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Postapokalyptisch!

Meine Beiträge zum Weltuntergang

Montag, 31. März 2014

The Walking Dead: Staffel 5 mit Kannibalen & mehr Gefangenen?

Das war sie nun, die letzte Folge der vierten Staffel von The Walking Dead. Und ein schönerer Cliffhanger hätte den Fans nicht serviert werden können. Und wenn ich „schön“ sage meine ich spannend, fast schon sadistisch. Und wenn ich „serviert“ meine, dann war das ein absichtliches Wortspiel, denn:

These 1: Terminus ist ein Kannibalen-Dorf
 


Dieses Gerücht zählte zu meinen Favoriten, weil es nah am Comic ist und auch dramaturgisch für ordentlich Zündstoff sorgen kann. Hinzu kommt, dass Rick und Co durch einen mysteriösen Raum voll mit Kerzen und Schriften gerannt sind, anschließend vorbei an einem Haufen Fleisch. Nehmen wir meine Lieblings-Szene Nummer eins:

Was man sieht ist ein Berg voll Fleisch, ob es wirklich menschlich ist bleibt fraglich. Im Vordergrund hängen Stofffetzen, die sehr nach zerrissenen Klamotten aussehen. Und einige der „Teile“ sehen aus wie menschliche Schädelüberreste. Da vor allem die vielen Knochen auffallen und kaum verwesendes Fleisch zu sehen ist bleibt auch der Eindruck, dass das Fleisch entfernt wurde und die Reste noch „frisch“ sind. Die blauen Planen auf denen die Köstlichkeiten liegen könnten zur Abdeckung gegen Blutlachen dienen.

Und der Raum, in dem sich die vier vorher aufhielten? Sie standen auf einem Kreis voller Namen, dazu diverse Gegenstände ohne Zusammenhang und jede Menge Kerzen. Im Kannibalismus kommt es vor, dass Hirn und Herz von Verwandten gegessen werden, um deren positive Eigenschaften zu bekommen und zu erhalten. Gehören die Namen ehemaligen Geliebten und Freunden der Terminus-Bewohner? Sind die Gegenstände da, weil die Terminuser sie mit den jeweiligen Toten assoziieren? Denkanstoß: „Beim Verzehr von Feinden wurde dem Opfer keinerlei Respekt entgegengebracht und sein Körper wie der eines erlegten Tieres behandelt (Dominanzverhalten). Eigene Stammesangehörige hingegen wurden respektvoll in aufwändigen Bestattungszeremonien gegessen, um eine Beschmutzung des Körpers des Toten durch die Berührung mit der als unrein geltenden Erde zu vermeiden.“ (Wikipedia über Endo- und Exokannibalismus).


These 2: Es gibt noch mehr Gefangene


Und wo ist eigentlich Beth? Beth wurde seit ihrer Flucht aus der alten Hütte nicht mehr gesehen, Daryl konnte nur noch einem Auto hinterher sehen. In der letzten Folge tauchte sie auch nicht mehr auf. Es sei denn sie war der Inhalt des Kochtopfes oder eins der vielen oben genannten Stückchen. Aber sonst…Moment mal. Hat da nicht jemand um Hilfe geschrien kurz bevor Rick, Michonne, Carl und Darly auf ihrer Flucht gestoppt wurden? Zuerst eine Frau, dann auch eine männliche Stimme! Carol? Ty? Einfach nur weitere Gefangene? Jedenfalls schienen die Stimmen aus den zwei Containern zu kommen, auf die die Kamera verdächtig ruhig draufhielt.


Das war's für heute Abend, wir haben noch sieben Monate um weiter darüber zu philosophieren wie es weitergeht. Ich freue mich drauf und glaube, dass Staffel 5 um Längen spannender wird!

5 Mailights: Kino Comeback für Angelina Jolie und Gojira

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst? Na gut: Gemessen am gesamten Kinojahr 2014 könnten der Juni und der Juli die schwächsten Monate des Jahres werden. Die gute Nachricht ist: Ab morgen startet erst einmal der starke April und auch der Mai verspricht noch einmal ordentliches Filmprogramm! Blicken wir also voller Vorfreude einen Monat voraus. Wie immer: Hier kommt meine Top Five:

5 Im Schatten von 12 Years a Slave wurden Filme wie Der Butler und Nächster Halt: Fruitvale Station kläglich ignoriert. Und das obwohl der Film von Ryan Coogler beim Sundance Festival abräumte und in Cannes für großen Applaus sorgte. Michael B. Jordan (Chronicle) spielt die Hauptrolle des 22-jährigen Oscar Grant, der in der Silvesternacht 2008 von rassistischen Polizisten aus der Bahn gezogen und von hinten erschossen wurde. Nach einer wahren Geschichte! In Nebenrollen u.a. Octavia Spencer (The Help) und Kevin Durand aus Lost und Butterfly Effect. Bei uns startet der Film direkt am 1. Mai. Meine Meinung: Im Augenblick wird die Filmwelt geradezu überfrachtet mit US-Rassismus gegen Schwarze – was aber nicht heißt, dass Filme wie dieser hier nicht trotzdem sehenswert sind. Trailer HIER


4 Seth Rogen ist jetzt nicht unbedingt der Schauspieler bei dem ich sagen würde er biete großes Kino und tiefgründige Geschichten zum Nachdenken. Doch ich steh‘ auf seinen Scheiß. Wer Das ist das Ende oder Superbad mag, der wird auch bei Bad Neighbors glücklich werden. Mac und Kelly sind frisch gebackene Eltern im Vorstadt-Idyll. Doch als sich die neuen Nachbarn als gefühlt 50 partywütige Studenten entpuppen bricht ein Kleinkrieg zwischen beiden Parteien aus. Ich freue mich dabei vor allem auf Christopher Mintz-Plasse (Kick Ass), Dave Franco (Scrubs) und ein Baby im „Heisenberg“-Kostüm. Mal schauen wie sich Zac Efron schlägt, im Trailer war’s okay. Los geht die Party dann ab dem 8. Mai. Trailer HIER

3 Stereo ist der Grund, warum ich dem deutschen Kino 2014 doch noch eine Chance gebe. Das liegt vor allem daran, dass ich sowohl Jürgen Vogel (Die Welle) als auch Moritz Bleibtreu (Baader Meinhof Komplex) schätze. Zum anderen klingt die Geschichte für mich endlich mal nach frischem Genre-Kino und nicht nach 08/15-Schweiger-Konzept. Allein der Mut dazu müsste schon belohnt werden. Inhalt: Erik, seine Frau und seine Tochter leben das typische Kleinfamilien-Idylll bis ein mysteriöser Stalker auftaucht, der nicht mehr abzuschütteln ist. Je mehr Erik versucht seinen Beobachter loszuwerden desto mehr bricht sein Familienleben wie ein Kartenhaus zusammen – bis Gangster Keitel auftaucht, Eriks Frau ins Lebensgefahr schwebt und der Fremde Stalker Eriks einzige Hilfe zu sein scheint. Filmstart: 15. Mai. Noch ohne offiziellen Trailer


2 In Maleficent geht es um die Entwicklung der bösen Hexe Malefiz, aus dem 1959er Dornröschen. Angelina Jolie spielt die Hauptrolle der tragischen Figur, die zuerst auch ihrer Heimat vertrieben wird und anschließend ihr zu Hause zurückerobern will. Immer weiter verwandelt sich ihr gutes Wesen in das kalte Geschöpf. Als ihr erster Versuch den neuen Herrscher zu stürzen scheitert, belegt sie sein Baby mit einem Fluch. Das Baby ist bekannt unter dem Namen Aurora (Elle Fanning) und erst als diese älter wird erkennt Malefiz die Bedeutung der Verfluchten, für ihre Heimat und für sich selbst. Märchen sind nicht unbedingt mein Genre, aber ich weiß, dass Angelina Jolie mehr kann als schön in die Kamera zu gucken. Der düstere Trailer ist interessant und der Cast lässt hoffen. Ab 29. Mai heißt’s „Hex, hex!“ Trailer HIER


1 Als ich hörte, dass Godzilla neu verfilmt werden sollte wurde ich neugierig. Bei der Nachricht, dass als Hauptdarsteller Bryan Cranston (Breaking Bad), Aaron Johnson (Kick Ass) und Ken Watanabe (Inception) verpflichtet wurden, habe ich in die Hände geklatscht. Und als ich erfuhr, dass das Macher-Team aus Regisseur Gareth Edwards (Monsters), den Drehbuchautoren Frank Darabont (The Walking Dead) und David S. Goyer (The Dark Knight) sowie dem Kameramann Seamus McGarvey (Marvel’s The Avengers) besteht habe ich gejubelt wie ein Kleinkind! Für mich ist Godzilla nicht nur ein Mailight, sondern eine der größten Blockbuster-Hoffnungen des Jahres. Warum erläutere ich schon bald viel viel genauer in einem "Gojira"-Special. Merkt Euch den 15. Mai! Trailer HIER

Samstag, 29. März 2014

Storm Hunters: Im Sommer wird's stürmisch

Steven Quale hatte mal eine Minirolle als Arbeiter auf der Titanic, 1997. Er war auch zuständig für die Effekte in Avatar und den Schnitt der Special Edition von The Abyss. Als Regisseur kennt man ihn nur von Final Destination 5. Der Trailer zu seinem neuen Film Storm Hunters, englischer Originaltitel Into The Storm, hat mich allerdings umgehauen.

Interessante Darsteller, alte Geschichte

Am 21. August startet der Found Footage Film von Warner Bros in den deutschen Kinos, unter anderen mit dabei sind Sarah Wayne Callies aus der Serie The Walking Dead, Matt Walsh aus Ted und Richard Armitage aus der Filmreihe Der Hobbit. Hauptsächlich geht es darum, wie weit professionelle Sturmjäger und Amateurfilmer gehen, um Bilder von ihrer „Beute“ zu bekommen. Die Story klingt allerdings eher halbspannend. Die Kleinstadt Silverton wird von mehreren Tornados dem Erdboden gleichgemacht, doch – Überraschung! – das waren nur die Vorboten einer weitaus größeren Katastrophe.

Trotzdem muss ich sagen, dass der erste Trailer auf einen spannenden Katastrophenfilm im Handkamera-Modus hoffen lässt. Gerade die Flughafen-Sequenz am Ende lässt einen staunen, auch wenn sie an die Zerstörungswut eines Roland Emmerich erinnert. Ich frage mich im Moment noch, ob es tatsächlich ausschließlich Found-Footage-Aufnahmen sein werden, weil ich mir das schwer vorstellen kann. Auf der anderen Seite wurde ich schon beim grandiosen Cloverfield eines Besseren belehrt. Mal schauen, was uns die Macher bis zur Veröffentlichung noch an Infomaterial liefern werden.

Der deutsche Trailer:


Weitere Sturm-Filmtipps: 

The Day After Tomorrow war zwar der Anfang des völligen Realitätsverlustes von Regisseur Roland Emmerich, es war aber auch die Geburtsstunde von Jake Gyllenhaal im Mainstream-Kino. Für die fantastischen visuellen Effekte gab es 2005 sogar einen BAFTA Award. Ich persönlich finde den Film als Naturkatastrophenfilm gut. Stürme kommen allerdings nur zu Beginn vor, später geht es eher um eisige Kälte.

Wolfgang Petersen präsentierte 2000
Der Sturm. Die Sachbuchverfilmung von Sebastian Jungers The Perfect Storm erzählt die wahre Geschichte des Fischerbootes „Andrea Gail“. George Clooney, Mark Wahlberg, Diane Lane, William Fichtner und jede Menge weitere bekannte Gesichter liefern sich ein Kampf mit dem Wetter auf hoher See. Auch hier gab es den BAFTA Award für visuelle Effekte 2001, es folgten Oscar-Nominierungen für Ton und Spezialeffekte. 


Helen Hunt, Bill Paxton und Philip Seymour Hoffman gegen den Twister. 1996 erhielt Jan de Bonts Tornado-Film ebenfalls den BAFTA Award für visuelle Effekte und ebenfalls Oscar-Nominierungen für Bild und Ton. Aber es reichte auch für die Goldene Himbeere als schlechtester Film mit Einnahmen über 100 Millionen Dollar. Das Drehbuch schrieb übrigens Michael Crichton, u.a. bekannt für sein Drehbuch zu Jurassic Park.


Sharknado
ist ein Meisterwerk von Anthony Ferrante aus dem Jahre 2013. Die komplexe Erzählstruktur, gekoppelt an sehr tiefgehende Charakterentwicklungen haben diesem auf visuell sehr auf hohem Niveau liegenden Streifen zu einem Kult…ach was rede ich da. Dieser Bockmist ist selbst für eine bewusst schlechtproduzierte Geschichte die reinste Zuschauervergewaltigung. Haie in einem Tornado, so dämlich, dass es fast wieder genial ist: Meine Kritik gibt’s übrigens HIER.

Freitag, 28. März 2014

Vorschlag: Diese deutschen Serien haben Potenzial - Teil 2

Hallo zusammen! Ihr erinnert Euch, deutsche Filmstudios und Produzenten imitieren gerne mal den Stoff eines amerikanischen Serien-Hits. Ob sie meine drei Vorschläge „Keinhirnleichen“, „Fack Ju Caesar“ oder „Dr. Landhaus“ annehmen oder nicht? Man kann darüber spekulieren, es ausschließen aber auf keinen Fall. Wir wollen nicht lange fackeln, hier meine drei weiteren Stoffe für deutschen Serienkult:
Eine schrecklich moderne Familie


Der wohlhabende Frührentner Johannes (Sky Du Mont) ist mit der viel jüngeren Türkin Ayla (Sila Sahin) verheiratet. Mit ihrem übergewichtigem Sohn Ilkay One, der sehr frühreif ist, hat er zuerst so seine Probleme. Johannes‘ Sohn Alex (Matthias Schweighöfer) ist schwul und kämpft mit seinem Partner Brisko (Markus Majowski) um die Adaption der nordkoreanischen Kim. Währendessen muss Johannes‘ Tochter Danni (Annette Frier) den Haushalt schmeißen, ihren verpeilten Mann Bernd (Christoph Maria Herbst) ertragen und mit ihm zusammen die drei wilden Kinder Luna (Emma Schweiger), Emma (Luna Schweiger) und Wilfried Costa (Jimmy Blue Ochsenknecht) zähmen. Chaos vorprogrammiert! 

Anleitung zum Mamatreff


Tim (Tom Schilling) erzählt seinen Kindern, wie er ihre Mutter kennenlernte. Es begann so: Tim war Architekt und ständig unglücklich weil ihm immer wieder seine tote Mutter (Hannelore Elsner) erschien. Zum Glück hatte er seine Freunde, mit denen er sich immer in ihrer Lieblingskneipe traf: Seinen besten Freund Markus (Michael Bully Herbig) und dessen dauerfeuchte Frau Helen (Carla Juri) und seinen Macho-Kumpel Bernd (Friedrich Mücke), der nach außen den Player spielt, eigentlich aber in Cobey (Johanna Wokalek) verliebt ist - Tims heimliche Liebe und spätere Tante seiner Kinder. Es gibt viele Flashbacks, ein Playbuch und jede Menge familiengerechten Humor knapp vor der besten Sendezeit. 

Ekofräähsh


Rapper Ekrem hangelt sich von einem glücklosen Plattendeal zum Nächsten. Plötzlich erhält er ein sensationelles Angebot: Er soll Gastrapper auf einer Bushido LP werden - zusammen mit seinem Ex-Kumpel Savas und seiner großen Liebe Valeska (Jessica Schwarz, oder Jasmin Gerat, egal). Während Ekrem auf seine große Chance hofft, taucht plötzlich die 8-jährige Maggie (eine Schweiger) vor seiner Wohnungstür auf und stellt sein Leben auf den Kopf. Sie soll seine Tochter aus einem vergessenen One-Night-Stand sein und Ekrem soll sich erst mal - solange die Mutter in den USA eine Gerichtsverhandlung hat - um Maggie kümmern. Ekrem ist mit der neuen Situation überfordert.

Mittwoch, 26. März 2014

Der Butler: Ironie des Schicksals

Lee Daniels ist den meisten Filmfreunden bekannt durch seine Regiearbeit an dem Drama Precious, das 2010 zwei Oscars abräumte. 2013 wurde Nicole Kidman außerdem für ihre Rolle in Daniels‘ The Paperboy für den Golden Globe nominiert. Dass sein Meisterwerk Der Butler sowohl von den Golden Globes als auch von den Oscars sträflich ignoriert wurde, ist eine Schande.

Natürlich ist die Geschichte des schwarzen Cecil, der es vom „Hausnigger“ bis zum Diener des US-Präsidenten schafft eine Geschichte, die Amerikaner lieben müssen. Auf den ersten Blick hat der Zuschauer das Gefühl einen "Forest Gump in Black" zu sehen, ein Good-Mood-Movie, bei dem irgendwie alles immer wieder gut ausgeht. Und vielleicht ist gerade das das Problem. Gerade in Zeiten, in denen Filme wie Lincoln und 12 Years a Slave die höchste Aufmerksamkeit der Filmkritiker erhalten, will niemand eine durchweg positive Story aus Amerikas dunkelster Geschichte sehen. Ein zweiter Blick verrät: So positiv ist auch Der Butler nicht. In vielerlei Hinsicht ist er meiner Meinung nach sogar wirkungskräftiger als 12 Years a Slave.

Star-Parade ohne Star-Allüren

Cecil Gaines muss den Mord an seinem Vater durch seinen weißen Besitzer mit ansehen und hilflos die Vergewaltigung seiner Mutter (kurz, aber klasse: Mariah Carey) dulden. Der Moment in dem Vanessa Redgrave als alte Mutter des Sadisten aus Mitleid eingreift und Cecil ins Haus holt, um aus ihm einen „anständigen Hausnigger“ zu machen ist die erste starke Szene des Films, der immer wieder diese bitterböse Idiotie der Rassentrennung karikatiert. Gaines‘ Leben ist zynisch. Um seine Familie zu ernähren akzeptiert er seine Rolle als unterwürfiger, unpolitischer Diener. Er arrangiert sich mit seiner Rolle und wird mit jedem Jahr im Oval Office zufriedener. Was er ignoriert: Das Land ist gespalten. Sein älterer Sohn schließt sich Freiheitskämpfern an, weshalb Gaines ihn lange verstößt. Immer wieder werden Szenen eingespielt, in denen Gaines‘ eher als Anti-Held gezeigt wird. Stilmittel und wichtig hierfür sind die perfekt besetzten Nebenrollen. Zum Glück stellt sich dabei keiner der Schauspieler bewusst in den Vordergrund.

Pluspunkte: Oprah und Co.

Roter Faden ist Gaines starke Ehefrau Gloria (grandios: Oprah Winfrey), die ihre Einsamkeit anfangs in Alkohol und Seitensprüngen mit Gaines‘ Nachbar Howard (Terrence Howard) ertränkt. Sie steht zwischen Cecil und seinem Sohn und muss mit ansehen, wie ihre Familie zu zerbrechen droht. Weiterer starker Moment: Während Cecil für „Weiße“ arbeitet und sein älterer Sohn für die Rechte der Schwarzen auf die Straßen geht, stirbt sein jüngerer Söhn Charlie im Vietnam-Krieg. Was für ein Irrsin. Ich kann gar nicht genug betonen, wie klasse die Nebendarsteller diesen Film tragen. Selbst Lenny Kravitz und Cuba Gooding Jr. als Gaines‘ Kollegen liefern eine gute Leistung ab, mit der Aufgabe auch mal Schmunzler einzustreuen. 

Die Gump-Taktik geht auf

Der Vergleich zu Forest Gump ist deswegen berechtigt, da als paralleler Background die Etappen der US-Geschichte begleitet werden. Martin Luther King, Malcom X, die Black-Panther-Bewegung, der Vietnam-Krieg und später sogar Nelson Mandela. Alles ist dabei. Kein Wunder also, dass auch die vielen Präsidenten denen Gaines in seiner Zeit im Oval Office begegnet durch Darsteller wie John Cusack, Robin Williams, James Marsden, Liev Schreiber oder Alan Rickman inszeniert wurden. Hervorheben möchte ich hier Alan Rickman und Jane Fonda als das Präsidentenpaar Reagan. Gaines‘ wird nach gefühlten 20 Jahren Arbeitszeit von den Reagans eingeladen seine Frau mitzubringen und zusammen zu essen, statt diese zu bedienen. Die Minute in der Gaines klar wird, dass es sich um PR handelt ist wieder einmal bärenstark.

Mehr als nur Darstellerkino

Gehen wir mal weg von Drehbuch, Regie und Darstellern so muss ich sagen, dass mir außerdem die tolle Maskenarbeit (z.B.  Whitaker, Carey, Cusack, u.v.m.!) gefallen hat. Die Ausstrahlung der Figuren versetzt einen sofort in das jeweilige Jahrzeht. Übrigens auch ein Verdienst der Ausstattung, Kostüme und Bühnenbilder. Ich verstehe wirklich nicht, warum die Academey nicht über ihren Schatten springen konnte. Keine einzige Nominierung ist ein Witz.

Kleiner Minuspunkt ist vielleicht der hang zum Kitsch und zu den bewusst gesteuerten emotionalen Szenen. Trotzdem hat mich dieser Film mehr berührt als viele andere Preisträger. Das Ende naht mit der gewonnenen Präsidentschaftswahl Barack Obamas, was ich etwas dick aufgetragen finde, da Gaines‘ dort schon lange nicht mehr im Weißen Haus arbeitet. Doch die Schlussszene ist großes Kino. Gaines wird von Obama eingeladen - seinem Butler-Nachfolger sagt er auf dem Weg durch das Oval Office „Ich kenne den Weg“. 

Fazit: Yes, they can! Der Butler besitzt durch seine ironische Erzählweise mehr Biss als 12 Years a Slave. Ich persönlich habe mich nach diesem Film jedenfalls viel mehr angeregt gefühlt darüber nachzudenken und diskutieren zu wollen. Vor allem die Darsteller, allen voran Forest Whitaker selbst, leisten hier großes Kino, das dank dem Drehbuch ein wenig den Charme der 90er versprüht.

Samstag, 22. März 2014

Vorschlag: Diese deutschen Serien haben Potenzial

Null Kreativität! Und das ZDF leugnet es nicht einmal. Unter der Woche wurde zugegeben, dass die neue Serie namens Morgen hör ich auf von Amerikas Serienerfolg Breaking Bad abkupfern wird. In der Hauptrolle Bastian Pastewka. Allerdings spielt er einen arbeitslosen Grafiker,der Falschgeld vertickt. Kein Chemielabor, Crystal Meth. Trotzdem kommt irgendwann die Mafia ins Spiel. So richtig kriminell ist dabei leider nur der Mangel an Mut, mal eine eigene Geschichte auf die Beine zu stellen. Seit RSI: Berlin schockt mich allerdings nichts mehr. Vielmehr habe ich mir mal Gedanken darüber gemacht, welche Serienvorlage wir Deutschen noch verwursten könnten. Hier meine Favoriten: 

Keinhirnleichen


Ein Krankenhaus in St. Pauli. Till Schweiger spielt einen Tatort-Polizisten, der aus dem Koma aufwacht und feststellen muss, dass Untote die Apokalypse herbeigeführt haben. Mithilfe seines besten Freundes (Jürgen Vogel) will er seine Tochter (Emma Schweiger) finden. Auf seiner Suche verliebt er sich in die Erzieherin Anna (Nora Tschirner). Der Weg des ungleichen Trios führt nach Berlin. Dort soll es ein Gegenmittel geben: Liebe.


Fack Ju Caesar


Sparta Kuz (Elyas M’Barek) wollte eigentlich nur Deutschlehrer werden, stattdessen wird er versklavt. In einer geschichtlich nicht überlieferten römischen Arena Ostberlins steigt er zum Volkshelden auf und führt die Revolte gegen Rom an. Sein bester Freund Ali (Moritz Bleibtreu) will ihm anfangs bei der Suche nach seiner Geliebten Marie (Alexandra Neldel) helfen. Was er nicht weiß: Marie ist zum Kaiser gewandert. Gegen Geld verrät Ali seinen Freund und warnt den Kaiser, weshalb die Serie anfangs auch Tückisch für Anfänger heißen sollte.


Dr. Landhaus


Gregor Landhaus (Heiner Lauterbach) ist ein zynischer Trinker, aber der beste Diagnostiker in ganz Berlin. Während er sich nicht an Krankenhaus-Regeln hält und mit sämtlichen Gesetzen bricht, rettet er jede Folge einem anderen totgeglaubten Patient das Leben. Das ist auch der Grund warum seine Chefin Kati (stark: Iris Berben) ihm vieles durchgehen lässt und sein Team (Matthias Schweighöfer, Alexandra Maria Lara und Jan-Josef Liefers) ihm vertraut. Doch dann gerät Landhaus an den Polizisten Horst (Heino Ferch), der kein Verständnis für dessen Methoden und Alkoholprobleme hat. In einer Nebenrolle: Martin Semmelrogge als bester Freund.


In der kommenden Woche gibt's drei weitere Vorschläge für die Serienmacher unserer Heimat. Bis dahin hätte ich noch einen Vorschlag für's Kino:

Berlin, 1944 - Im seinem Viertel ist Sonny (
Anis Mohamed Youssef Ferchich, bekannt als Bushido) berüchtigt für seinen Sprechgesang mittels provokanter Lyrik. Doch die Straßen sind unsicher geworden seit die Nazis an der Macht sind. So gibt sich der Alleingänger als Pianist aus, um in der westlichen Welt unerkannt zu überleben. Er tätowiert sich ein "B" für Beethoven auf den Hals und muss feststellen, dass sein Können am Klavier mehr als nur Fassade ist. Kann er je wieder zurück? Der Titel: 

Saiten ändern Dich

Mittwoch, 19. März 2014

Jurassic World - T-Rex und Co kehren 2015 zurück

Liebe Dino-Freunde, es ist soweit! Am 11. Juni 2015 kommt Jurassic World in die deutschen Kinos. Überraschend ist dabei eigentlich nur, dass es so lange gedauert hat, denn wie schon Jeff Goldblum im ersten Teil bemerkte: „Das Leben findet einen Weg.“ Filmstudios, die Geld wittern aber auch.

Stephen Spielberg, der nach dem Megaerfolg von Jurassic Park Lob und Oscars kassierte, wird dieses Mal nur als Produzent die Fäden im Hintergrund ziehen. Auf dem Regiestuhl nimmt ein anderer Platz. Es ist kein geringerer als Colin Trevorrow. Spaß beiseite, kaum jemand kennt ihn. Und seinen einzigen Film bis dato auch nicht. Was aber nichts heißen muss, so sind unverbrauchte Namen schwieriger einzuschätzen und optimistisch gesehen vielleicht etwas freier in ihrer Ausführung. Michael Crichton, auf dessen Novelle Teil 1 beruht, wird sowieso nicht mehr hinterfragen was aus seiner Ursprungs-Geschichte gemacht wird. Möge er in Frieden ruhen. 


Umso schöner ist es, dass es trotzdem ein Wiedersehen mit einer Figur aus dem Buch geben wird. Genforscher Dr. Henry Wu, der im ersten Teil nur bei der Geburt des Velociraptors zu sehen war, aber im Buch eine größere Rolle spielt, bekommt einen Auftritt. Colin Trevorrow bestätigte Schauspieler Bradley Darryl Wong in einem IGN-Interview. Dabei erklärte er allerdings auch, dass er die bekannten Rollen Grant, Sattler und Malcom nicht ins Boot holt. Er respektiere die Darsteller zu sehr, als dass er sie irgendwie in die Story flechten wolle, nur um einer Gefühlsduselei als Fan nachzugeben. Also: Kein Sam Neil, kein Jeff Goldblum, keine Laura Dern.

*Update (25. April 2014)
- Erste Konzeptfotos veröffentlicht -


Konzeptkünstler Nathan Schroeder, der unter anderem auch für Marvel’s The Avengers, Star Trek Into Darkness und Die Tribute von Panem - Catching Fire arbeitete, hat zwei seiner Entwürfe für den neuen Park veröffentlicht. Beachten wollte man dabei natürlich, dass es dabei nur um seine Vorschläge geht, aber immerhin lässt daraus interpretieren, dass die Jurassic World wohl futuristischer werden wird:



Erste, von Entertainment Weekly veröffentlichte Set-Fotos, gibt es auch. Unter anderem sieht man ein erstes Bild von Bryce Dallas Howard und einen geschrotteten Wagen des neuen Parks:



Zum gesamten Cast habe ich noch einmal einen eigenen Artikel verfasst, den Ihr HIER lesen könnt.

Montag, 17. März 2014

Selbstjustiz im Kino - Umstrittene Helden, gesetzlose Kultfiguren

„Für meine Familie würde ich töten“ – viele denken es, kaum jemand traut sich es öffentlich zu äußern. Schauspieler Christian Bale wagte diesen Schritt vor ein paar Tagen. Mutig, doch nicht ohne Hintergedanken. Anfang April läuft Auge um Auge in den deutschen Kinos an. Und dort spielt Bale eine Person, die das Gesetz in die eigene Hand nimmt. Selbstjustiz hat sich in Hollywood zu einem Sub-Genre entwickelt, dass die Zuschauer fasziniert. Die Hauptfiguren erfahren Leid und Verlust. Aus ihrer Frustration gegenüber gesetzlich eingeschränkter Unterstützung sehen sie – mit dem Zuschauer zusammen – nur noch einen Ausweg: Eigeninitiative.

Die bewehrte Methode der Filmemacher folgt dabei einem strengen Muster. Der Zuschauer muss schnell Sympathie für die Figur entwickeln, bevor sich die Logik durchsetzt. Das illegale Handeln wird dadurch nicht immer schöngeredet, aber schnell als „notwendig“ akzeptiert. Schließlich wurde der brave Normalbürger vom Gesetz im Stich gelassen. Von dort an wünscht der Betrachter dem „Helden“ Glück, denn er verkörpert den Mut, den man selbst vielleicht nicht hätte. Zumindest verkörpert er den Freigeist, der die gesetzlichen Grenzen nicht hinnimmt, wenn es darum geht eine geliebte Person zu retten oder zu rächen. Selbstjustiz ist schick. Der Täter ein dunkler Ritter. So bezeichnet „Batman“-Christian Bale seine neue Rolle als Rächer-Bruder auch als
„ehrenhaft“.

Von Rittern, Rächern und Richtern

Uma Thurman avancierte als Beatrix Kiddo in Quentin Tarantinos Kill Bill Vol. 1 und Vol. 2 zu einer wahren Kultfigur der Selbstjustiz. Selbst nach ihren Mehrfachmorden, manche würden es Massaker nennen, begegnen ihr sogar ihre stärksten Widersacher noch mit Bewunderung. Große Namen scheuen nicht vor diesen Rollen, eben weil sie so interessant und fragwürdig sind. In Die Fremde in Dir versucht sich Oscar-Gewinnerin Jodie Foster als unerprobte Rächerin ihres ermordeten Verlobten. In Vier Brüder machten Mark Wahlberg und Terrence Howard das Genre „straßentauglich“, während der Klassiker Straw Dogs – Wer Gewalt sät mit Dustin Hoffmann im Jahre 2011 neuverfilmt wurde.

Wenn wir aber von Rittern und Helden sprechen, dann denken viele Kinogänger meiner Generation an den Namen Bryan Mills. Der Entführungs-Thriller 96 Hours holte Liam Neeson aus der Versenkung. Die Null-Toleranz-Grenze gegenüber Tätern, die unmoralische Herangehensweise und das rücksichtlose Tempo mit dem der Ex-Topagent Mills seine Tochter aus den Fängen albanischer Frauenhändler befreit, wirkten damals selbst für Fans des Genres neu und überraschend. Mittlerweile befindet sich der dritte Teil dieser Reihe in der Drehbuchphase.


Nicht ganz so nüchtern, aber in meinen Augen ein weiterer „Held“ der Do-It-Yourself-Freunde ist der von Gerald Butler gespielte Clyde Shelton. Dieser nutzt in Gesetz der Rache geschickt Lücken im Rechtsystem um die Mörder seiner Familie trotz eigener Inhaftierung hinzurichten. Dabei wirkt er nicht nur wie ein charmantes Schlitzohr und lässt sogar den gefeierten Star-Anwalt Jamie Foxx alt aussehen – nein, er spricht die Kritik an den Systemfehlern der Justiz offen aus und prangert sie an. Nicht zu verwechseln ist der Film übrigens mit dem eher schwachen Pakt der Rache, in dem Nicholas Cage einen Angriff auf seine Frau mit Hilfe einer Untergrundorganisation für Selbstjustiz rächen will und dabei selbst in Gefahr gerät.

Wie weit würdest Du gehen? Allein mit diesem Satz locken Trailer den einen oder anderen schon ins Kino. Man kann es drehen und wenden, wie man möchte. Mit einer guten Begründung und einer glaubhaft dargestellten Ohnmacht der Justiz werden die selbsternannten Gesetzeshüter niemals völlig out sein. Zu sehr spiegeln sie den Wunsch so vieler Zuschauer wider, einmal das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen und Dampf abzulassen. Gesetzlos für das Gute - ein Reiz, dem sich nur wenige entziehen können. „Wenn es darum geht, ein Leben zu retten, indem man ein anderes auslöscht, könnte ich nicht anders handeln“, sagt Christian Bale. Der gute Zweck heiligt die Mittel und genau das ist das Erfolgsrezept, wenn auch nur auf der Leinwand.

(Der-Selbstjustiz-Filmtipp: Prisoners, mit Hugh Jackman, Terrence Howard und Jake Gyllenhaal. Weitere: Taxi Driver, Der blutige Pfad Gottes 1+2, Irreversibel, Dirty Harry, Falling Down, Payback, Oldboy, Desperado, Shooter und so ziemlich jede Superhelden- und Comic-Verfilmung von Batman über Sin City bis Kick-Ass.)

Montag, 10. März 2014

"Du kämpfst härter als Du fickst" - 300: Rise of an Empire

Wir schreiben das Jahr 2007. Zack Snyder bringt Frank Millers Comic 300 als adaptiertes Effekt-Spektakel auf die Leinwand. Die Reaktionen der Zuschauer sind sehr unterschiedlich, Filmkritiker loben die Hochglanzoptik und das gewisse Etwas. Andere erwähnen den ambitionierten Film des Amerikaners in einem Satz mit Werken von Leni Riefenstahl. Das Ergebnis dieser Polarisierung waren enorme Einnahmen und ein Kultstatus dank Sätzen wie „Das ist Sparta!“. Sieben Jahre später kehrt Snyder mit seiner Erfolgs-Story zurück. Jetzt nur noch als Drehbuch-Autor. Mit mehr Budget und noch mehr Mut zur Provokation.

Der zweite Teil 300: Rise of an Empire ist kein typischer zweiter Teil, sondern eher ein Mix aus Sequel und Parallelgeschichte. Der Zuschauer erhält Einblicke in den Werdegang des Gottkönigs Xerxes und seiner Flottenkommandeurin Artemisia. Der Fokus liegt auf Griechenland. Während sich Sparta abkapselt und König Leonidas mit seinen tapferen 300 an den Thermopylen kämpft, will Themistokles alle griechischen Völker vereinen, um der übermächtigen Armee der Perser Einhalt zu gebieten. Es kommt zur Schlacht auf offener See.


Unverändert grandios sind die Specialeffekte, die durch die 3D-Brille noch einmal an Glanz gewinnen und vor allem in der Meeresschlacht zu überzeugen wissen. Die typische Zeitlupe verstärkt diesen fast schon kunstvollen Eindruck. Geschichtlich ist die Handlung genau wie im ersten Teil natürlich ähnlicher Schwachsinn, wie Hitlers Untergang in Tarantinos Inglorious Basterds – was beiden Filmen aber eher Charme verleiht als Scham. Immerhin, Artemisia und Themistokles gab es wirklich und auch die Schlachten sollen stattgefunden haben. Im Detail geht der Film dann aber doch eher in die Comic-Fantasie.


So ist 300: Rise of an Empire optisch vielleicht sogar besser als sein Vorgänger. An vielen anderen Ecken aber gibt es deutliche Abzüge zu bemängeln. Sullivan Stapleton schafft es nicht, seiner Rolle eine ähnliche Substanz zu verleihen, wie es Gerald Butler bei Leonidas gelang. Die Figur Themistokles bleibt blass, doch seine Mitstreiter wirken geradezu seelenlos. Wenigstens erhält Rodrigo Santoro den Charme seines Xerxes aufrecht. Und Eva Green? Ihre finstere Mimik und die verruchte Aura, die sie umgibt, sind recht wirksam. Leider bremst sie das Drehbuch genau wie alle anderen Darsteller aus und vor allem in den Dialogen hat selbst sie keine Chance gegen den schwachen Plot anzuspielen.

Hass und Rache reichen aus

Moralisch bleibt die Filmreihe ihrer Fragwürdigkeit treu. Da wäre zum einen die Erkenntnis, dass Themistokles den jungen Xerxes lieber getötet hätte. Auch die junge Artemisia hätte besser umgebracht werden sollen. So aber treibt die Perser, die bis auf die größeren Rollen durch Masken gesichtslos bleiben, vor allem eines an: Hass. Hass, der sie sogar zu Selbstmordanschlägen verleitet (!). Und die Griechen? In geölten Glanzkörpern toben sie sich mit vor Adrenalin und Gebrüll verzerrten Gesichtern an ihren Gegnern in einer puren Gewaltorgie aus. Angetrieben vom angeblichen Willen die Demokratie zu schützen und für ihre Kinder und Familien zu sterben, hat der Zuschauer irgendwann nur noch das Gefühl, dass die vermeintlichen Helden Spaß am Tod haben und in ihrem Blutrausch tun dürfen was sie wollen. Sogar Leonidas' Frau, Königin Gorgo, hält sich erst zurück - hilft den Griechen dann aber doch, nachdem Themistokles ihr das Argument schlechthin liefert: Vergeltung.

Es ist jedenfalls kein Zufall, dass Teil 2 anders als 300 erst ab 18 im Kino läuft. Ein weiterer Grund dafür dürfte die für die Gesamthandlung eher unwichtige Sex-Szene sein, in der nacktes Fleisch noch einmal deutlicher vor die Kamera gehalten wird. Es wird sich gewehrt und gewürgt wie in einer Vergewaltigung, die pure Stärke in der Schlacht als anziehend vermittelt. Im späteren Kampf dann die Erkenntnis: „Du kämpfst härter als Du fickst.“ Die dargebotene Gewalt darf meiner Meinung nach interpretiert werden, wie man will. In der Struktur dieses Filmes aber kommt der Blutrausch einer Befriedigung gleich und das empfinde ich persönlich als ein wenig zu übertrieben.

Fazit: Noch Bildgewaltiger als sein Vorgänger und noch immer unterhaltend. Aber: Blasse Darsteller und eine moralisch zweifelhafte Erzählweise, die ohne Leonidas leider nicht mehr oder nur noch ansatzweise im Off-Ton begleitet wird. Das...ist...nicht...Sparta!

Donnerstag, 6. März 2014

(K)ein Sinn - Filmtitel im April 2014

Deutsche Filmtitel sind wie eine Schachtel Pralinen. Immer wieder führt uns der Filmverleih mit seltsamen Namen und Übersetzungen in die Irre, lockt uns mit plumpen Wortschöpfungen. Der Deutsche ist nämlich doof und kann schlichtweg nicht übersetzen oder nachdenken. Er will auch gar nicht neugierig gemacht werden, er muss direkt wissen worauf er sich einlässt (auch wenn das dann trotzdem nicht der Fall ist). Beispiele? Man nehme einen X-beliebigen Film, den man hier in Deutschland entweder mit dem Namen „Ein … zum Verlieben“ oder „Gesetz der …“ kennt. Wetten, dass mindestens jeder weite im Original anders klingt?

Aprilscherz? Schön wär's.

Ich gehe einen Monat weiter, damit Ihr wisst, was in ein paar Wochen auf Euch zukommt. Der April 2014 bietet tatsächlich echte Sahnehäubchen. Da wäre zum Beispiel die hier beliebte Bindestrich-Methode. Ja genau, Bindestriche! Die, die diese geistreichen Nebentitel einleiten. Typisches Beispiel ist Rio 2, bei uns bekannt als Rio 2 – Dschungelfieber. Es folgen Devil’s Due – Die Teufelsbrut und Divergent – Die Bestimmung. Mein Favorit aus diesem Gebiet ist dieses Mal aber Spuren – Tracks, wo zwar schon für den Deutschen Dichter und Denker übersetzt, aber um sicherzugehen auch nochmal der englische Originalname beigesteuert wurde. Danke für die Hilfestellung.

Weitere klassische Namensgebungen driften dann völlig ab. So heißt das mit Sicherheit interessante Drama Out of the Furnace mit Christian Bale bei uns Auge um Auge. Voll 80er, würde Oliver Geissen sagen. Wenigstens hält mich der Titel Für immer Single? direkt fern vom Kino. Beim Lesen des Originalnamens The Awkward Moment wurde ich nämlich neugieriger – bis sich dann rausstellte, dass es sich um eine Liebeskomödie mit Zac Efron handelt.


Mein persönlicher Gewinner dieses Mal: Das kanadische Drama um ein behindertes Liebespaar, Gabrielle. Hierzulande in den Kinos unter dem Namen Gabrielle – (k)eine ganz normale Liebe. Keine? Eine? Jaja, ich weiß, ganz dolles dolles Wortspiel, so modern und kreativ. Aber was denn nun?

Devil's Due - Die Teufelsbrut

Vorweg: Ich liebe Found Footage! Es ist schon etwas länger her, dass sich ein Film aus dieser Ecke in die deutschen Kinos traute. Jedenfalls abgesehen von den regelmäßigen, paranormalen Aktivitäten weltweit. Der große Hype ist vorbei, doch hin und wieder ist das Argument des wirtschaftlichen Vorteils stärker als die Kreativität der Drehbuch-Autoren. Deshalb ärgert es mich auch, dass ich mit Devil’s Due starten muss.

Warum? Mockumentaries wie z.B. [REC] oder Cloverfield können richtig Spaß machen, spannend und gut gemacht sein. Vor allem Dämonen und Exorzisten stehen immer wieder Modell für dieses Genre. Es ist einfach mies, dass ausgerechnet zu Beginn meiner selbsternannten Found Footage PR so ein uninspirierter Abklatsch daherkommt.

Was zum Teufel?...

Ich habe jedenfalls meine Zweifel, dass uns der Film von Radio Silence überraschen wird. Daran ändert auch der witzige PR-Gag nicht, der ein satanistisches Roboter-Baby im Kinderwagen durch erschrockene Menschenmassen fahren ließ und zum YouTube-Hit wurde. Sowohl der Name, vor allem der deutsche Nebentitel, als auch der Trailer rudern in eine bestimmte Richtung. Ein Pärchen kann sich nicht an seine Hochzeitsnacht erinnern, dafür ist Frau schwanger. Mann filmt von nun an den Prozess der Schwangerschaft während der SIE anfängt sich komisch zu verhalten und seltsame Dinge vorgehen. Gähn. Wenn das nicht schon alles sagt, dann zitiere ich schnell noch den Priester aus dem Trailer: „Im frühen Christentum gab es Gruppen von Andersdenkenden, die glaubten mit diesen Symbolen einen Antichristen heraufbeschwören zu können.“ Da grenzt es fast schon an Selbstironie, dass am Ende des Trailers die Worte „Nichts kann uns vorbereiten“ erscheinen. 


 Für eine Mockumentary ist das Budget mit 7 Millionen Dollar sehr hoch, was wohl auch den Gehältern der beiden Hauptdarsteller geschuldet ist. Zach Gilford (The Last Stand, The Purge 2: Anarchy) und Allison Miller (Terra Nova, u.a.) sind annähernd „bekannte“ Schauspieler und keine Studentengruppe oder Kunstfilmer. Hinzu kommt, dass die Effekte aus dem Trailer sehr nett aussehen, was auch gekostet haben dürfte. Jedenfalls hat The Blair Witch Project nur 40.000 Dollar gekostet und zählt bis heute zu den erfolgreichsten Handkamera-Filmen.

Ich hoffe, dass Devil’s Due eine Überraschung parat hält, glauben tue ich es aber nicht. Wer Lust auf diese Art von Found Footage hat, dem empfehle ich Der letzte Exorzismus und rate ab von The Devil Inside.


Devil's Due - Die Teufelsbrut
Start: 10. April 2014
90 Minuten, USA




Mittwoch, 5. März 2014

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