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Mittwoch, 5. März 2014

Pompeii geht unter

Paul W.S. Anderson ist ein Regisseur, der schon ganz großen, großen…Müll fabriziert hat. Es ist daher als Geniestreich zu bewerten, dass ausgerechnet er an die eigentlich sehr filmreife Untergangs-Geschichte Pompeiis geraten ist. Death Race oder Mortal Kombat werden nicht ausschlaggebend dafür gewesen sein, soviel steht fest.

Mister Anderson nutzt dieses Glück nicht, sondern bleibt seiner Talentfreiheit treu. Es ist geradezu dreist, wie offensichtlich das Drehbuch bei Titanic, Gladiator und Pearl Harbor abkupfert. Gut, dafür sind vor allem die Drehbuchautoren verantwortlich, aber die Inszenierung dazu ist pure Unkreativität.

Fehlt nur noch der Eisberg...

Nur ein paar Beispiele: Erinnert Ihr Euch an Jack und Rose? Jack war der arme Kerl mit reinem Herzen, der mehr oder weniger durch Zufall auf seine große Liebe Rose traf. Diese war dummerweise schon einem einflussreichen Mistkerl versprochen, um die schlechte Finanzlage der Familie zu retten. Exakt so läuft’s zwischen Milo und Cassia ab. Anderes Beispiel: Erinnert Ihr Euch an Maximus? Der tapfere Gutmensch, dessen Familie von den Römern abgeschlachtet wurde? Der Mann, der anschließend als Gladiator die Massen gegen Rom aufbrachte und sich mit anderen Gladiatoren wie dem schwarzen Juba anfreundete? Ihr erratet es: Milo und Atticus. Ich höre jetzt aber nicht auf! Erinnert Ihr Euch an Pearl Harbor? An diese gefühlte Ewigkeit bis die Katastrophe endlich einsetzt (hier auch an Titanic denken)? Die Geschosse aus der Luft, die einen Hafen in Bruchteil von Sekunden dem Erdboden gleichmachten? Okay, schon etwas weiter hergeholt, aber doch irgendwie zutreffend.
 

Immer wieder dieses Pferd

Neues fällt den Machern nicht ein. Es wäre ja noch zu verzeihen gewesen, wenn es den Beteiligten gelungen wäre diese Schwäche durch Spannung und Dramatik auszumerzen. Doch die Dialoge sind unterer Durchschnitt und in ihrer Abfolge teilweise richtig dumm. Emily Browning (Sucker Punch, u.a.) spielt lustlos und nervt durch ihre deutsche Synchro wie ein Dummchen. Zwischen dem Spontan-Paar Milo und Cassia entfacht zu keiner Sekunde ein Feuer, keine Leidenschaft, keine große Emotion. Stattdessen galoppiert Cassias Pferd Virtus wie ein roter Faden durch die Szenen und ist irgendwie immer da. Warum? Keine Ahnung.


Kit Harington (Game of Thrones, u.a.), Kiefer Sutherland (24, u.a.) und Co liefern zusätzlich richtig schlecht überspitze Schauspielqualität ab. Der Zuschauer wird wirklich mit magerer TV-Kost gelähmt bis es dann endlich irgendwann mal los geht. Die Spezialeffekte sind allerdings – so fair muss man sein – ordentlich. Für einen Katastrophenfilm hätte die Optik durchaus ausgereicht. Neben den Flutwellen und den Zerstörungen durch die Beben ist es vor allem der Ausbruch des Vesuvs, der Spaß macht. Leider ist das alles viel zu schnell vorbei. Milo und Cassia bekommen noch schnell eine peinlich konstruierte Möglichkeit sich im Finale zu küssen und für ihr kitschiges Ende zu sorgen, da kommt auch schon der Abspann.


Fazit:
Pompeii machte in Deutschland kaum Werbung, um anschließend ausschließlich in teuren 3D-Vorstellungen zu laufen. Die letzten Fehler in einer meterlangen Liste voller Unnötigkeiten. Uninspiriert, langweilig, schlecht gespielt – dafür aber nett getrickst. Mehr Zeilen möchte ich dieser Enttäuschung jetzt aber auch nicht mehr widmen.

Mit dem Zug durch die Eiszeit

Auf der Leinwand geht die Welt häufig unter. Durch Zombies. Durch Meteoriten. Oder aber durch eine Eiszeit. Zuletzt machten Kälte und Schnee den Überlebenden in The Colony zu schaffen. Zumindest bildeten sie die äußeren Umstände, während Laurence Fishburne und Co vor Kannibalen flüchten mussten. Um eine Kolonie geht es auch in Snowpiercer, nur dass die Überlenden hier in einem riesigen fahrenden Zug hocken. Es kommt alles noch etwas seltsamer. Innerhalb der verschiedenen Wagons haben sich Klassen herauskristallisiert. Die wenigen Reichen lassen es sich in den vorderen Wagons gutgehen, die verarmte Masse fristet ein trostloses Dasein. Bis sich einige wenige aufraffen und eine Revolution bevorsteht. Mockingjay auf Eis, sozusagen. 

Die Geschichte klingt für mich ein bisschen zu abgedriftet und die Szenen aus dem Trailer wirken eher wie aus einem Fantasy-Streifen entsprungen. Vor allem dann, wenn das Innenleben einzelner Wagons gezeigt wird. Das mag u.a. daran liegen, dass Regisseur Joon-ho Bong seinen südkoreanischen Erzählstil nicht verbergen zu können scheint. Vielleicht wollte er das auch gar nicht. Mit Kang-ho Song taucht sogar einer dieser miesen Darsteller aus Bongs noch mieserem The Host auf. Der Film kann bei einem Budget von 39 Millionen Dollar ein finanzielles Risiko nicht von der Hand weisen. Umso überraschender ist es, dass gleich eine ganze Gruppe bekannter Schauspieler dieses Endzeit-Vorhaben durch ihr Mitwirken unterstützen.

Ein großes Fragezeichen

Chris Evans (Captain America, u.a.) und Tilda Swinton (Michael Clayton, u.a.) bilden die Hauptrollen, u.a. umgeben von Jamie Bell (Billy Elliot – I will dance, u.a.), John Hurt (Der Elefantenmensch, u.a.), Octavia Spencer (The Help, u.a.) und Ed Harris (Truman Show, u.a.). Ab dem 3. April 2014 werden sich die deutschen Zuschauer ein Bild davon machen können, ob dieser kuriose Endzeit-Mix ein Geheimtipp ist oder ein enttäuschender Geldverbrenner. Meine Prognose geht eher in die negative Richtung, aber ich lasse mich gerade in diesem Genre gerne eines Besseren belehren.

Depp spielt Gott, Crowe spielt Noah

Unter dem Label „Vorfreude“ sind wir dem Kinoeinlass immer einen Monat voraus. So beschäftige ich mich beispielsweise in diesem Text mit den Höhepunkten des Monats April. Ich habe mir überlegt meine Favoriten in einer Top 5 zu kategorisieren, denn schließlich will ich dem Namen „Vorfreude“ gerecht werden und kann trotzdem gewissenhaft von Empfehlungen sprechen.
 

5 Ein guter Film muss nicht immer tiefsinnig sein. Er kann auch einfach spannend sein, witzig oder einfach unterhaltend. Ich gebe gerne zu, dass ich bei American Hustle genauso meinen Spaß hatte, wie bei The Last Stand mit Arnold Schwarzenegger. Entscheidend ist die Erwartungshaltung. Wie der Zufall so will ist es auch Arnie, der mit Sabotage einmal mehr um sich ballert. Wenn mit Drehbuch-Autor Skip Woods (Password: Swordfish) und Regisseur David Ayer (End of Watch, u.a.) allerdings richtige Könner unter den Machern sind, dann kann dieser DEA-Thriller zusammen mit interessanten Nebendarstellern wie Terrence Howard (Prisoners, u.a.), Josh Holloway (Lost, u.a.) oder Mireille Enos (World War Z, u.a.) eine kleine Überraschung erzeugen.

4 Genau wie Sabotage kommt am 10. April Lego: The Movie in die Kinos. Der animierte Film mit dem Kult-Spielzeug hat das Potenzial den Kultstatus zu verteidigen. In den USA hielt der Film den hohen Erwartungen stand. Wochenlang Platz 1 und schon über 100 Millionen eingespielte Dollar bestätigen die Vorfreude. Die Story ist fast nebensächlich, die Hauptsache ist doch man erkennt seine Lieblingsfigur, wie z.B. Batman, Gandalf oder...ähm…Abraham Lincoln wieder. Mich erinnert dieser Effekt an das Rezept von Ralph reicht’s. Gesprochen werden die kleinen Helden u.a. von Liam Neeson, Elizabeth Banks, Will Ferrell und Morgan Freeman. 3D-Brillen festhalten und noch einmal zurück in die Jugend - ab geht‘s!

3 Darren Aronofsky (Black Swan, The Wrestler, u.a.) ist ein fantastischer Regisseur, dem ich sogar zutrauen würde der biblischen Geschichte um die Arche neues Leben einzuhauchen. Zottelkopf Russell Crowe (Gladiator, Les Miserables, u.a.) verkörpert Titelheld Noah, ansonsten mit dabei: Anthony Hopkins, Emma Watson und Jennifer Connelly (Blood Diamond, u.a.), die schon zusammen mit Crowe in A Beautiful Mind begeisterte (und den Oscar holte!). Der erste Trailer verspricht bildgewaltiges Kino und die Vermutung, dass die neue Interpretation etwas von der alten Geschichte abweicht macht den Film für mich nur interessanter. Schon ab dem 3. April heißt’s: Oh, leever Jott, jev uns Wasser!
 

2 Auge um Auge ist kein Remake des Dramas mit Sally Field und Ed Harris, sondern ein Selbstjustiz-Thriller mit meinen Lieblingen Christian Bale und Woody Harrelson. Als Russell sucht Bale ab dem 3. April 2014 nach seinem kleinen Bruder Rodney (Casey Affleck), der nach Geschäften mit skrupellosen Gangs und deren Anführer Harlan (Harrelson), spurlos verschwunden ist. Mit von der Partie sind außerdem noch Willem Dafoe (The Hunter, Antichrist, u.a.), Zoe Saldana (Star Trek, Avatar, u.a.) und Forest Whitaker (Der Butler, 8 Blickwinkel, u.a.). Keine Ahnung, ob sich das Kinogeld tatsächlich lohnt, der Cast verspricht jedenfalls einiges. Originaltitel: Out Of The Furnace.
 

1 Inception zählt zu meinen absoluten Lieblinsgfilmen und Wally Pfister ist der Kameramann, der für seine Arbeit an dem Nolan-Film mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Transcendence ist nun sein Regiedebüt. In diesem Film wollen zwei Computerwissenschaftler einen Durchbruch in der technologischen Singularität erreichen. Was das bedeutet erklärt Wikipedia wunderbar;) Na jedenfalls hat eine Organisation etwas dagegen und es kommt zum Konflikt. Johnny Depp (Sleepy Hollow, The Tourist, u.a.) in der Hauptrolle plus: Kate Mara, Paul Bettany, Morgan Freeman, Cillian Murphy, Rebecca Hall – was will man mehr? Der Trailer sieht optisch sehr vielversprechend aus. Ich freue mich darauf und hoffe, dass Depp endlich mal wieder einen Film hinbekommt, in dem er begeistert ohne zappelig und wirr zu sein.


Hi Filmfreunde!

Die tapferen 300 sind geschafft! Am 6. März 2014 habe ich für zelluloid.de meine 300. Filmkritik veröffentlicht. Eher zufällig ist Film Nr. 300 der durchschnittliche Pompeii von Paul W. S. Anderson. Im Nachhinein ärgerlich, denn nur eine Woche später wäre 300 – Rise of an Empire passender für das Jubiläum gewesen. Sei es drum, es hätte auch Dallas Buyers Club werden können. Leider dauerte es aber wie so oft bis meine Kritiken angenommen und veröffentlicht wurden. Umso schöner ist es, dass ich nun eigenständig entscheiden kann wann und wie ich Euch Filmperlen und Leinwandmüll nahelege.

Welche Kinokarte ist ihr Geld wert? Für welchen Film lässt man den Videotheken-Ausweis lieber zu Hause? Und was erwartet die Zuschauer in ein paar Monaten? Ihr wollt’s wissen? Dann seid Ihr hier richtig! Wer schon immer mal Dampf ablassen wollte über eine Kritik, wer findet, dass nicht jeder gute Film ein Drama sein muss und wer meint, dass sein Lieblings-Schauspieler nicht ausreichend gewürdigt wurde – der ist hier ebenfalls eingeladen mit mir und anderen Filmfanatikern zu diskutieren. 


Und sonst? Nebenbei möchte ich Euch auf die Apokalypse vorbereiten. Macht auch nicht jeder. Außerdem werde ich deutsche Filmtitel durch den Kakao ziehen und versuchen Euch mein Lieblings-Genre („Mockumentaries“) schönzureden;) Liked mich auf Facebook, folgt mir auf Twitter und vor allem: Lasst Wünsche, Kritik und Feedback hier.

Yippeahee, Schweinebacken!