Was haben mich Trailer und Social Media scharf auf den
vorletzten Teil der Hunger-Games-Reihe gemacht. Auf diversen Filmportalen wurde
Jennifer Lawrence (Silver Linings, American Hustle, u.a.) als Action-Göttin gefeiert, während andere von großer Revolution
sprachen. Der Tod von Philip Seymour Hoffmann (Moneyball, Glaubensfrage, u.a.) brachte das Franchise abermals in
die Medien. Kein Wunder also, dass es mich nach einem starken zweiten Film mit
Bomben-Cliffhanger sofort in die Vorpremiere verschlug. Und nun? Ernüchterung
pur.
Worum es geht: Entgegen der Geschichtsschreibung des Kapitols existiert
District 13 doch noch. Die Rebellen haben sich dort verschanzt und warten in
unterirdischen Kleinstädten auf ihren Rückschlag. Damit dieser von Erfolg gekrönt wird und sich
alle Districte gegen das Regime des Kapitols verbünden, wird Katniss Everdeen als Mittel zum Zweck benötigt. Ihr Gesicht soll als Propagandamittel eingesetzt werden. Doch diese Aufgabe
klingt leichter als gesagt, denn das Kapitol hat ein Ass im Ärmel: Peter
Mellark.
Jede Menge "Shades of Grey"
Zwei Stunden und drei Minuten lang möchte Mockingjay 1 der
erwachsene Bruder seiner beiden Vorgänger sein und kommt sichtlich düsterer und
schwerer daher. Trotz der Mediensatire in Film 1 und 2 besaßen diese auch immer
einen abenteuerlichen Touch. Dieser ist nun dem politischdramatischen Umständen
vollständig gewichen. So ziemlich jede zweite Szene ist in Grautönen gehalten,
selbst neu eingeführte Figuren fallen durch Tattoos oder ergraute Haare auf.
Die schrillen Figuren Haymitch Abernathy, Effie Trinket und Caesar Flickerman
wurden auf Ernsthaftigkeit reduziert, Jennifer Lawrence mimt auf dauerdepressiv
und zerstreut.
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| "Grau, grau, grau, sind alle meine Kleider" (© Studiocanal) |
Meine Frage hier wäre allerdings: Wie soll bitte dieser
Umschwung ins völlig ernste Kriegsthema mit einer Jugendfreigabe ab 12
funktionieren? Die Antwort lautet „gar nicht“, doch das wird fein ignoriert,
denn schließlich machen Teenager einen unberechtigten Großteil der Kinogänger
aus. Es hätte so gut werden können. Gerade der Medienkrieg und die Propaganda
sind angesichts Krim, IS und Co so aktuell wie nie. Eine Dystopie ab 12 ist
aber noch nicht schlimm genug, natürlich muss das letzte Buch gleich in zwei
Filme zerteilt werden, damit auch ausreichend Asche damit gemacht werden kann.
Bitte (nicht) lächeln
Jennifer Lawrence ist immer dann am stärksten, wenn sie
satirisch oder sarkastisch auftritt. Ihre trauernde Fratze ist im Vergleich
dazu (Ausnahme: Gefühlsausbruch beim Lazarett in District 8) richtig nervig. In mir weckt ihr
Versuch die gebrochene zu spielen jedenfalls keine Emotionen. Das schaffen
höchstens ein Berg verkohlter Leichen in District 12 oder der Zerfall von Peeta
Mellark (Josh Hutcherson). Lawrence aber bleibt unter ihren Möglichkeiten. Am Ende müssen
blutunterlaufene Augen die fehlende Dramatik erzwingen, die von ihr ausgeht.
Das wird nur noch unterboten von Liam Hemsworths Dauermimik. Donald Sutherland
und Philip Seymour Hoffmann geben eine deutlich bessere Figur ab. Alle weiteren
Mitstreiter bleiben belangloses Beiwerk.
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| "Pfeifen" auf den Spotttölpel - District 8 (© Studiocanal) |
Auch wenn die erste Hälfte des Buches Flammender Zorn nicht
viel Fläche für pure Action bot, so hätten die Drehbuchautoren Peter Craig und
Danny Strong wenigstens etwas flexibler arbeiten können, als nur noch Reden
einzuwerfen. Rede Coin, Rede Snow, Rede Everdeen, Rede Coin, Rede Coin, Rede
Finnick,…und so geht das den ganzen Film lang. Einzig interessant hierbei ist
Coins Wandlung von blutleerer Rednerin zum ermutigten Propagandaschwinger. Es
ist so deutlich zu spüren, dass die Geschichte künstlich in die Länge gezogen
wurde. Da hilft es auch nicht, wenn Katniss mit einem Pfeil gleich zwei Kampfflieger
vom Himmel holt oder ihre sonst so clevere Schwester lieber ihre fette Katze sucht, als sich hinter die sich schließenden Tore zu retten. So 80er…
Fazit: Die Tribute von Panem: Mockingjay 1 mag nah an der
Geschichte liegen. Geopfert wird dafür aber die Spannung. Das bisschen
Propagandasatire reicht nicht aus, um den Film sofort als reifer oder klüger zu
verteidigen. Er ist nichts weiter als ein blutleerer Appetizer für’s große
Finale. Ich kann nur hoffen, dass die vielen interessanten Darsteller und
Figuren noch die Screentime erhalten, die sie verdienen. Jetzt plötzlich
innerhalb der Reihe einen auf Nolan zu machen passt nicht. Ich bin enttäuscht
und doch optimistisch.









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