Filmblogger Christian Grenzel veröffentlicht demnächst sein
Regie-Debüt Die Muse als Video on Demand. Ich durfte mir den Film bereits
anschauen, meine Gedanken dazu findet Ihr HIER. In diesem kleinen Interview
erfahrt Ihr nun noch etwas mehr über Christians Beweggründe, diesen Film zu
drehen.
Hallo Christian, Glückwunsch zu einem wirklich gelungenen
Regie-Debüt. Meine erste Frage würde gleich mal auf den Filmtitel 'Die Muse'
anspielen - was hat Dich dazu inspiriert, diese Geschichte zu verfilmen?
Ich mag Kammerspiele - Geschichten, die sich auf sehr
kleinem Raum abspielen und sich dabei ganz auf die Figuren konzentrieren. Mich
interessiert die psychologische Dynamik zwischen Menschen - in diesem Fall
zwischen Täter und Opfer. Da versuchen zwei Leute, in den Kopf des jeweils
anderen hineinzukommen, und beide sind auf ihre Art Gefangene. Und ich finde es
immer spannend, was Menschen antreibt, warum sie das tun, was sie tun -
deswegen wollte ich keine Geschichte über einen eindeutig verrückten
Filmpsychopathen erzählen, sondern über einen vielschichtigen Mann, der trotz
seiner verbrecherischen Taten auch ein Mensch bleibt. Außerdem interessiere ich
mich sehr dafür, wie Kreativität funktioniert, wie Ideen entstehen, wie der
Prozeß abläuft, in dem etwas entsteht - so entstand die Konstellation des
Schriftstellers und seiner Muse.
Henriette Müller und Thomas Limpinsel wird, wie bei einem
Kammerspiel üblich, extrem viel Leinwandzeit geboten. Gab es Dinge, bei denen
es Dir besonders wichtig war, dass die beiden sie richtig vermitteln?
Ich hatte immer den Gedanken, dass Fischer ein Mensch ist,
von dem die Nachbarn später sagen würden: "Der war so ein netter Mann.
Ganz unauffällig. Ein bisschen zurückgezogen." Wir haben daher immer daran
gearbeitet, wie bedrohlich er sein würde, wie freundlich, wie überlegt er
sprechen würde, wo man Risse in seiner Façade sehen wird. Diese Balance
zwischen einem höflichen, etwas unscheinbaren Auftreten und all dem, was
darunter liegt - die Abgründe, die Verzweiflung - war mir bei Thomas sehr
wichtig.
Katja ist ja lange Zeit gewissermaßen ein unbeschriebenes
Blatt - wir wissen nicht viel über sie, und wir wundern uns ebenso wie sie,
warum ausgerechnet sie Fischers Muse sein soll. Ich wollte bei Henriette daher
eine gewisse alltägliche Qualität haben, hinter der sich alle Facetten der
Figur verbergen können - vom verängstigten Opfer hin zur wehrhaften Frau, von
der ganz rational alle Möglichkeiten durchgehenden Person hin zu jemand, der
wie ein eingesperrtes Tier gefährlich werden kann. All das sollte quasi
gleichzeitig glaubwürdig in der Figur drinstecken und doch erst spürbar werden,
wenn die Umstände es hervorrufen.
Welche Pläne hast Du für die nahe Zukunft, was kann man von
Dir erwarten demnächst?
Ich arbeite an der Finanzierung meines zweiten Spielfilms
Brot und Spiele. Das ist eine Komödie über Freundschaften, Rivalitäten, alte
Kindsköpfe und ebenso alte Computerspiele. Thomas Limpinsel und Götz Otto werden
die Hauptrollen spielen. Auf Vimeo gibt's einen kurzen Teaser dazu. Nebenher
habe ich auch immer mal kleinere Projekte, die ich zwischendurch angehe - da
kommt in Bälde auch etwas...
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