit den Jungs, dafür aber mit untoten Seebewohnern, deren Nest zuvor mit einer giftigen Substanz besprüht wurde.

Du denkst du hast alles gesehen, dann kommt Zombiber. Doch in der Masse der geldgeilen Trash-Produktionen ist dieser kleine Festival-Hit hier tatsächlich eine Überraschung. Er ist die pure Selbstironie schlechthin und versucht gar nicht erst mehr zu sein. Lässt man sich auf den Klamauk ein ist er besser als manche Hollywood-Komödie. Mich hatte der Film jedenfalls schon beim blutigen Hirsch-Intro.

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Es gibt schlimmere Momente zu sterben. Aus Biberblickwinkel jedenfalls.
© Splendid
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Anders als zum Beispiel bei Sharknado, den ich aber ebenfalls klasse finde, wurden die CGI-Effekte hier auf ein Minimum zurückgeschraubt. Die amokkrabbelnden Plüschviecher sehen richtig schön retro aus und verpassen dem Film einen nostalgischen 70er-Look. Es gibt jede Menge abgedrehte Biber-Moments und was soll ich sagen…selbst die Schauspieler und die deutsche Synchronisation erscheinen professioneller als befürchtet. Nix davon ist oscarreif, keine Frage, aber man merkt eben doch, dass hier bewusst parodiert und überspitzt wird. Nur halt ab 16.

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Spoiler: Der Hund heißt "Gosling" und stirbt - klasse! :D
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Wie gerade schon erwähnt machen die Darsteller ihre reduzierten Aufgaben absolut witzig und gut. Vor allem Cortney Palm als dauerscharfe Zoe mit Anti-Einstellung zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Okay, auch die Männerblicke. Irgendwie hat die Dame einen Hang zur Nacktheit (Sushi Girl, Silent Night, u.a.), aber auch ihren humoristischen Part erledigen sie und ihre Kollegen mit Bravur. Noch dazu gibt’s ein paar wenigstens halbbekannte Gesichter: Rex Linn (Cliffhanger, Django Unchained, u.a.) als Redneck Smyth, Comedian Bill Burr als abgelenkter Autofahrer Joseph und Brent Briscoe aus The Green Mile und Mulholland Drive.

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"Bombombombombombombom..."
© Splendid
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Woran der Zuschauer merkt, dass Zombiber eben doch ambitionierter ist, als gedacht? Am Mehrwert, der ganzen Machart drumherum. So gefielen mir schon die Fake-Poster, die passend zu den Oscar-Verleihungen veröffentlicht wurden (siehe unten). Das James-Bond-ähnliche Intro und der saukomische Biber-Swing-Song im Abspann verpassten mir ebenfalls ein dickes Grinsen im Gesicht. Und als Sahnehäubchen werden uns anschließend auch noch Outtakes gezeigt. Sorry, aber so geht Unterhaltung.

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Fazit
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Den abgeneigten Kultur-Cineasten sei gesagt, es ist definitiv der wichtigste, tiefgehenste Film des Zombiber-Genres! Ehrlich jetzt, mit der richtigen Erwartungshaltung macht dieser selbstironische Tierhorrorschinken einfach nur Spaß. Wer derben, flachen Humor aushält und sich mit effektlosen Killerbibern anfreunden kann, der wird am Ende noch mit einer kleinen Überraschung belohnt. Großartig!


Hier noch schnell die versprochenen Plakate früherer Biberwerke:

Beaverican Hustle:

Beavher:

Beaverity:

Montag, 16. März 2015

Media Monday #194: Scary Movie 4, Zombiber und American History X in einem Text, ich habe alles erreicht!

Hallo liebe Freunde des Media Mondays, endlich finde ich mal wieder Zeit und kann mich voll und ganz auf die sieben Fragen des Montags konzentrieren. Wie immer ein dankeschön an das Medienjournal. Von mir erfahrt ihr in der 194. Ausgabe, welche Filmbotschaft bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, welcher Trasher mich überrascht hat und warum ich Scary Movie 4 besser finde, als alle anderen Menschen auf dieser Erde. Viel Spaß!



1. Abgesehen von den reinen Schauwerten haben Filme wie Avatar oder Pacific Rim trotz großer Ankündigungen keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Jedenfalls keinen so guten, dass ich mir den Spaß noch zig Mal angucken müsste. Im Imax 3D Kino vielleicht, aber gerade Pacific Rim mit dem völlig überbewerteten Idris Elba war ein tiefer Griff in die Drehbuchkloschüssel.

2. Es will mir irgendwie kaum jemand glauben aber Scary Movie 4 ist mal eine richtig gelungene Parodie, denn Craig Bierko immitiert und veräppelt Tom Cruise' Figur aus Krieg der Welten perfekt. Jede Mimik sitzt und wirklich jede Szene des Films wird eindrucksvoll nachgestellt. Das kenne ich aus Deutschland eigentlich nur von Switch Reloaded. Problem dabei ist: Man muss Krieg der Welten natürlich gesehen haben, mehrmals.

3. Es muss ja nicht immer wahnsinnig innovativ sein, aber an The Maze Runner ist ja wirklich alles zusammengeklaut, schließlich besteht der ganze Film dramaturgisch aus Bruchteilen ähnlicher Teenie-Schinken. Ihr glaubt’s nicht? HIER ist der Beweis im „ehrlichen Trailer“ ;)

4. Wenn auch eigentlich unnötig, war es doch schon toller Fanservice, als…da fällt mir spontan nichts ein. Was mich als Fan im Augenblick aber begeistert sind die Marketing-Aktionen und die viralen Spielereien rund um Jurassic World. Da bekommt man gleich wieder Laune, mal selber in einem solchen Park zu sein. Ich habe jetzt jedenfalls schon einen Inselplan und einen Praktikantenausweis für eine Nebentätigkeit auf der Islar Nublar. Wenn das mal kein Fan-Service ist, was dann?

5. Die Botschaft/Aussage von American History X hat mich noch lange nach dem Film beschäftigt, denn sie wirkt nach. Warum? Guckt ihn euch an! Ihr habt ihn schon gesehen? Guckt ihn euch nochmal an! Der vielleicht beste Film mit Edward Norton in der Hauptrolle.

6. Über neue Filme/Bücher/Serien informiere ich mich am ehesten/liebsten über das Internet und Magazine. Allerdings hasse ich Spoilerei. Dann lieber Trailer und Teasertexte, die der eigenen Fantasie freien Raum lassen. Zum Beispiel war der Trailer zu American Sniper grandios (auch wenn der Film Bullshit war), oder aber das bereits oben erwähnte Marketing zu Jurassic World.


7. Zuletzt gesehen habe ich Zombiber und das war irgendwie richtig unterhaltend, weil der Film sich noch einmal eine ganze Spur weniger ernst nimmt, als zum Beispiel Sharknado, dafür aber mit lustigeren Gags, unanimierten Plüschbibern und herrlich bekloppten Kampfszenen daherkommt. Mir hat’s Spaß gemacht, kein Scherz!

Meine letzten drei Filmkritiken:

Sonntag, 15. März 2015

Der Filmtipp: V/H/S: Viral - peinlicher Youtube-Abschluss ohne Seele und Grusel, dafür aber zum Fremdschämen

Wer sich im Bereich „Found Footage“ ein wenig auskennt, der weiß, dass neben großen Kassenschlagern wie BlairWitch Project oder ParanormalActivity auch ein kleiner Kultfilm namens V/H/S in der Liga der Genre-Lieblinge mitspielt. Und obwohl Handkamerafilme und Sequels oft umstritten sind, schaffte es der zweite Teil sogar zu noch besseren Kritiken. Nun sollte die Reihe mit V/H/S: Viral beendet ruhmreich werden. Ein Ende, dass ich so nicht erwartet habe.

Worum geht es überhaupt? (An dieser Stelle schreibe ich immer eine kleine Inhaltsangabe, in diesem Fall ist das aber kaum möglich…) Puh, ja, worum geht es?... Ich verrate nicht zu viel, wenn ich berichte, dass der Film wieder eine Basis-Geschichte zeigt, die von kleineren, unabhängigen Horror-Episoden unterbrochen und begleitet wird. Wir sehen einen Teenager, der ein Star im Internet werden will und dies auch wird, allerdings auf eine ungewollte Art und Weise. Und dann sind da die kurzen Episoden von Magiern, Parallelwelten und mexikanischem Satanskult…

Mockumentary Wannabe

Du magst Kameragewackel nicht? Du hasst offene Enden? Du kannst Laiendarsteller nicht ab und verlangst zu sehen, was passiert? Dann bist Du eventuell nicht gemacht für das Genre. V/H/S: Viral schafft es allerdings sogar diejenigen abzuschrecken, die damit keine Probleme haben. Leute wie mich, die diese Stilmittel sogar stark finden. Der Film verkauft sich ganz dreist als Found-Footage-Streifen, macht aber gerade in Sachen Methodik alles falsch, was man falsch machen kann.

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Durchschnittlicher "Hipster-50-Shades-of-Gay-Blutiger-Sack-DVD-Abend"
© Drop-Out Cinema
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In der Magier-Episode, gespickt mit herrlich mies synchronisierten Interviews, verkauft Regisseur Gregg Bishop (Dance of the Dead, u.a.) sein Publikum für dumm und streut immer wieder normale Kameraaufnahmen ein. Das Handkamera-Flair verfällt schon nach wenigen Sekunden. In der Internet-Grundstory sehen wir das Gegenteil, negativ auf die Spitze getrieben. Das Flackern und Wackeln wirkt dermaßen penetrant und völlig fehl am Platz, dass ich schon nach 10 Minuten abbrechen wollte. Viel zu offensichtlich, dass die vermeintlichen Bild- und Tonprobleme anschließend digital nachgebessert wurden. Danke, Praktikant!

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Völlig / Hirnrissige / Sch***e
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Die Schnittfolge und die Erzählstrukturen sind drehbuchtechnisch eine große Katastrophe. Nur mal ein Beispiel: Ursprünglich hätte Regisseur Todd Lincoln (The Apparition, u.a.) noch eine vierte Episode auf Lager gehabt, die wurde aber kurz vor US-Start einfach mal gekickt. Hat es der Story geschadet? Fehlt jetzt irgendwas? Nö. Da waren schon vorher keine Zusammenhänge bemerkbar.

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Haben kein Bock mehr: Monrose. Egal, die Episode gibt's im Film eh nicht.
© Drop-Out Cinema
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Die anderen beiden Episoden der Regisseure Nacho Vigalondo (Extraterrestrial, u.a.), Justin Benson und Aaron Moorhead (Resolution, Spring, u.a.) passen etwas besser ins Gesamtkonzept. Sie sind bizarr und wirr, erinnern an die Sekte aus V/H/S-S oder die Dämonin aus Teil 1 und versuchen wenigstens am Genre-Stil festzuhalten. Aber auch hier killen Zeitlupen-Einlagen irgendwann die Authentizität. Das nostalgische VHS-Gefühl der ersten beiden Teile ist ohnehin getötet worden. Es lebe Youtube, es lebe Go-Pro, juhu…

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Fazit:

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Wer V/H/S mochte und V/H/S-S vielleicht sogar noch etwas besser fand, der wird diesen Film hier hassen. Er ist nichts weiter als völlig chaotische Geldmacherei, inszeniert von Amateuren, die gegen jeden Filmstudenten alt aussehen. Grusel will zu keiner Sekunde aufkommen, bestenfalls unfreiwillige Komik. Unterhalten kann das schon, insgesamt sind die neuen Episoden und vor allem die Basic-Story mit ihrer Möchtegern-Auflösung aber nur blutleer und peinlich.


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Sonntag, 8. März 2015

Der Filmtipp: Rache oder Helden der Selbstjustiz, Teil 1: The Equalizer - Denzel Washingtons lahme One Man Show

Hi Freunde,

in den kommenden Tagen möchte ich Euch drei Filme näher bringen, die allesamt ähnliche Geschichten, Typen und Strukturen vorweisen. The Equalizer aus 2014, Taken 3 und John Wick. Ihr seht, es geht um heldenhafte Rächer, die mit der Moralfrage spielen. Gemeinsam haben sie, dass sie eine gewisse Fanbase besitzen und teils sehr unterschiedliche Kritiken einsammeln. Fangen wir mal an mit The Equalizer.

Worum geht es überhaupt? Robert McCall ist ein ehemaliger Agent mit Tötungstalent im Ruhestand. Zwar hat sich der introvertierte Mann in Boston zurückgezogen, doch der gläubige Christ ist ein Verfechter absoluter Gerechtigkeit und tritt hin und wieder noch für diejenigen ein, die sich selbst nicht helfen können. Im Falle der jungen Prostituierten Teri fällt Robert komplett in alte Muster zurück. Als seine junge Gesprächspartnerin aus dem seinem Stammlokal schließlich Ärger mit der russischen Mafia bekommt und verletzt wird startet er einen Rachefeldzug gegen jeden, der mit der Tat in Verbindung steht.

Mit Training Day feierten Denzel Washington (Flight, Inside Man, u.a.) und Regisseur Antoine Fuqua (King Arthur, Olympus Has Fallen, u.a.) einen der größten Erfolge ihrer jeweiligen Karrieren. Für die Adaptierung der Erfolgsserie aus den 80ern starteten sie nun eine weitere Zusammenarbeit, die mit großem Tamtam angekündigt wurde. Das Resultat ist eher enttäuschend. Denzel Washington liefert nichts weiter ab, als eine weitere „Too-Cool-For-School“-Figur. Zwar versteckt das Drehbuch diese Unkreativität hinter erzwungenen Moralfragen, spirituellem Bockmist-Gefasel und Möchtegern-Tiefe, doch mehr ist da einfach nicht. Dazu dann noch Leon Bodens typische Denzel-Synchro und man hat blitzschnell das Gefühl alles schon zig mal gesehen zu haben. 

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"Aber Vooorsicht, it's cool, man!"
© Sony Pictures
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Und da haben wir auch gleich das Problem. Mangelnde Ideen, fehlende Tiefe und starre Dialoge können heutzutage trotzdem abgefeiert und verblendet werden. Optisch ist der Film nämlich ganz nett geworden. Für mich persönlich etwas zu stilisiert, ich stehe da eher auf’s Grobe, Dreck, Grau und raue Authentizität. Nicht diese Kontraststärke, ständige Zeitlupen und alles in schön bunt und knallig. Dazu dann ein Score, der die durchchoreografierte Action im Gangsterstyle begleitet. Und selbst wenn man sich darauf einlässt, dann machen Filme wie John Wick das noch eine Spur besser. 

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"Du spielst so 'nen Russen, der aussieht wie ein tätowierter Latino. Also den Bösen."
© Sony Pictures
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Bei Filmen über Selbstjustiz hätte ich mich gefreut, wenn der Gesetzeskonflikt (oder wenigstens das Gewissen) noch irgendwie angesprochen würden. Dem ist hier aber nicht so, dem Zuschauer wird gar nicht die Möglichkeit gegeben die Taten von Baumarktkiller Robert in Frage zu stellen. Ein Moviepilot-User beschrieb die ganze Sache passend mit folgenden Worten: 

„Denzel Washington ist Batman, Robin Hood und Mutter Theresa in einer Person. Dazu steht er gerne mysteriös in dunklen Ecken oder meuchelt sich ultrastylisch in Zeitlupe, im Regen durch russische Mafiaschergen.“

Die angebliche Gewaltorgie stelle ich hier allerdings auch nicht fest. Nicht falsch verstehen, ein Film ist nicht besser, nur weil’s mehr Blut und Action gibt. Aber so gar nichts bei The Equalizer schockt, überrascht und oder hebt sich sonst wo ab aus der Genre-Masse. Generell wollte bei mir über die gesamte Filmlänge nicht großartig Spannung aufkommen. Darüber hinaus hätte ich mich gefreut, wenn Chloe Grace Moretz (Let Me In, Kick-Ass, u.a.) etwas mehr Screentime erhalten hätte. Oder, wenn sie diese belanglose Rolle erst gar nicht angenommen hätte.

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Fazit:
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Kein Thriller, kein Gangsterkult, kein Drama - irgendwas dazwischen. Für einen netten DVD-Abend reicht das aber alles aus, keine Frage. Es ist ein solider Actionfilm, der von der Machart her ganz interessant aussieht. Aber etwas Besonderes kann ich absolut nicht erkennen. Er ist ein Sandkorn im Meer und nicht wirklich spannend. Und das ist schade, wenn man in Filmen wie Flight oder Training Day sieht, wozu Denzel Washington eigentlich im Stande wäre.


Sonntag, 1. März 2015

Der Filmtipp: American Sniper - Sieg Kyle! Die große Lüge jetzt auch als Propaganda-Filmchen mit Hollywood-Liebling und tollen Poster-Sprüchen

U.S.A! U.S.A! U.S…Oh, sorry. Hi Buddies! Kennt ihr Eddie Ray Routh? Eddie ist 27 Jahre alt und Ex-Soldat. Er wurde vor kurzem im US-Bundesstaat Texas zu lebenslanger Haft ohne Chancen auf Bewährung verurteilt. Wegen Mord. Vor rund zwei Jahren erschoss er Chad Littlefield und Chris Kyle. Eddies Problem, keiner kannte ihn. Sein Opfer Chris Kyle war (und ist) dummerweise ein amerikanischer Held. Ein ehemaliger Navy Seal, bekannt als „Legend“. Wir kennen ihn als American Sniper.

Chris Kyle tötete in seinen Irak-Einsätzen 255 Menschen, 160 davon verifiziert. US-Militärrekord. Bradley Cooper (Silver Linings, Serena, u.a.) verkörpert den gefeierten Nationalhelden nun in der Verfilmung seines Buches „American Sniper: The Autobiography of the Most Lethal Sniper in U.S. Military History“. Es geht um den Scharfschützen Chris Kyle, seine Einsätze im Irak und seine Probleme in der Heimat damit abzuschließen. Das Werk wurde sechsmal für den Oscar nominiert und gilt als finanziell erfolgreichster Kriegsfilm Amerikas. Er spaltet die Meinungslager, wie kein zweiter Film. Und er ist schlecht. 

Wie bereits erwähnt wird Kyle vom moppeligen „Mr. Nice Guy“ Bradley Cooper als Inbegriff amerikanischer Ehrenbürger inszeniert. Ein texanischer Cowboy, der von seiner streng-christlich erzogenen Familie einen Beschützerinstinkt verpasst bekam. Nach einem Attentat auf zwei US-Botschaften in Ostafrika 1998 lässt er sich aus Pflichtgefühl zum Navy Seal rekrutieren. Was für ein Kerl. Sein Weg wird schnell und nicht gerade realistisch abgespult. Schwupps ist er bei den Seals. Mit 30 Jahren. Schwupps findet er noch schnell seine spätere Ehefrau, die Seals hasst, mit Alk und Charme aber sofort anbeißt. Schwupps kommt die Hochzeit. Schwupps kommt der Irak. Dazu noch schnell ein paar Bedenken, weil der kleine Bruder mit muss (nach ihm kräht später aber kein Hahn mehr).

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"Clint, ich kann das so nicht sagen! Was? Ja ist ja gut."
© Warner Bros.
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Die Sichtweise des Films ist so beschränkt, wie das Fernrohr eines Sniper-Gewehrs. Und das ist pure Absicht, dazu später mehr. Kyles Ausbildung wird als hart angeschnitten, aber durch lockere Sprüche verharmlost. Kaum im Irak, „dem neuen Wilden Westen im alten Mittleren Osten“, wird schnell klar, dass alles was Amerika dort tut, gerechtfertigt ist. Kyle macht von Beginn an keine Fehler. Nicht einen! Jeder Schuss rettet Leben. Dieser These verleiht Clint Eastwood absolute Berechtigung durch Irakis („Wilde“) als das personifizierte Böse: Den Kollaborateur, „das Arschloch“, „den Schlächter“ und Mustafa, Kyles für den Film erfundenes, arabisches Pendant.

Im Buch schrieb unser Held „Es war meine Aufgabe, zu schießen und ich bereue es nicht. Meine Schüsse haben Amerikanern das Leben gerettet“, und ergänzte: „Ich bedauere nur, nicht noch mehr Feinde erschossen zu haben.“ Damit er ein Held bleibt wurde das Zitat für den Film schnell mal umgeschrieben. Dort wird Kyle folgendes sagen: „Ich bin bereit vor meinen Schöpfer zu treten und mich für jeden tödlichen Schuss zu verantworten. Was mich verfolgt sind all die, die ich nicht retten konnte.“ Ist das nicht rührend?

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American Liar
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Kyle bleibt im Film trotz Heldenstatus immer bescheiden. Was dort nicht mal erwähnt wird: In Wirklichkeit holte der Mann aus seinem Ruhm 1,6 Millionen verkaufte Biografie-Exemplare, eine TV-Dokusoap und Bronzestatuen in der Heimat. Was auch nicht auftaucht sind Kyles nachgewiesene Lügen. Die zwei Autoräuber, die er in Texas mal erwischt haben soll existierten nie, ebenso die 30 Plünderer in New Orleans, nach Hurrikan „Katrina“, die er vom Dach aus abgeschossen haben will. Die bekannteste Lüge: Kyle will Ex-Wrestler und Ex-Gouverneur Jesse Ventura in einer Kneipe k. o. geschlagen haben, als Strafe für negative Statements über die US-Truppen. Für diese Lüge erhielt Ventura vom Gericht 1,9 Millionen Dollar Schadensersatz. Übrigens wusstet ihr, dass ursprünglich Steven Spielberg den Film drehen sollte? Er wollte auch die arabische Seite mehr beleuchten. Das lehnten die Studios ab und nannten als Argument zu hohe Kosten. Spielberg stieg aus.

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„Who wants to send a message to al-Quaida?“
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Der Spiegel schreibt Coopers Darstellung von Kyle sei „besonders und zugleich beunruhigend“. Seth Rogen twitterte, der Film erinnere ihn an Nazi-Propaganda. Tatsächlich erinnert mich die konstant einseitige Perspektive an den fiktiven Nazi-Streifen „Der Stolz der Nation“ aus Quentin Tarantinos Inglorious Basterds. Dort ballert Deutschlands bester Schütze Fredrik Zoller (Daniel Brühl) den Gegner im Alleingang ab, von einem umzingelten Wachturm aus. Tarantino verarscht dort weltklasse, was Filme wie American Sniper oder auch Herz aus Stahl stumpf wie Brot tatsächlich abliefern. Einziger Unterschied, die Navy Seals schaffen das sogar während eines Sandsturms. Unbeschadet. Rechtspopulisten wie Sarah Palin sind begeistert.

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Gott. Land. Familie. Hooyah!
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Waffenfreund Eastwood gaukelt uns vor, sein Film zeige auch die negativen Seiten. Zum Beispiel als Kyles Bruder völlig verstört in den Flieger steigt und nach Hause will. Doch irgendwie wirkt es trotzdem so, als sei es ein Zeichen von Schwäche. Auch Kyles Probleme den Krieg in der Heimat zu verarbeiten werden nur angeschnitten durch Klischees, wie Traumata durch Gewehrgeräusche, oder Aggression. Wie er es am Ende schafft? Natürlich von selbst. Er hilft Veteranen, natürlich durch Tipps am Schießstand, ihr Selbstwertgefühl zu erneuern („Fühlt sich an, als hätte ich meine Eier wieder.“). Würg. Ernsthafte Herangehensweise an das vielleicht interessanteste Thema der ganze Sache? Null.

American Mobile. Ständig erreichbar. Zum Schwangertarif.
© Warner Bros. Pictures Germany

Inhaltlicher Bullshit wird hier durch gute Kamerafahrten und einen wirklich soliden Score wenigstens technisch noch aufgefangen. Sienna Miller wird als immerheulende Frau chronisch unterfordert. Bradley Cooper schafft es nur in wenigen Momenten echte Emotionen zu vermitteln. Auch aus neutraler Sicht ist der Film nur Durchschnitt und vier von sechs Oscar-Nominierungen ein echter Witz, wenn man bedenkt, dass Ralph Fiennes, Jake Gyllenhaal und Co. nicht mal bedacht wurden. Bei 60 Millionen Dollar Budget hätte man wenigstens ein echtes Baby zeigen können und nicht nur eine Puppe. Kein Witz! Der Trailer war gut. Joa. Der hat mir gefallen.

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Fazit:
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Versuchen wir mal für einen Moment der Wahrheit ins Auge zu sehen: Chris Kyle war ein Auftragskiller, kein Held. American Sniper ist pure Blendung. Eine republikanische Ideologie, verpackt in einem langatmigen Popcorn-Movie, in dem bärtige Vaterfiguren Kinder erschießen und trotzdem mit Flagge und Trompete beerdigt werden. Auf technischem Level durchaus sehenswert, doch die Erzählweise ist grober Unfug.


Übrigens: Dass Eddie Ray Routh - der Täter - unter posttraumatischer Belastungsstörung aus dem Irak-Krieg leide, kaufte die Jury ihm so nicht ab. Seiner paranoiden Störung sei vielmehr durch Alkohol und Drogen eine Psychose erwachsen. Über die Entscheidung des Strafmaßes wurde im selben Zeitraum verhandelt, in dem American Sniper in den Kinos anlief. Rouths Anwalt Warren St. John fragte damals den Hollywood-Reporter: „Kann es einen fairen Prozess geben?“