In den Nachrichten habe ich vor kurzem von einem Unfall
gehört, bei dem das Opfer von einem Wagen erfasst und von einem zweiten Auto
überrollt wurde. Vor kurzem sah ich die Vorpremiere eines Films, in dem Menschen bei exakt solchen Katastrophen - nur um eine gute Story
zu liefern - sofort zur Stelle sind und…die Kamera draufhalten! Der Thriller hieß Nightcrawler und er präsentiert uns die Mediengegenwart mit einer sehr konsequenten Härte. Seine Hauptfigur ist
charismatisch, kaputt und unmoralisch – und genau deshalb wie gemacht für den
Job.
Worum es geht: Lou Bloom glaubt fest an seine eigene
Interpretation des amerikanischen Traums. Er hält sich mit kleinen Diebstählen
und Trickbetrügen über Wasser. Dann begegnet er Nightcrawlern. Filmteams, die
den Polizeifunk abhören mit dem Ziel, Fotos von Unfällen und Tatorten zu
machen. Diese werden dann für gutes Geld ans Frühstücksfernsehen verkauft. Je
blutiger, desto besser. Stimmt die Quote, stimmt das Geld. Moral bleibt auf der
Strecke. Lou schmiedet seinen eigenen Karriereplan, für den er bereit ist teure
Opfer zu bringen.
Sensationsjournalismus - die Saat des Bösen
Für mich als Medienmensch hat dieses Werk noch einmal einen
ganz speziellen Beigeschmack. Regie-Debütant Dan Gilroy (schrieb auch das
Drehbuch) verteilt ordentlich Seitenhiebe auf den prostituierten Boulevard Journalismus
von heute und seine voyeuristischen Konsumenten. Hin und wieder etwas zu plakativ,
aber deshalb nicht weniger realistisch. Vielmehr steht die Person im
Vordergrund, die im Stande ist diese Arbeit ohne schlechtes Gewissen
auszuführen. Dieser Jemand ist Lou Bloom, großartig gespielt von Jake
Gyllenhaal (Brokeback Mountain, Source Code, u.a.).
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| © Concorde Filmverleih GmbH |
Wenn ich großartig sage, dann meine ich das so. Nicht gut,
sondern preisverdächtig. Nicht weil er für die Rolle 9kg abgenommen hat,
sondern weil er seiner Person Kultstatus verleihen wird. Der Zuschauer ist
fasziniert und angewidert gleichzeitig. Lou ist ein perfider Klugscheißer, ehrgeizig
und fanatisch. Allein diese intensive Mimik, dieses bitterböse Grinsen bei
völliger Überzeugung von dem, was er tut. Krank. Obgleich sichtbar manipulativ,
am Ende zählt auch für sein Umfeld nur das Honorar und die Quote. Gyllenhaal
darf sich nach End of Watch, Prisoners und Enemy hiermit nun definitiv zur
ersten Liga Hollywoods zählen.
120 Minuten Spannung pur!
Doch ich will die Klasse des Films nicht allein an Jake alleine festmachen. Auch bildtechnisch macht der Streifen einiges her. Die Nachtaufnahmen
von Los Angeles passen perfekt in die Atmosphäre dieser bitterbösen Story.
Generell erinnert mich die Optik an Werke wie Sieben oder 8mm. Das ist auch kein
Zufall, an der Kamera saß schließlich Oscargewinner Robert Elswit, der u.a. 8mm
filmte. Und der Sound? Der wurde ebenfalls grandios eingestreut von James Newton
Howard, dessen Scores ich schon in der Dark-Knight-Trilogie und der
Hunger-Games-Reihe klasse fand. Die Kamera ist mal hektisch, mal ganz auf die
Figur konzentriert, während der Ton eher den Spannungsbogen untermalt. Klasse
Gesamtwerk!
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Was mir außerdem gefällt ist, dass bei den Nebenrollen nicht
auf aktuell angesagte Namen geachtet wurde, sondern auf Schauspieler, die ihre
Figuren passend zur Geschichte darstellen konnten. Bill Paxton (Twister, Aliens
– Die Rückkehr, u.a.) mit seiner großen „Reporter“-Klappe, Riz Ahmed (nominiert
für den Gotham Independent Film Award) als frustrierter, leicht zu
manipulierender Partner von Lou. Und schließlich Rene Russo (Outbreak,
Kopfgeld, u.a.), die mit ihren 60 Jahren eine gute Figur macht. Mit ihrem Filmcharakter – Medienchefin Nina - schließt sich der Kreis der Mediensatire. Die
zweifelhaften, zweigleisigen Gefühle Ninas in Bezug auf Lou bringt sie
routiniert und beeindruckend rüber.
Fazit: Nightcrawler ist ein echter Klassiker. Jake
Gyllenhaal zeigt hier vollen Gesichtseinsatz und seine vielleicht beste
Leistung so far. Man möchte Lou schlagen, aber man muss schmunzeln. Der Film
ist geprägt von einer traurig-authentischen Botschaft, die so spannend und
bissig inszeniert wurde, dass der Zuschauer das Kino mit gemischten Gefühlen verlässt.
Niemals vergisst man Gyllenhaals Blick, wenn er Lous Lieblingsargument
ausspricht: „I will never ask you to do anything, that I wouldn't do myself!“
Ganz großes Kino!









Klingt großartig. Mit der Besetzung und dem Thema kann eigentlich kaum was schief gehen. Kommst sofort auf meine Watchlist!
AntwortenLöschenLG
Kann ich Dir mit bestem Wissen empfehlen! :) LG Micha
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