Endlich habe ich es geschafft mir Grand Budapest Hotel
anzusehen, einer der wohl meistgelobten Filmperlen des Jahres. Regisseur und
Drehbuchautor Wes Anderson (Darjeeling Limited, Moonrise Kingdom, u.a.) konnte
mich mit seinen Vorgängerwerken nie wirklich begeistern, doch Spielfilm Nummer
8 ist das gelungen. Und wie. Freunde von Adam Sandler und Kevin James dürften bei dem Wort Komödie allerdings enttäuscht bis schwer kulturgeschockt sein.
Worum geht es überhaupt: Der beliebte und gebildete Concierge
Gustave arbeitet und lebt im Grand Budapest Hotel und widmet seiner Berufung
jeden Augenblick, vor allem nächtlichen Bedürfnissen alter Damen. Mit Zero
Moustafa bekommt er einen jungen, ehrgeizigen Lobby Boy an seine Seite gestellt, der ihm
treu ergeben ist. Als die betagte Stammkundin Madame D. stirbt, bricht ein
Erbstreit mit ihrer Familie aus, der Gustave und Zero in ein Abenteuer stürzt,
dass beide zusammen schweißt, während im geschichtlichen Hintergrund der
Weltkrieg vorsichtig an die Türen des Hotels klopft.
Ich so: „Cool, Edward Norton! Jeff Goldblum! Und Bill Murray! Und…! Und...!“
Regisseur Wes Anderson ist offenbar kein wählerischer Mann
und glücklicherweise niemand, der ausschließlich aktuelle Namen in seine Filme
lockt. Beispiel: Owen Wilson, Adrien Brody, Bill Murray, Edward Norton, Tilda
Swinton, Harvey Keitel, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Jason Schwartzman – alle diese
Darsteller haben in mindestens einem seiner Werke bereits mitgespielt. Die
meisten von ihnen in deutlich mehr Anderson-Filmen. Trotzdem hat er es
geschafft weitere „Promis“ wie Jude Law, Bond-Girl Léa Seydoux, Tom Wilkinson
und Saoirse Ronan zu verpflichten. Die Anderson-Crew ist ein eingespieltes
Team, was übrigens bis zur Musik reicht. Godzilla-Komponist Alexandre Desplat
gehört ebenfalls dazu.
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| © 20th Century Fox |
Es ist Hauptdarsteller und Anderson-Neuling Ralph Fiennes (Roter Drache, Skyfall, Harry Potter, u.a.),
der die Geschichte trägt. Ich bin heilfroh, dass es mal nicht Johnny Depp (der
angeblich absagte) war, dem die Ehre einer solchen Rolle zuteilwurde. Fiennes
spielt mit einer solch spürbaren Freude sein intensives Theater-Overacting,
dass sich der Film alleine dafür lohnt. Charmant, sympathisch und absolut
skurril. Sein Gegenüber, Tony Revolori, muss sich allerdings nicht verstecken.
Seine Ruhe, seine Vernunft, seine Hingabe sind der absolut passende Kontrast zu
Fiennes Darbietung. Ein durchgeknalltes Dreamteam von ganz großer Klasse.
Es ist die gesamte Machart, die Grand Budapest Hotel so
besonders erscheinen lässt. Die Liebe steckt hier eindeutig im Detail. So
wurden die im Film erwähnten Gemälde, Jüngling mit Apfel (Michael Taylor) und
Two Lesbians Masturbating (Rich Pellegrino), extra angefertigt. Die Ski-Verfolgungsjagd
ist eine Liebeserklärung an Roman Polanskis Tanz der Vampire und so ziemlich
jede Location besitzt originale Vorlagen, wie zum Beispiel das Palace Hotel in
Karlsbad, das dem Grand Budapest Hotel zum Verwechseln ähnlich sieht. Überall
kleine, chaotische Spielereien, sei es der aus Wikipedia-Artikeln zusammengekleisterte
Todesartikel in der Zeitung, Bill Murrays Name „M. Ivan“, was auf Ungarisch so
viel heißt wie „Was ist?“, oder die Kameraschwenks, die fast ausnahmslos im
90°-Winkel gedreht wurden.
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| © 20th Century Fox |
Die Alpenregion Zubrowska, in der Grand Budapest Hotel
spielt, gibt es übrigens gar nicht. Trotzdem ist das Werk eine britisch-deutsche
Mixtur erster Güte. Entstanden ist der Film in Koproduktion zwischen Grand
Budapest Limited und der Neunzehnten Babelsberg Film GmbH, die visuellen
Effekte stammen von den Stuttgarter LUXX Studios. Als Kulissen dienten
zahlreiche Gebäude und Landschaften rund um Deutschland, zum Beispiel das Warenhaus
und die Stadthalle von Görlitz, oder weitere Settings in Zwickau oder Dresden. Premiere
feierte der Film auf den Filmfestspielen in Berlin 2014, wo er mit dem Silbernen
Bären/Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde.
Fazit:
Das Grand Budapest Hotel ist eine bunte
Bonbon-Packung, mit charmanter Theatralik und fantastischer Bühnenoptik. Der
Film wirkt wie eine sorgfältige Buchverfilmung, besitzt allerdings nichts von
einer solch schweren Last. Den Spaß beim Dreh merkt man den Schauspielern deutlich
an. Tipp: Mit seiner märchenhaften Erzählweise passt der Film wunderbar in die
Weihnachtszeit.
Ich habe Grand Budapest Hotel in vier Kategorien für den #DerFilmtippAward
2014 vorgeschlagen:
Ralph Fiennes für die beste Hauptrolle
Tony Revolori als besten Newcomer
Die Kostüme von Milena Canonero
Wes Anderson für das beste Drehbuch









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