Dienstag, 11. November 2014

Der Filmtipp: Nightcrawler - Jake Gyllenhaal geht über Leichen, mit Kamera!

In den Nachrichten habe ich vor kurzem von einem Unfall gehört, bei dem das Opfer von einem Wagen erfasst und von einem zweiten Auto überrollt wurde. Vor kurzem sah ich die Vorpremiere eines Films, in dem Menschen bei exakt solchen Katastrophen - nur um eine gute Story zu liefern - sofort zur Stelle sind und…die Kamera draufhalten! Der Thriller hieß Nightcrawler und er präsentiert uns die Mediengegenwart mit einer sehr konsequenten Härte. Seine Hauptfigur ist charismatisch, kaputt und unmoralisch – und genau deshalb wie gemacht für den Job.  

Worum es geht: Lou Bloom glaubt fest an seine eigene Interpretation des amerikanischen Traums. Er hält sich mit kleinen Diebstählen und Trickbetrügen über Wasser. Dann begegnet er Nightcrawlern. Filmteams, die den Polizeifunk abhören mit dem Ziel, Fotos von Unfällen und Tatorten zu machen. Diese werden dann für gutes Geld ans Frühstücksfernsehen verkauft. Je blutiger, desto besser. Stimmt die Quote, stimmt das Geld. Moral bleibt auf der Strecke. Lou schmiedet seinen eigenen Karriereplan, für den er bereit ist teure Opfer zu bringen.


Sensationsjournalismus - die Saat des Bösen

Für mich als Medienmensch hat dieses Werk noch einmal einen ganz speziellen Beigeschmack. Regie-Debütant Dan Gilroy (schrieb auch das Drehbuch) verteilt ordentlich Seitenhiebe auf den prostituierten Boulevard Journalismus von heute und seine voyeuristischen Konsumenten. Hin und wieder etwas zu plakativ, aber deshalb nicht weniger realistisch. Vielmehr steht die Person im Vordergrund, die im Stande ist diese Arbeit ohne schlechtes Gewissen auszuführen. Dieser Jemand ist Lou Bloom, großartig gespielt von Jake Gyllenhaal (Brokeback Mountain, Source Code, u.a.).

© Concorde Filmverleih GmbH
Wenn ich großartig sage, dann meine ich das so. Nicht gut, sondern preisverdächtig. Nicht weil er für die Rolle 9kg abgenommen hat, sondern weil er seiner Person Kultstatus verleihen wird. Der Zuschauer ist fasziniert und angewidert gleichzeitig. Lou ist ein perfider Klugscheißer, ehrgeizig und fanatisch. Allein diese intensive Mimik, dieses bitterböse Grinsen bei völliger Überzeugung von dem, was er tut. Krank. Obgleich sichtbar manipulativ, am Ende zählt auch für sein Umfeld nur das Honorar und die Quote. Gyllenhaal darf sich nach End of Watch, Prisoners und Enemy hiermit nun definitiv zur ersten Liga Hollywoods zählen.

120 Minuten Spannung pur!

Doch ich will die Klasse des Films nicht allein an Jake alleine festmachen. Auch bildtechnisch macht der Streifen einiges her. Die Nachtaufnahmen von Los Angeles passen perfekt in die Atmosphäre dieser bitterbösen Story. Generell erinnert mich die Optik an Werke wie Sieben oder 8mm. Das ist auch kein Zufall, an der Kamera saß schließlich Oscargewinner Robert Elswit, der u.a. 8mm filmte. Und der Sound? Der wurde ebenfalls grandios eingestreut von James Newton Howard, dessen Scores ich schon in der Dark-Knight-Trilogie und der Hunger-Games-Reihe klasse fand. Die Kamera ist mal hektisch, mal ganz auf die Figur konzentriert, während der Ton eher den Spannungsbogen untermalt. Klasse Gesamtwerk!

© Concorde Filmverleih GmbH
Was mir außerdem gefällt ist, dass bei den Nebenrollen nicht auf aktuell angesagte Namen geachtet wurde, sondern auf Schauspieler, die ihre Figuren passend zur Geschichte darstellen konnten. Bill Paxton (Twister, Aliens – Die Rückkehr, u.a.) mit seiner großen „Reporter“-Klappe, Riz Ahmed (nominiert für den Gotham Independent Film Award) als frustrierter, leicht zu manipulierender Partner von Lou. Und schließlich Rene Russo (Outbreak, Kopfgeld, u.a.), die mit ihren 60 Jahren eine gute Figur macht. Mit ihrem Filmcharakter – Medienchefin Nina - schließt sich der Kreis der Mediensatire. Die zweifelhaften, zweigleisigen Gefühle Ninas in Bezug auf Lou bringt sie routiniert und beeindruckend rüber.


Fazit: Nightcrawler ist ein echter Klassiker. Jake Gyllenhaal zeigt hier vollen Gesichtseinsatz und seine vielleicht beste Leistung so far. Man möchte Lou schlagen, aber man muss schmunzeln. Der Film ist geprägt von einer traurig-authentischen Botschaft, die so spannend und bissig inszeniert wurde, dass der Zuschauer das Kino mit gemischten Gefühlen verlässt. Niemals vergisst man Gyllenhaals Blick, wenn er Lous Lieblingsargument ausspricht: „I will never ask you to do anything, that I wouldn't do myself!“ Ganz großes Kino!

2 Kommentare:

  1. Klingt großartig. Mit der Besetzung und dem Thema kann eigentlich kaum was schief gehen. Kommst sofort auf meine Watchlist!

    LG

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