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Sonntag, 15. März 2015

Der Filmtipp: V/H/S: Viral - peinlicher Youtube-Abschluss ohne Seele und Grusel, dafür aber zum Fremdschämen

Wer sich im Bereich „Found Footage“ ein wenig auskennt, der weiß, dass neben großen Kassenschlagern wie BlairWitch Project oder ParanormalActivity auch ein kleiner Kultfilm namens V/H/S in der Liga der Genre-Lieblinge mitspielt. Und obwohl Handkamerafilme und Sequels oft umstritten sind, schaffte es der zweite Teil sogar zu noch besseren Kritiken. Nun sollte die Reihe mit V/H/S: Viral beendet ruhmreich werden. Ein Ende, dass ich so nicht erwartet habe.

Worum geht es überhaupt? (An dieser Stelle schreibe ich immer eine kleine Inhaltsangabe, in diesem Fall ist das aber kaum möglich…) Puh, ja, worum geht es?... Ich verrate nicht zu viel, wenn ich berichte, dass der Film wieder eine Basis-Geschichte zeigt, die von kleineren, unabhängigen Horror-Episoden unterbrochen und begleitet wird. Wir sehen einen Teenager, der ein Star im Internet werden will und dies auch wird, allerdings auf eine ungewollte Art und Weise. Und dann sind da die kurzen Episoden von Magiern, Parallelwelten und mexikanischem Satanskult…

Mockumentary Wannabe

Du magst Kameragewackel nicht? Du hasst offene Enden? Du kannst Laiendarsteller nicht ab und verlangst zu sehen, was passiert? Dann bist Du eventuell nicht gemacht für das Genre. V/H/S: Viral schafft es allerdings sogar diejenigen abzuschrecken, die damit keine Probleme haben. Leute wie mich, die diese Stilmittel sogar stark finden. Der Film verkauft sich ganz dreist als Found-Footage-Streifen, macht aber gerade in Sachen Methodik alles falsch, was man falsch machen kann.

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Durchschnittlicher "Hipster-50-Shades-of-Gay-Blutiger-Sack-DVD-Abend"
© Drop-Out Cinema
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In der Magier-Episode, gespickt mit herrlich mies synchronisierten Interviews, verkauft Regisseur Gregg Bishop (Dance of the Dead, u.a.) sein Publikum für dumm und streut immer wieder normale Kameraaufnahmen ein. Das Handkamera-Flair verfällt schon nach wenigen Sekunden. In der Internet-Grundstory sehen wir das Gegenteil, negativ auf die Spitze getrieben. Das Flackern und Wackeln wirkt dermaßen penetrant und völlig fehl am Platz, dass ich schon nach 10 Minuten abbrechen wollte. Viel zu offensichtlich, dass die vermeintlichen Bild- und Tonprobleme anschließend digital nachgebessert wurden. Danke, Praktikant!

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Völlig / Hirnrissige / Sch***e
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Die Schnittfolge und die Erzählstrukturen sind drehbuchtechnisch eine große Katastrophe. Nur mal ein Beispiel: Ursprünglich hätte Regisseur Todd Lincoln (The Apparition, u.a.) noch eine vierte Episode auf Lager gehabt, die wurde aber kurz vor US-Start einfach mal gekickt. Hat es der Story geschadet? Fehlt jetzt irgendwas? Nö. Da waren schon vorher keine Zusammenhänge bemerkbar.

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Haben kein Bock mehr: Monrose. Egal, die Episode gibt's im Film eh nicht.
© Drop-Out Cinema
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Die anderen beiden Episoden der Regisseure Nacho Vigalondo (Extraterrestrial, u.a.), Justin Benson und Aaron Moorhead (Resolution, Spring, u.a.) passen etwas besser ins Gesamtkonzept. Sie sind bizarr und wirr, erinnern an die Sekte aus V/H/S-S oder die Dämonin aus Teil 1 und versuchen wenigstens am Genre-Stil festzuhalten. Aber auch hier killen Zeitlupen-Einlagen irgendwann die Authentizität. Das nostalgische VHS-Gefühl der ersten beiden Teile ist ohnehin getötet worden. Es lebe Youtube, es lebe Go-Pro, juhu…

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Fazit:

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Wer V/H/S mochte und V/H/S-S vielleicht sogar noch etwas besser fand, der wird diesen Film hier hassen. Er ist nichts weiter als völlig chaotische Geldmacherei, inszeniert von Amateuren, die gegen jeden Filmstudenten alt aussehen. Grusel will zu keiner Sekunde aufkommen, bestenfalls unfreiwillige Komik. Unterhalten kann das schon, insgesamt sind die neuen Episoden und vor allem die Basic-Story mit ihrer Möchtegern-Auflösung aber nur blutleer und peinlich.


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Samstag, 11. Oktober 2014

Filmtipp: WER - Das Biest in Dir - Ein Film wie Vollmond - zum Heulen

Der Werwolf ist ein so schön schauriges Element der Geschichte von Horrorlegenden. Leider hat es meiner Meinung nach bislang noch niemand geschafft diese Kreatur in die heutige Zeit zu transportieren und ihr neues Leben einzuhauchen. Ähnlich wie bei der Kreatur von Dr. Frankenstein in The Frankenstein Theory wurde nun versucht die Legende vor Handkameras laufen zu lassen. Das Ergebnis heißt WER – Das Biest in Dir und scheitert trotz wissenschaftlichen Ansätzen an seinem schwachen Drehbuch.

Im französischen Lyon wird eine Familie beim Sternenbeobachten von „etwas“ angegriffen. Dabei werden Hund, Vater und auch der kleine Sohn regelrecht zerfleischt. Kurz nachdem die Mutter ihren schweren Verletzungen im Krankenhaus erliegt wird ein geistig verwirrter Mann namens Talan festgenommen. Der unter einer Hypertrichosis ähnlichen Krankheit leidende Rumäne passt zu den Beschreibungen der Toten und wird von den Behörden verhaftet. Die Beweise gegen ihn sind alles andere als sicher und so macht sich ein Verteidiger-Team um Anwältin Kate Moore auf, dessen Fall zu untersuchen.

Viele Chancen bleiben ungenutzt

Vor allem die wissenschaftlichen, geschichtlichen und rechtlichen Aspekte finde ich interessant und ich bin überzeugt davon, dass aus diesem Film ein echter Geheimtipp hätte werden können. In Der Exorzismus von Emily Rose wurden zum Beispiel Glauben und Gesetz gegeneinander aufgestellt. In diesem Fall finden sich Anlehnungen an Frankreichs Bestie des Gévaudan wieder, die bereits durch Pakt der Wölfe zu Ruhm gelang. Auch die Wolfsmensch-Krankheit wird verarbeitet. Straßburg und Köln werden kurz erwähnt – auch dort gab es früher Werwolf-Geschichten. Alles ganz nett, wie ich finde, wenn auch ohne richtigen Zusammenhang. Ich hätte zum Beispiel auch mit einem tollwütigen Psychopathen gut leben können, bei einer passenden, undurchsichtigen Erzählweise jedenfalls.

© Ascot Elite Home Entertainment
Leider kratzen die Macher bei WER an allen Ecken und Kanten nur an der Oberfläche. Auch die teils eingestreuten Mockumentaries und Handkamera-Aufnahmen wirken eher deplatziert. Warum wurde nicht komplett so gedreht? Optisch sieht das alles nämlich ganz cool aus und vor allem die erste Hälfte des Films ist spannend inszeniert. Brian Scott O’Connor macht als mysteriöser Wolfsmensch-Verdächtiger einen durchaus interessanten Eindruck. Doch je näher der Weg Richtung Finale führt desto unlogischer handeln die Figuren, desto dümmer werden die Dialoge und desto halbherziger erscheinen die Effekte. Das Blut ist beispielsweise dramatisch mies getrickst. Und das fällt auf, weil es dann doch ganz schön blutig zu geht in einigen Szenen.

© Ascot Elite Home Entertainment
Serienfreunde werden A.J. Cook (Criminal Minds), Sebastian Roche (Supernatural) und Vik Sahay (Chuck) erkennen, doch leider weiß keiner von ihnen richtig zu gefallen. Das Drehbuch stürzt trotz großer Ziele regelrecht in stereotypische Charaktere, Geschehnisse und Szenen ab. Da nützt es auch nichts, dass auf dem Cover zum gefühlt 100. Mal „Von den Produzenten von Paranormal Activity und Insidious“ steht. Wenn das in 10 Jahren noch immer erwähnt wird, sollten sich die Herren vielleicht hinterfragen. Und der Nebentitel "Das Biest in Dir" ist ebenfalls so richtig kreativ. Ist ja nicht so, als würde es nicht schon Ginger Snaps - Das Biest in Dir geben.

Fazit: Underworld, Wolfman, Twilight, Van Helsing, Vampire Diaries, True Blood – das sind die Filme und Serien, die mir zuerst einfallen, wenn ich an „aktuelle“ Werwolf-Filme denke. Das ist deprimierend. Gemessen an diesem Sc-Fi-Teenie-Murks ist WER – Das Biest in Dir gar nicht so übel. Nicht daran gemessen ist er allerdings belanglos. Ich werde wohl den Kritikern folgen und mir endlich When Animals Dream aus Dänemark anschauen. Vielleicht gibt es noch Hoffnung für das Vieh. Dieser Film hier geht jedenfalls vor die Hunde.

Freitag, 10. Oktober 2014

Filmtipp: Afflicted - starker Vampirfilm im Handkamera-Stil

Vor einiger Zeit habe ich mit großer Vorfreude auf Afflicted hingewiesen. Damals hatte ich noch ein wenig Hoffnung, dass der Film es auch in die deutschen Kinos schafft, schließlich konnte er auf Festivals kleinere Erfolge verbuchen. Als ich vor ein paar Wochen in der Videothek stand, fiel er mir dann plötzlich unter „Neuheiten“ direkt vor die Linse. Keine Sekunde gezögert habe ich mir den neuesten Found Footage Schocker ausgeliehen und wurde nicht enttäuscht.

HIER erfahrt Ihr alle generellen Infos zum Film. Starten wir deshalb gleich mit der Bewertung. Schon zu Beginn kann ich festhalten, dass es kein Fehler der beiden Regisseure Derek Lee und Cliff Prowse war, sich selbst auch als Hauptdarsteller zu inszenieren. Während Derek etwas verhaltener spielt, sammelt vor allem Cliff zu Beginn Sympathiepunkte als fürsorglicher Freund mit lockeren Sprüchen. Dereks ruhigere Gangart liegt am Hirnaneurysma, dass bei ihm diagnostiziert wurde und weshalb er die Weltreise mit seinem Freund überhaupt antritt. Hier gefallen mir die von vornherein kritischen Umstände, die auf Probleme hindeuten. Dazu aber später mehr.

Todkrank nach Paris - untot wieder raus

Afflicted bedient mit dem Handkamerastil nicht nur ein gängiges Genre, Dereks und Cliffs Blog „Ends of Earth“ trifft ebenfalls den Nerv der Netz-Zeit. So wird ein passender Grundstein dafür gelegt, warum die beiden Travelblogger so ziemlich alles auf ihrer Reise aufnehmen. Dass Dereks One Night Stand mit der Französin Audrey (Baya Rehaz, Blau ist eine warme Farbe, u.a.) in Paris schief läuft und er sich seit einem Schlag auf den Hinterkopf seltsam verhält bemerken die Follower der beiden Blogger erst etwas später so richtig. Der Leidtragende, der wirklich alles mitbekommt, ist Cliff. Eingebunden wird die Netzgemeinde erst, als Derek anfängt übernatürliche Stärken zu entwickeln.

© Sony Pictures Home Entertainment
Mir gefällt vor allem die Charakterentwicklung von Cliff, der recht schnell begreift, dass es seinem Freund nicht gut geht und mit dem Gedanken spielt alles abzubrechen. Abgesehen davon, dass Derek diesen Vorschlag sowieso ununterbrochen ablehnt, erwischt der Zuschauer Cliff dabei, wie er hin und wieder so fasziniert von Dereks plötzlichen Stärken ist, dass er die Sorgen vergisst und begeistert mitfilmt anstatt Angst zu bekommen. Das ändert sich schlagartig, als Derek nichts mehr isst, fast verbrennt und Durst auf frisches Menschenblut entwickelt.

© Sony Pictures Home Entertainment
Afflicted wurde das erste Mal am 9. September 2013 auf dem Toronto International Film Festival gezeigt, wo er gleich ausgezeichnet wurde als Bester kanadischer Debütfilm. Und das meiner Meinung nach völlig zurecht. Die Darsteller und die Effekte sind für einen unbekannten Found Footage Film beachtlich gut. Auch die Locations sind schlüssig und passend zum Gesamtkontext. Einziger Kritikpunkt ist dann am Ende – das Ende. Dort wollten die beiden Regisseure dann doch zu viel und rutschen leicht in horrortypische Cliffhanger ab, die nicht nötig gewesen wären.

Fazit: Afflicted ist mit Sicherheit einer der ambitioniertesten und besten Handkamerafilme der vergangenen Jahre. Wer sich auf das Kameragewackel einlassen kann, der wird hier den ganzen Film über bestens unterhalten. Es bleibt durchgehend spannend. Hin und wieder ein paar nette Lacher und Blut fließt auch noch ;) Kleiner Höhepunkt sind die Go-Pro-Aufnahmen.


Montag, 6. Oktober 2014

Filmtipp: Katakomben - ganz viel Chaos, vor allem beim Drehbuch

Diesen Filmtipp schulde ich Euch noch, aber besser spät als nie. Katakomben gehörte für mich zu den Handkamera-Tipps des Jahres. Der Trailer ist durchaus vielversprechend, die Location lädt zum Gruseln ein. Regisseur John Erick Dowdle konnte bereits mit Devil und dem [REC]-Remake Quarantäne erste kleine Erfolge verbuchen. Wer mehr über ihn und die Darsteller erfahren möchte, für den lohnt sich eventuell ein Klick auf HIER.

Nun zum Film. Tatsächlich startet Katakomben erstaunlich schnell mit Tempo und liefert gleich in den ersten Minuten super Gruselmomente ab. Während der Einführung der Hauptfiguren bremst sich alles aber wieder ein bisschen aus, dank lockerer Sprüche und langweiligen Hintergrund-Stories. Nichts desto trotz schafft der Film zu Beginn Neugierde zu wecken auf das, was da kommen mag. Bei mir persönlich war das zum Beispiel so, als das seltsame Mädchen die Forscher-Truppe mit ihren Blicken verfolgt, während sie den Club verlässt. Es wird schon viel richtig gemacht am Anfang.

Ohne spoilern zu wollen muss ich allerdings andeuten, dass nicht alle Anspielungen und geheimnisvollen Momente später noch aufgelöst werden, geschweige denn erwähnt werden. Spannung kommt trotzdem auf, allein wegen des Standortes. Die Pariser Steinbrüche, welche ab 1785 aufgrund des mangelnden Platzes auf oberirdischen Friedhöfen zu Massengräbern umfunktioniert wurden, machen alles schön eng, schön dunkel, schön schaurig. Erst recht, als vermisste Personen dort auftauchen und Dinge verschwinden.

Viele Rätsel, keine Lösung

Da gibt es zum Beispiel einen gruseligen Chor, ein brennendes Auto, geisterhafte Gestalten und ganz nebenbei auch den vielleicht stärksten Aspekt, die Klaustrophobie. Mir persönlich missfällt dabei, dass sich das Team noch viel tiefer in unbekannte Höhlen wagt und die Katakomben damit eigentlich nur zum Ausgangspunkt degradiert werden. Es ist im Prinzip mehr The Decent als Grave Encounters. Jedenfalls anfangs. Das wäre vielleicht auch gar nicht überraschend, denn der Originaltitel des Film heißt As Above, So Below, was zu Deutsch in etwa „Wie oben, so unten“ bedeutet. Und im ganzen Zusammenhang mit dem Film und seiner Geschichte ergibt das viel mehr Sinn als Katakomben.
Zum Ende hin wird zwar klar, dass Alchemie und die damit einhergehende Symbolik eine zentrale Rolle spielen, doch je weiter sich die Figuren hinab begeben desto undurchsichtiger und abstruser entwickelt sich die ganze Geschichte. Am Ende – das muss ich schon so hart sagen – rast der Streifen im Endspurt an die Wand.

© Universal Pictures

Fazit: Katakomben hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Die waren dieses Mal allerdings auch sehr hoch. Grund für das insgesamt schwächere Fazit sind die chaotischen Finalergüsse des Drehbuchs, denn bis zu einer ganzen Weile kann sich der Film durchaus sehen lassen. Auch die Darsteller sind für einen Found Footage Film gar nicht mal so übel. Anders formuliert: Kürzt ihn um 20 Minuten, tauft ihn um und er ist gar nicht so schlecht.


Sonntag, 24. August 2014

Filmtipp: Storm Hunters - krachendes Comeback der Tornados

1996 flüchteten Helen Hunt, Bill Paxton und Philip Seymour Hoffman vor ein paar Tornados, die so gut aussahen, dass sie zwei Oscar-Nominierungen erhielten. Seit diesem Erfolg ist es im Blockbusterkino ruhig um die Wirbelwinde geworden. Storm Hunters lässt sie 18 Jahre später wieder über die Leinwand fegen – und es kracht gewaltig!

Die Story ist kurz erzählt, was kein gutes Zeichen ist, in einem Katastrophenfilm aber okay. Ein paar vom Unwetter überraschte Zivilisten treffen auf eine Gruppe Sturmjäger und kämpfen gemeinsam ums Überleben. Was sie nicht ahnen können: diese Sturmfront nimmt Ausmaße an, die einmalig in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen sein werden. Mit dabei ist Richard Armitage, der mir sonst nur als Zwergenkönig Thorin Eichenschild (Der Hobbit) bekannt ist. An seiner Seite flüchtet Sarah Wayne Callies - über ihren Serientod in The Walking Dead bin ich noch heute froh. Beide machen ihre Sache aber gut. Große Darstellerkunst gibt es hier sowieso nicht, da die Effekte klar im Fokus stehen.

Was mir persönlich gut gefällt ist, dass Storm Hunters gleich zu Beginn stark loslegt. Ein paar Teenager werden nachts von einem Twister erfasst. Diese düstere, beklemmende Einstiegsszene ist direkt ein erstes Highlight. Gerade weil der Film zu 50 Prozent im Found-Footage-Stil gedreht ist, hätte es mich gefreut, wenn diese unvorhersehbaren Überfälle bei Nacht noch mehr thematisiert worden wären.

Hier fragt keiner, warum die Kamera wackelt

Als Begründung der ständigen Handkameraführung werden hier unter anderem die wichtigen Aufnahmen der Sturmjäger angeführt, was durchaus passt. Leider gibt es erklärungstechnisch keine Datentiefe. Die Stürme tauchen auf. Werden größer. Stärker. Mehr. Warum? Hier bleibt das Drehbuch auf der Strecke bzw. dreht seine Kreise zurück zu Found Footage, denn nicht jeder Zivilist, der das Chaos miterlebt, bekommt gleich ein paar nette Gründe für die Stürme mit auf den Weg. Das alles klingt schlimmer als es ist, denn dieser Katastrophenfilm hier ist vor allem eines: verdammt schnell!

© Warner Bros.
Atempausen gibt es selten, die Stürme tauchen urplötzlich auf, werden stärker und bedrohlicher und aus mehreren Perspektiven geschildert. Ein Fußballspiel dauert länger als dieser rasende Überlebenskampf. Hektik, Krach und viel Wind – Regisseur Steven Quale (Final Destination 5) bringt seine Stürme bildgewaltig und packend aufs Bild. Sogar James Cameron sollen die Spezialeffekte gefallen haben, die zusammen mit dem erst einmal in Oblivion genutzten Dolby-Atmos-Surround (3D-Sound, wenn man so will) eine beängstigend echte Atmosphäre schaffen. Dadurch wird der Zuschauer von kleineren Logiklücken abgelenkt, aber sei es drum. Dieses Tempo fesselt bis zum Schluss, wenn der Tornado Kleinstadtgröße und Windgeschwindigkeiten von 300 k/h annimmt. Kleiner Exkurs: Die stärksten je gemessenen Tornados entsprechen der Kategorie F5. Dieser hier ist ein F6.

"Halt drauf Alter, wir werden berühmt"

Storm Hunters besitzt nicht den Charme seines großen Bruders und ist vom Grundcharakter her deutlich erwachsener. Anders formuliert, hier gibt’s keine fliegende Kuh. Dafür aber gelegentlich Gesellschafts-Satire mit Seitenhieb auf die klickgeile YouTube-Generation. Ich will nicht zu viel verraten, aber achtet auf die „Twister Huntaaz“. Vielleicht kein Zufall, dass mit Matt Walsh (Phils Arzt aus Hangover) ein Komiker für die Rolle des sturmjagenden Pete gewählt wurde. Zum Lachen ist aber sonst nur der Filmtitel. Der Originaltitel lautet viel passender Into The Storm. Verstehen wir hierzulange so wenig Englisch?

Fazit: Storm Hunters haut von den Socken und zeichnet ein gewaltiges Katastrophenszenario, dass nicht so bekloppt überzogen wurde wie bei 2012 oder The Day After Tomorrow. Den beeindruckendsten Eigenschaften dieser Stürme wurde die meiste Leinwandzeit geboten und es gibt ständig auf den Deckel. Nicht ohne dabei außer Acht zu lassen, dass die Gefahr für viele Amerikaner mehrmals im Jahr real ist.

© Warner Bros.
  

Donnerstag, 10. Juli 2014

The Frankenstein Theory - Es lebt! Theoretisch.

Wir schreiben das Jahr 1818. Die Londoner Autorin Mary Shelly veröffentlicht ihren Roman Frankenstein oder Der moderne Prometheus. Die Geschichte stieg zum Klassiker auf und weckt noch heute Interessen. Was aber wäre, wenn ihr Roman nur eine Maske wäre? Für ein Ereignis, das auf Tatsachen beruht?


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Keine Angst, ich propagiere hier keinen Verschwörungsverdacht. Jonathan Venkenhein (Chris Lemche) dagegen, der ist von dieser Geschichte überzeugt. Der wirre Elite-Student ist wie besessen von seiner These. In The Frankenstein Theory heuert er ein Kamerateam an, um zu beweisen, dass Frankensteins Kreatur wirklich existiert und noch heute lebt.

Seine Theorie: Es wurde ein menschenähnliches Wesen mit Sozialverhalten erschaffen, dass aufgrund seines Aussehens von der Menscheit verstoßen wurde. Aus Verachtung und der teils tierischen DNA - daher das lange Überleben - folge es tierischen Instinkten, verfolge Karibuherden durchs Land, lebe in Einsamkeit und sei verantwortlich für jede Menge ungeklärte Morde und Verschwinden im verlassenen Norden Kanadas.

Pseudo-Pseudo-Doku

Von der Mord-These erfährt das Kamerateam allerdings erst während der Tour. Die sympathisch verkörperten Filmer, die Venkenhein ohnehin nicht für ganz dicht halten, werden nervöser je tiefer es in die Wildnis geht und je lauter die Wölfe nachts heulen. Für einen Handkamerafilm nimmt sich Regie-Debütant Andrew Weiner übrigens sehr viel Zeit für tolle Landschaftsbilder. Generell sind die Aufnahmen nur selten verwackelt, dagegen meist gut positioniert. Für Found Footage ein bisschen zu gut – was den Allgemeinzuschauer aber eher erfreuen wird.Wo der Mockumentary-Flair dann völlig verfliegt sind die Momente, in denen urplötzlich Panorama-Shots und Zeitraffer abgespult werden. Wunderschön, aber echt unnötig, zumal Weiner im Interview mit Deadline mal sagte, er habe bewusst auf bekannte Darsteller verzichtet, „…weil das für die Glaubwürdigkeit des Films sehr kontraproduktiv gewesen wäre. Wenn man einen Film dreht, der vorgibt, die Realität zu zeigen, dann kann man dafür keine bekannten Schauspieler besetzen.“ Aber Aufnahmen von irgendwo sind dann okay? Nun ja.

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Horrorfans sollten sich ohnehin damit abfinden, dass dieser Film keine Achterbahn an Action und Blutschlachten ist. Er nimmt sich sehr viel Zeit für die These, für die Einführung der Charaktere und vor allem für die Natur. Ein weiteres Problem ist, dass der Betrachter zu schnell gezwungen wird, die Theorie als wahr zu entlarven. Es wäre schöner gewesen Venkenheins skurrile Art verdächtiger erscheinen zu lassen. Der Spannungsbogen ist hier bestenfalls linear. Das klingt jetzt alles furchtbar schlecht. Ist es aber irgendwie nicht. Die Figurenzeichnung ist teils stereotypisch, aber auch sympathisch. Die Schnitte, die Dialoge, die Landschaften. Zusammen mit der eigentlich nett inszenierten Frankenstein-Theorie bilden sie ein Filmchen, dem ich trotzdem gerne gefolgt bin.

By the way, so frei erfunden ist Shellys Geschichte nun auch nicht. In der Burg Frankenstein bei Darmstadt gab es einen Alchemist namens Johann Konrad Dippel. Dieser experimentierte gerne, jagte dabei versehentlich Türme in die Luft. Und glaubt man dem Bürgertratsch von damals erschuf er eine Kreatur, die heimlich Kinder und Frauen in den Wäldern killte. Märchenfreund Jacob Grimm bekam Wind davon und berichtete es Mary Jane Clairmont, seiner Englisch-Übersetzerin und - jetzt kommt‘s - Stiefmutter von Mary Shelley. Diese änderte den Namen dann um in Frankenstein.

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Mit dieser netten Nebeninfo im Hinterkopf und einer Prise Toleranz gegenüber Found Footage Filmen muss ich sagen, dass mich die Low Budget Produktion gut unterhalten hat. Das Ende ist zwar etwas enttäuschend, aber wenigstens nicht peinlich. Und klar gibt es ein paar Logiklücken. Die sind meiner Meinung nach aber noch im grünen Bereich. Ob es denn nun die Kreatur war oder ein Yeti oder Bigfoot oder einfach nur ein riesiger Irrer – das überlasse ich Eurer Fantasie.


Samstag, 5. Juli 2014

Katakomben - Kameras wackeln mit Pariser Tunnelblick

Endlich wackelt die Kamera auch mal wieder im Kino. Wir Freunde des Genres können uns ab dem 28. August auf einen klaustrophobischen Kellerfilm aus den USA freuen. As Above So Below, läuft bei uns als Katakomben in den deutschen Kinos an. Bis jetzt gibt es keinen beknackten Zusatztitel. Hoffen wir, dass das nicht die einzige positive Überraschung bleibt. Einen schönen, düsteren Trailer – der für meinen Geschmack ein bisschen viel zeigt – gibt es auch schon auf Deutsch.

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Worum geht's eigentlich? Nun ja, der Name ist ist Programm. Eine Gruppe junger (Stop! Nicht Teenager? Yes!) Archäologen startet ein unterirdisches Abenteuer auf der Suche nach einem Schatz. Dafür begeben sie sich in die Pariser Katakomben und halten ihren Trip auf Kameras fest. Die Tunnelsysteme sind teilweise aber unerforscht und so kommt es für die Truppe zu Vorfällen und Komplikationen.


Allstar-Team aus No Names


Schauspieler Edwin Hodge ist kein Unbekannter. Unter anderem spielte er in All The Boys Love Mandy Lane und Red Dawn mit. In Erinnerung blieb er mir aber als Zielperson der wütenden Psychopathen aus The Purge mit Ethan Hawke. Ben Feldman tauchte dagegen meistens in Serien wie Mad Men, Numb3rs oder CSI: Den Tätern auf der Spur auf. Als absoluter Fan von Cloverfield kann ich außerdem bestätigen, dass er eine Minirolle dort hatte – und zwar als Travis, Beths Begleiter auf Robs Abschiedsparty. Eine offizielle Bestätigung habe ich noch nicht gefunden, aber im Trailer scheint es so als würde Tim Knauer ihm seine deutsche Stimme leihen. Für mich als New-Girl-und Nick-Miller-Fan (Jake Johnson) etwas gewöhnungsbedüftig. Perdita Weeks kenne ich selbst nur aus dem wirren Vampirschocker Prowl (Meine Filmkritik dazu HIER).

Über Regisseur John Eric Dowdle kann ich etwas mehr verraten. Sein zweites Regiewerk Devil – Fahrstuhl zur Hölle mit Logan Marshall-Green gefiel mir ganz gut, während sein Debüt Quarantäne nur die billige, amerikanische Kopie des spanischen Found Footage Klassikers [REC] darstellte. Zusammen mit seinem Bruder Drew schrieb er auch das Drehbuch zu
Katakomben. Freuen tue ich mich auf Elliot Greenberg, dessen Schnittarbeit schon in Chronicle – Wozu bist Du fähig super aussah.

Der Film könnte Euch gefallen wenn Ihr Filme wie The Descent, The Tunnel oder Grave Encounters mögt.

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Samstag, 26. April 2014

Afflicted - Ein One Night Stand in Paris und seine Folgen

Dane DeHaan ist ein aufgehender Stern in der Filmbranche. Zuletzt hatte er Auftritte in Lincoln, The Place Beyond The Pines und The Amazing Spiderman 2: Rise of Electro. Woher der Karriereschub? Die Antwort lautet Chronicle – Wozu bist Du fähig?, dem wohl besten Found-Footage-Movie der vergangenen Jahre. Es war vor allem die innovative Story, die frischen Kamerafahrten und Effekte und eben DeHaans Leistungen, die den Film zur Genre-Perle aufsteigen ließen. Nun bahnt sich mit Afflicted ein Film an, der einen ähnlichen Weg geht. Und doch scheint er völlig anders zu sein.

Derek Lee und Cliff Prowse sind Regisseur und Hauptdarsteller in einem, selbst ihre Figuren im Film heißen Derek Lee und Cliff Prowse, was ein wenig an Katie und Micah aus Paranormal Activity erinnert. Ihre Leistungen in Afflicted werden jedenfalls von Insidern und Kritikern hochgelobt, was im Found-Footage-Genre eher unüblich bei Schauspielerin ist – Dane DeHaan ausgenommen.
 

Chronicle goes Horror

Zur Story: Software-Entwickler Cliff und sein Freund Derek wollen ihre Weltreise filmisch dokumentieren und auf Cliffs erfolgreichem Blog unter dem Seriennamen „Ends of Earth“ veröffentlichen. Schon bei der ersten Station in Paris geht etwas schief. Derek hat einen One Night Stand mit einer geheimnisvollen Französin (Baya Rehaz, Blau ist eine warme Farbe, u.a.) und wird von seinem Kumpel anschließend niedergeschlagen im Hotelzimmer aufgefunden. Nach dieser Attacke verändert sich Derek, was beide zuerst auf dessen unheilbare zAVM zurückführen. Doch dann entwickelt Derek übernatürliche Stärken, Durst auf Menschenblut und ein hohes Gewaltpotenzial. Klingt wie eine Mischung aus dem Buch Der Übergang und Chronicle.

Found Footage mal anders

Afflicted wurde das erste Mal am 9. September 2013 auf dem Toronto International Film Festival gezeigt, wo er gleich ausgezeichnet wurde als Bester kanadischer Debütfilm. Auf dem Fantastic Fest in Austin, Texas, sahnte der Streifen Preise für die beste Regie, das beste Drehbuch und den besten Horrorfilm ab. Im Netz loben Filmkritiker vor allem die beeindruckende Filmtechnik und die Effekte, wobei auch Lee und Prowse gut wegkommen. Ich denke, dass dreieinhalb Jahre Drehzeit eine Menge Holz sind für einen Found-Footage-Film, der 85 Minuten dauert. Und der Trailer zeigt die Szenen chronologisch rückwärts, mit einigen Szenen aus der Ego-Perspektive, was mich noch neugieriger macht. Es stecken also tatsächlich ein Gedanke und Arbeit hinter Afflicted und ich kann nur hoffen, dass es endlich auch bald ein Startdatum für Deutschland geben wird.

 

Donnerstag, 6. März 2014

Devil's Due - Die Teufelsbrut

Vorweg: Ich liebe Found Footage! Es ist schon etwas länger her, dass sich ein Film aus dieser Ecke in die deutschen Kinos traute. Jedenfalls abgesehen von den regelmäßigen, paranormalen Aktivitäten weltweit. Der große Hype ist vorbei, doch hin und wieder ist das Argument des wirtschaftlichen Vorteils stärker als die Kreativität der Drehbuch-Autoren. Deshalb ärgert es mich auch, dass ich mit Devil’s Due starten muss.

Warum? Mockumentaries wie z.B. [REC] oder Cloverfield können richtig Spaß machen, spannend und gut gemacht sein. Vor allem Dämonen und Exorzisten stehen immer wieder Modell für dieses Genre. Es ist einfach mies, dass ausgerechnet zu Beginn meiner selbsternannten Found Footage PR so ein uninspirierter Abklatsch daherkommt.

Was zum Teufel?...

Ich habe jedenfalls meine Zweifel, dass uns der Film von Radio Silence überraschen wird. Daran ändert auch der witzige PR-Gag nicht, der ein satanistisches Roboter-Baby im Kinderwagen durch erschrockene Menschenmassen fahren ließ und zum YouTube-Hit wurde. Sowohl der Name, vor allem der deutsche Nebentitel, als auch der Trailer rudern in eine bestimmte Richtung. Ein Pärchen kann sich nicht an seine Hochzeitsnacht erinnern, dafür ist Frau schwanger. Mann filmt von nun an den Prozess der Schwangerschaft während der SIE anfängt sich komisch zu verhalten und seltsame Dinge vorgehen. Gähn. Wenn das nicht schon alles sagt, dann zitiere ich schnell noch den Priester aus dem Trailer: „Im frühen Christentum gab es Gruppen von Andersdenkenden, die glaubten mit diesen Symbolen einen Antichristen heraufbeschwören zu können.“ Da grenzt es fast schon an Selbstironie, dass am Ende des Trailers die Worte „Nichts kann uns vorbereiten“ erscheinen. 


 Für eine Mockumentary ist das Budget mit 7 Millionen Dollar sehr hoch, was wohl auch den Gehältern der beiden Hauptdarsteller geschuldet ist. Zach Gilford (The Last Stand, The Purge 2: Anarchy) und Allison Miller (Terra Nova, u.a.) sind annähernd „bekannte“ Schauspieler und keine Studentengruppe oder Kunstfilmer. Hinzu kommt, dass die Effekte aus dem Trailer sehr nett aussehen, was auch gekostet haben dürfte. Jedenfalls hat The Blair Witch Project nur 40.000 Dollar gekostet und zählt bis heute zu den erfolgreichsten Handkamera-Filmen.

Ich hoffe, dass Devil’s Due eine Überraschung parat hält, glauben tue ich es aber nicht. Wer Lust auf diese Art von Found Footage hat, dem empfehle ich Der letzte Exorzismus und rate ab von The Devil Inside.


Devil's Due - Die Teufelsbrut
Start: 10. April 2014
90 Minuten, USA