Samstag, 9. August 2014

Interview: Christian Genzel über sein Regie-Debüt "Die Muse"

Filmblogger Christian Grenzel veröffentlicht demnächst sein Regie-Debüt Die Muse als Video on Demand. Ich durfte mir den Film bereits anschauen, meine Gedanken dazu findet Ihr HIER. In diesem kleinen Interview erfahrt Ihr nun noch etwas mehr über Christians Beweggründe, diesen Film zu drehen. 

Hallo Christian, Glückwunsch zu einem wirklich gelungenen Regie-Debüt. Meine erste Frage würde gleich mal auf den Filmtitel 'Die Muse' anspielen - was hat Dich dazu inspiriert, diese Geschichte zu verfilmen?

Ich mag Kammerspiele - Geschichten, die sich auf sehr kleinem Raum abspielen und sich dabei ganz auf die Figuren konzentrieren. Mich interessiert die psychologische Dynamik zwischen Menschen - in diesem Fall zwischen Täter und Opfer. Da versuchen zwei Leute, in den Kopf des jeweils anderen hineinzukommen, und beide sind auf ihre Art Gefangene. Und ich finde es immer spannend, was Menschen antreibt, warum sie das tun, was sie tun - deswegen wollte ich keine Geschichte über einen eindeutig verrückten Filmpsychopathen erzählen, sondern über einen vielschichtigen Mann, der trotz seiner verbrecherischen Taten auch ein Mensch bleibt. Außerdem interessiere ich mich sehr dafür, wie Kreativität funktioniert, wie Ideen entstehen, wie der Prozeß abläuft, in dem etwas entsteht - so entstand die Konstellation des Schriftstellers und seiner Muse.

Henriette Müller und Thomas Limpinsel wird, wie bei einem Kammerspiel üblich, extrem viel Leinwandzeit geboten. Gab es Dinge, bei denen es Dir besonders wichtig war, dass die beiden sie richtig vermitteln?

Ich hatte immer den Gedanken, dass Fischer ein Mensch ist, von dem die Nachbarn später sagen würden: "Der war so ein netter Mann. Ganz unauffällig. Ein bisschen zurückgezogen." Wir haben daher immer daran gearbeitet, wie bedrohlich er sein würde, wie freundlich, wie überlegt er sprechen würde, wo man Risse in seiner Façade sehen wird. Diese Balance zwischen einem höflichen, etwas unscheinbaren Auftreten und all dem, was darunter liegt - die Abgründe, die Verzweiflung - war mir bei Thomas sehr wichtig.

Katja ist ja lange Zeit gewissermaßen ein unbeschriebenes Blatt - wir wissen nicht viel über sie, und wir wundern uns ebenso wie sie, warum ausgerechnet sie Fischers Muse sein soll. Ich wollte bei Henriette daher eine gewisse alltägliche Qualität haben, hinter der sich alle Facetten der Figur verbergen können - vom verängstigten Opfer hin zur wehrhaften Frau, von der ganz rational alle Möglichkeiten durchgehenden Person hin zu jemand, der wie ein eingesperrtes Tier gefährlich werden kann. All das sollte quasi gleichzeitig glaubwürdig in der Figur drinstecken und doch erst spürbar werden, wenn die Umstände es hervorrufen.

Welche Pläne hast Du für die nahe Zukunft, was kann man von Dir erwarten demnächst?

Ich arbeite an der Finanzierung meines zweiten Spielfilms Brot und Spiele. Das ist eine Komödie über Freundschaften, Rivalitäten, alte Kindsköpfe und ebenso alte Computerspiele. Thomas Limpinsel und Götz Otto werden die Hauptrollen spielen. Auf Vimeo gibt's einen kurzen Teaser dazu. Nebenher habe ich auch immer mal kleinere Projekte, die ich zwischendurch angehe - da kommt in Bälde auch etwas...

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