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Donnerstag, 15. Mai 2014

Gigantisches Comeback für Godzilla: Eine Naturgewalt erfindet sich neu

Ein Dröhnen zieht durch Ohren und Knochenmark, der Boden beginnt zu erzittern. Rauchwolken und Lichtblitze versperren die Sicht, eine hundert Meter hohe Silhouette. Dann donnert es durch den Himmel, dieses Grölen, dass Filmgeschichte schrieb. Godzilla ist zurück. Und wie! 

Roland Emmerich versetzte 1998 die Fans von „Gojira“ schon einmal in Angst und Schrecken, allerdings aus anderen Gründen. Weder Anhänger, noch Filmkritiker konnten sich mit dem mutierten Leguan anfreunden. Einige nennen Emmerichs Monster daher „G.I.N.O“, Godzilla In Name Only. Andere nannten ihn nur noch „Zilla“, weil von „God“ nicht mehr viel übrig sei. Danach traute sich niemand in Hollywood einen zweiten Versuch zu starten. Wäre da nicht Regie-Newcomer Gareth Edwards, der mit dem Independent Movie Monsters erst einen Kinofilm im Lebenslauf vorweisen konnte. Doch gerade er hat das Gefühl, die Geschichte und den Willen der Fans verstanden. Sein Godzilla ist ein Meilenstein, der Anfang einer neuen Ära.

Originell neu, aber dem Original treu

Tatsächlich ist der neue Film über das Kultmonster mehr als nur ein Franchise-Reboot, weil er anders als viele Genre-Konkurrenten Geduld und Detailverliebtheit birgt. Edwards adelt das 54er Original, schenkt ihm zig Liebeserklärungen. Seine Story beginnt nicht nur in Japan, um die asiatische Herkunft zu untermalen. Er bezieht sich direkt auf den Klassiker. So trägt Ken Watanabe (Inception, Last Samurai, u.a.) z.B. im Film den Nachnamen Dr. Serizawa. So hieß auch der Wissenschaftler, der im Original den Oxygen-Zerstörer erfand und damit die Menschheit rettete. Atombombentests im Bikini-Atoll werden als Tötungsversuch enttarnt, im Jahre 1954. Dem Jahr, in dem der erste Godzilla über die Leinwand trampelte. Auch dieses Mal spielt atomare Strahlung eine große Rolle, auch wenn sie richtigerweise durch weitere Erkenntnisse und elektromagnetische Impulse ergänzt wird. 

Monster verkürzen die Wartezeit

In der ersten Hälfte des Films quält Edwards den Zuschauer liebevoll. Er nimmt sich „ungeheuer“ viel Zeit für Hintergrundinfos, Figureneinführungen und einige Überraschungen. Es dauert bis sich der Titelheld auf der Bildfläche austobt. Dafür nehmen MUTOs einen großen Platz ein, was gerade für Fans von Cloverfield eine große optische Freude sein wird. MUTO steht für „Massive Unidentified Terrestrial Organism“ und bezeichnet weitere im Film auftauchende Kaijus. Schon in Pacific Rim lernten wir, dass Kaiju japanisch ist und für fremdartige Riesenmonster steht. Im Film werden die Kreaturen, auch Godzilla, eher als Naturgewalt verstanden und so naturgemäß verhalten sie sich auch. Wenn sie auf Städte treffen, dann folgen sie einem Instinkt, der sie auch berechenbar macht. Die tierischen Handlungen sorgen für viel Authenzität. Schon der „Ausbruch“ zu Beginn ist intensiv und spannend, mehr sei aber noch nicht verraten. 

Große Namen, viel Zeit, wenig Möglichkeiten

Die Darsteller erhalten viel Screen-Time, haben aber kaum die Möglichkeit ihre Rollen zu entfalten. Das ist aber nicht wirklich schlimm. Warum? Die Hauptrolle besitzt nun mal die Natur. Umso schöner ist es, dass in jeder kleinsten Rolle Profis am Werk sind. Wenn zum Beispiel Oscar-Gewinner oder Anwärter wie Sally Hawkins (Blue Jasmine, u.a.), David Straithairn (Lincoln, u.a.) oder Juliette Binoche (Chocolat, u.a.) in Nebenrollen spielen, dann ist das eine sichere Nummer. Dazu die ohnehin charismatischen Gesichter von Bryan Cranston (Breaking Bad, u.a. und Ken Watanabe. Gut, Elizabeth Olsen geht leider etwas unter, aber Aaron Johnson (Kick Ass, u.a.) macht als menschliche Hauptfigur alles richtig. Er mimt nicht den Alleskönner und Weltenretter, sondern er ist menschlich, einfach mittendrin und beobachtet wie alle anderen das Geschehen – mit minimalem Einfluss. 

Godzilla macht jetzt auf seriös - zum Glück!

Zum Glück wird auf plumpe 90er Jahre Gags verzichtet. Es gibt auch keinen US-Präsidenten, der große Reden vorm Rest der Welt schwingt. Keine Macho-Sprüche, keine Armee-Lobeshymnen. Der neue Godzilla wird nicht auf einer Brücke erschossen, er marschiert durch sie durch. Selbst bei den biologischen und chemischen Erklärungen sowie physikalischen Gegebenheiten versucht der Film so nah wie möglich an einer eventuellen Realität zu bleiben. Das reicht hier völlig aus. Auch das große Staunen wird in Grenzen gehalten, weil die Verantwortlichen schnell wissen mit wem sie es zu tun haben und was man dagegen tun kann. Spannung wird dadurch trotzdem nicht geraubt. Die vielen Trailer leiten einen jedenfalls mehrmals in die Irre und vieles kommt anders als man denkt. Ein weiterer positiver Effekt.

Roarrrrr! Das Staunen nimmt kein Ende

So, genug gefaselt. Wie macht sich der Dicke? Er macht seine Sache großartig! Sobald Godzilla in Erscheinung tritt sorgt er für die eindrucksvollsten Momente des Films. Die Effekte sind stilsicher und bildgewaltig, auch in 3D. Die sehr düstere Optik und die rasanten Kamerafahrten sorgen für eine beklemmende, hektische Atmosphäre, die ständig Achterbahn fährt zwischen atemberaubenden Panorama-Shots und unvergleichlicher Detailtreue bei Nahaufnahmen. Der epische Score von Alexandre Desplat passt dazu wie die Faust aufs Auge. Hin und wieder wird der Sound perfekt mit Stille unterbrochen, nämlich dann wenn einem vom Anblick der Kreatur der Atem stockt. Das ist geballte Ladung Power. Das ist Godzilla. So und nicht anders muss der König der Monster gezeigt werden. 

Fazit: Godzilla ist erst Gareth Edwards‘ zweiter Kinofilm und trotzdem schon jetzt ein moderner Klassiker. Fans der alten Schule dürften ebenso Gefallen am Film finden, wie Freunde von Cloverfield oder Pacific Rim. Sehr dezente, aber gewaltige Action. Grandiose Bilder und ein toller Score belohnen den Zuschauer nach einer anfangs längeren Warterei. Großes Kino, für mich das Blockbuster-Highlight des Jahres. Schon jetzt!
 

Donnerstag, 8. Mai 2014

Einmal Hans mit scharfer Soße zum Mädelsabend - Filmtitel im Juni 2014

Die Schadenfreundinnen – Drei sind zwei zu viel hat für den Monat Mai gut vorgelegt. Wenn es um bekloppte deutsche Filmtitel geht würde ich ihn sogar zum Favoritenkreis auf den Jahresgewinn zählen. Trotzdem gibt es auch im Juni wieder einige interessante Interpretationen zu bestaunen. Dieses Mal steht eigentlich eher die Frage im Raum, warum selbst kurze, prägnante Titel auf Deutsch so völlig neu benannt wurden. 

Ein super Beispiel dafür ist Unter Beobachtung (ab 26. Juni 2014), dem Thriller mit Eric Bana und Rebecca Hall. Der Film ist bestimmt ganz interessant, warum Closed Circuit aber diesen stereotypischen Namen bekommen hat, man weiß es nicht. Ebenso verhält es sich mit meinem Juni-Tipp No Turning Back (19. Juni 2014). Das Original heißt Locke. Warum? Tom Hardy spielt die Hauptfigur Ivan Locke. Einfach zu simpel. 

Immer wieder werden Originaltitel ausgetauscht, manchmal für besseres Verständnis, häufig weil trashige 0/8/15-Titel schon früher funktionierten. Beide oben genannten Filme entsprechen diesem Muster. In meine Top 5 passen sie trotzdem nicht, denn dort habe ich dieses Mal eine kleine Überraschung parat. Der Monatssieger kommt aus unserem Lande und besitzt daher gar keinen englischen Originaltitel. Nein, wir sind auch ganz ohne Vorlage dazu fähig mit bescheuerten Filmnamen Aufmerksamkeit erregen zu wollen (siehe Kokowääh). Um welchen Film es geht und welche Streifen sich noch in der Juni-Auswahl befinden: 

Platz 5

Bei Frankreichs nationalem Filmpreis César konnte Sarah Forestier in Suzanne (12. Juni 2014) als beste Darstellerin überzeugen. Warum in unserem Lande der nach Kitsch triefende Titel Die unerschütterliche Liebe der Suzanne gewählt wurde bleibt mal wieder ein Geheimnis, dass nur die Täter lüften können. 

Platz 4

Am 12. Juni 2014 kommt The Pirate Fairy in die deutschen Kinos. Das ist nicht nur ein mies getrickster Animationsfilm und der traurige Versuch den Fluch der Karibik für kleine Mädchen zu inszenieren. Wir kennen diesen Schrott unter dem Namen Tinkerbell und die Piratenfee. Würg. 

Platz 3

The Fault In Our Stars ist die Verfilmung des gleichnamigen Beststellers von John Green. Wenn also das Krebs- und Beziehungsdrama (u.a. mit Laura Dern und Willem Dafoe) schon durch seinen Namen bekannt ist, wieso muss es dann bei uns Das Schicksal ist ein mieser Verräter (12. Juni 2014) heißen? 

Platz 2

Kennt Ihr Brautalarm? Männertrip? Alles Komödien, die im Original anders heißen und besser klingen. Mädelsabend (26. Juni 2014) macht da keine Ausnahme, in Amerika hört das Filmchen mit Elizabeth Banks auf den Namen Walk of Shame. Da kann man von Glück reden, dass Hangover bei uns nicht „Wilde Jungs“ oder so heißt. 

Platz 1

Ich hatte es bereits angedeutet, der Monatssieger kommt aus Deutschland. Journalistin Hatice will bzw. muss dringend heiraten. Sie will keinen Türken, Deutsche sind ihr zu langweilig. Der Buch-Titel gleicht dem Filmtitel und dieser verrät, was sie will. Festhalten: Einmal Hans mit scharfer Soße..Ha..ein Brüller. Bei uns am 26. Juni 2014 im Kino, falls es jetzt noch jemanden interessiert.

 

Samstag, 3. Mai 2014

Fast nix los im Juni - wären da nicht Tom Hardy und Paul Walker

Ich hatte es schon einmal erwähnt, der Juni 2014 ist kinotechnisch eine Katastrophe. Normalerweise stelle ich zum Monatsbeginn immer meine fünf Highlights des darauffolgenden Monats vor. Dieses Mal aber kann ich keine fünf Filme reinen Gewissens empfehlen. Viel mehr möchte ich Euch noch einmal drei Filmperlen des Monats Mai vorstellen, die zwischen Godzilla, X-Men und Edge of Tomorrow vom Publikum übersehen werden könnten.

Im Mai gibt's noch Geheimtipps!

Da wäre zum Beispiel Stereo mit Moritz Bleibtreu (Das Experiment, Der Baader Meinhof Komplex, u.a.) und Jürgen Vogel (Die Welle, Barfuss, u.a.), der zu einem echten Klassiker des deutschen Genre-Thrillers werden könnte. Die Story klingt jedenfalls spannend und mal so gar nicht nach dem heimischen Einheitsbrei. Aus Amerika wird uns Nächster Halt: Fruitvale Station serviert, dem nicht mal halb so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, wie dem neuen Hercules und den Schadenfreundinnen. Michael B. Jordan (Chronicle, Für Immer Single?, u.a.) spielt Oscar Grant, der in der Silvesternacht 2008 von Polizisten in der U-Bahn San Franciscos erschossen wurde. Ein absoluter Festival Hit! 

Film Nummer 3 ist Denis Villeneuves Enemy, der genau wie dessen Prisoners wieder mit Jake Gyllenhaal (Source Code, Zodiac, u.a.) in der Hauptrolle besetzt wurde. Dieser spielt den lethargischen Geschichtsprofessor Adam, der glaubt in einem Schauspieler sein zweites Ich gesehen zu haben und dessen Geschichte von nun an mit seiner zu verschwimmen droht. Wer also mal etwas anderes, als die großen Blockbusterfilme sehen möchte: Nächster Halt: Fruitvale Station läuft seit Donnerstag, Stereo startet am 15. Mai und Enemy kommt am 22. Mai auf die Leinwand. Gut, drei Highlights für den Juni habe ich dann doch noch gefunden:

3 Brick Mansions ist nicht nur ein Remake des französischen Actionstreifens Banlieue 13, es ist auch einer der letzten Filme, in denen der am 30. November 2013 durch einen Verkehrsunfall verstorbene Paul Walker (Fast and the Furious, Spritztour, u.a.) mitwirkte. Auch wenn die Gauner-und-Cop-gegen-Drogenboss-Story nicht gerade neu ist, sie bietet wenigstens für die Fans des verstorbenen Darstellers noch einmal ein letztes Aufeinandertreffen im Kinosaal. Immerhin schrieb Luc Besson (Leon – der Profi, 96 Hours, Das 5. Element, u.a.) am Drehbuch mit, vielleicht springt dabei also ein kleiner Geheimtipp bei raus. Start: 5. Juni 2014, den Trailer gibt's HIER.

2 Regisseur Richard Linklater (Before Sunrise, School of Rock, u.a.) holte bei den Internationalen Filmfestspielen von Berlin 2014 den Preis für seine Regie-Arbeit an Boyhood. In diesem Film geht es um die Entwicklung eines Scheidungskindes vom sechsten Lebensjahr bis zur Volljährigkeit. Das Besondere an der Machart dieses Films ist, dass der Dreh schon 2002 begann und sich die Schauspieler, u.a. Ethan Hawke (Beforde Midnight, The Purge, u.a.) seitdem in regelmäßigen Abständen trafen, um den Film weiterzudrehen und so authentischer werden zu lassen. Im Netz überschlagen sich die Filmkritiker schon jetzt mit Lob. Start: 5. Juni 2014, den Trailer gibt's HIER.

1 Unter Beobachtung heißt Steven Knights (Redemption, The Detectives, u.a.) Thriller mit Eric Bana (Troja, Star Trek, u.a.), der am Monatsende ins Kino kommen wird. Schon vorher präsentiert er dem deutschen Zuschauer sein Ein-Mann-Kammerspiel No Turning Back mit einem Tom Hardy (The Dark Knight Rises, Warriors, u.a.), der die Netzkritiker jubeln lässt. Mit nur einer Kameraperspektive verfolgt der Film 85 Minuten lang, wie Baustellen-Manager Ivan Locke vom Auto aus und nur mit einem Telefon bewaffnet sein eigentlich vorbildliches Lebensidyll organisieren und am Ende sogar retten muss. Start: 19. Juni 2014, den Trailer gibt's HIER.

Samstag, 26. April 2014

Transcendence - Wie Johnny Depp sich hochlädt und tief fällt

Wovon handelt eigentlich Transcendence? Kurz und knapp: Es geht um technologische Singularität und die komplexe Arbeit an einem Supercomputer, der das gesamte Wissen der Welt mit dem vollen Gefühls- und Emotionsspektrum eines Menschen in sich aufnimmt. Dies gelingt im Film durch die Vernetzung eines lebenden Gehirns mit der Festplatte eines Rechners. Erinnerungen und Bewusstsein werden als Datenträger abgespeichert. Daraus entsteht ein vermeintlich fühlendes Programm, welches über einen Pixel-Avatar mit der Außenwelt kommuniziert. Es strebt nach Weiterentwicklung und praktischer Ausschöpfung seines Potenzials, weshalb es an das Internet angeschlossen werden will.

„Klar soweit?“ 

Okay, Standbildpause. Johnny Depp und Rebecca Hall spielen das Wissenschaftlerpärchen Will und Evelyn Caster, das sich mit dem oben genannten Gebiet befasst. Nach einer Konferenz verübt eine technikfeindliche Untergrundorganisation Anschläge auf sämtliche Wissenschaftler, die sich mit künstlicher Intelligenz befassen. Will wird verseucht und liegt im Sterben. Um seine Arbeit zu vervollständigen und seine Seele nicht ganz zu verlieren beschließt Evelyn zusammen mit ihrem gemeinsamen Freund Max (Paul Bettany) sein Hirn mit einem Supercomputer zu vernetzen. Dieser Computer speichert alle Informationen ab, kurz darauf stirbt Will. 

Doch dann der Durchbruch. Will kehrt als Programm mit Avatar, Stimme und Erinnerungsvermögen zurück auf den Bildschirm des Rechners. Er saugt sämtliches Wissen der Welt auf und plant den Anschluss ans Internet, um sein Wissen anzuwenden. Während Evelyn glaubt den Geist und die Seele ihre toten Mannes gerettet zu haben, fangen Computerspezialist Tagger (Morgan Freeman), FBI-Agent Buchanan (Cilian Murphy) und Max an zu zweifeln. Und sie sollten Recht behalten. Helfen können vielleicht nur Bree (Kate Mara) und ihre Technikgegner – die Mörder von Will. 

Wo Wikipedia nicht mehr ausreicht

Die Idee der Geschichte ist schwere Kost, aber trotzdem sehr interessant. Leider kann man als Ottonormalverbraucher nie wirklich nachvollziehen, wie realistisch oder wie unlogisch die Handlung gestrickt ist. Wills Möglichkeiten werden erst einmal hingenommen und die zugegeben beeindruckenden Bilder lenken hin und wieder vom Zweifeln ab. Auf technischer Ebene bin ich also ehrlich und konsumiere einfach. Was mir aber nicht gefällt sind die Charakterzeichnungen. Johnny Depp, endlich mal wieder in einer „normalen“ Rolle, sticht allein durch sein Können und sein Charisma dabei heraus.
Vor allem als Pixel-Face wirkt er.


Alle anderen Darsteller bleiben farblos. Während es Rebecca Hall noch ansatzweise gelingt Emotion und eine verzweifelte Liebe auf die Leinwand zu übertragen, sind die Beweggründe von Bree und ihrer Organisation in ein, zwei Sätzen abgehandelt. Und für mich damit ungeklärt oder zumindest nicht ausreichend dargestellt. Paul Bettanys Figur, dessen Beziehung zum Paar oder sein innerer Zwiespalt hätten gerne intensiver beleuchtet werden können und was Morgan Freeman und Cilian Murphy angeht – ihre Charaktere hätte man sich sogar komplett sparen können.

Still & steril & trotzdem zuviel

Wer einen Actionkracher erwartet, der irrt. Transcendence ist kein zweiter Inception, obgleich bekannte Gesichter dabei sind und Regisseur Wally Pfister damals als Kamermann mitwirkte. Doch eben die fehlende Tiefe lässt einen Vergleich mit Christopher Nolans Werk nicht zu. Stattdessen gibt es viel ruhige Momente, langgezogene Szenen und Panorama-Aufnahmen. Sterile Atmosphäre statt SciFi-Abenteuer oder Weltuntergang. Ohne Frage besitzt der Streifen einen futuristischen Glanz mit netten Effekten. Das völlig überladene Finale aber strapaziert Nerven und Hirn – nicht jeder kann sich schließlich den Luxus leisten diese auf Festplatte zu speichern.

Fazit: Transcendence vermeidet das, was Dr. Will Caster als Computerprogramm tat: Potenzial ausschöpfen. Die interessante Geschichte ist zu schwierig um beiläufig erzählt zu werden und zu den Figuren wird zu wenig Nähe entwickelt. So bleibt am Ende ein Film, der optisch ganz nett und auch spannend ist, aber am Ziel weit vorbei schießt. Trotzdem macht er nachdenklich und hinterlässt Eindruck. Für mich aber eine Enttäuschung, denn ich hatte nicht einen "Kann-man-mal-gucken"-Movie erwartet, sondern ein Jahreshighlight.

 

Afflicted - Ein One Night Stand in Paris und seine Folgen

Dane DeHaan ist ein aufgehender Stern in der Filmbranche. Zuletzt hatte er Auftritte in Lincoln, The Place Beyond The Pines und The Amazing Spiderman 2: Rise of Electro. Woher der Karriereschub? Die Antwort lautet Chronicle – Wozu bist Du fähig?, dem wohl besten Found-Footage-Movie der vergangenen Jahre. Es war vor allem die innovative Story, die frischen Kamerafahrten und Effekte und eben DeHaans Leistungen, die den Film zur Genre-Perle aufsteigen ließen. Nun bahnt sich mit Afflicted ein Film an, der einen ähnlichen Weg geht. Und doch scheint er völlig anders zu sein.

Derek Lee und Cliff Prowse sind Regisseur und Hauptdarsteller in einem, selbst ihre Figuren im Film heißen Derek Lee und Cliff Prowse, was ein wenig an Katie und Micah aus Paranormal Activity erinnert. Ihre Leistungen in Afflicted werden jedenfalls von Insidern und Kritikern hochgelobt, was im Found-Footage-Genre eher unüblich bei Schauspielerin ist – Dane DeHaan ausgenommen.
 

Chronicle goes Horror

Zur Story: Software-Entwickler Cliff und sein Freund Derek wollen ihre Weltreise filmisch dokumentieren und auf Cliffs erfolgreichem Blog unter dem Seriennamen „Ends of Earth“ veröffentlichen. Schon bei der ersten Station in Paris geht etwas schief. Derek hat einen One Night Stand mit einer geheimnisvollen Französin (Baya Rehaz, Blau ist eine warme Farbe, u.a.) und wird von seinem Kumpel anschließend niedergeschlagen im Hotelzimmer aufgefunden. Nach dieser Attacke verändert sich Derek, was beide zuerst auf dessen unheilbare zAVM zurückführen. Doch dann entwickelt Derek übernatürliche Stärken, Durst auf Menschenblut und ein hohes Gewaltpotenzial. Klingt wie eine Mischung aus dem Buch Der Übergang und Chronicle.

Found Footage mal anders

Afflicted wurde das erste Mal am 9. September 2013 auf dem Toronto International Film Festival gezeigt, wo er gleich ausgezeichnet wurde als Bester kanadischer Debütfilm. Auf dem Fantastic Fest in Austin, Texas, sahnte der Streifen Preise für die beste Regie, das beste Drehbuch und den besten Horrorfilm ab. Im Netz loben Filmkritiker vor allem die beeindruckende Filmtechnik und die Effekte, wobei auch Lee und Prowse gut wegkommen. Ich denke, dass dreieinhalb Jahre Drehzeit eine Menge Holz sind für einen Found-Footage-Film, der 85 Minuten dauert. Und der Trailer zeigt die Szenen chronologisch rückwärts, mit einigen Szenen aus der Ego-Perspektive, was mich noch neugieriger macht. Es stecken also tatsächlich ein Gedanke und Arbeit hinter Afflicted und ich kann nur hoffen, dass es endlich auch bald ein Startdatum für Deutschland geben wird.

 

Freitag, 25. April 2014

Jurassic World: Das sind die Darsteller für das Dino-Comeback

Mädchenkram! Wenn es ein Wort gibt, mit dem ein Text über Jurassic World nicht anfangen sollte, dann ist es dieser. Und dennoch fange ich damit an. Besagtes Wort dachte ich nämlich auch, als ich von der Serie New Girl hörte. Mittlerweile stehe ich völlig offen dazu, dass sie zu meinen absoluten Sitcom-Highlights gehört. So...aber was haben Mädchenkram, New Girl und Jurassic World denn nun miteinander zu tun? Die Antwort liest sich so ähnlich wie ein US-amerikanischer Surfer, der gerne singt: Jake Johnson.

Bekannt wurde der 35-Jährige in Zoey Dechanels Sitcom. Dort spielt er den verpeilten, durchgeknallten, aber liebenswürdigen Nick Miller und stielt damit der Titelheldin regelmäßig die Show. Ich freue mich wahnsinnig darüber, dass er mit von der Partie ist. Ähnlich wie Vince Vaughn oder William H. Macy hoffe ich, dass er für ein paar Schmunzler sorgen wird. Wer die Serie nicht mag, der findet Nick – Verzeihung, Jake – unter anderem auch in den Filmen 21 Jump Street, Bad Neighbors oder Safety Not Guaranteed. 

Jurassic Park mit Witz? Kann funktionieren! 

Klar hat Batman und James Bond die neue düstere Atmosphäre gut getan, aber was wäre Jurassic Park ohne Jeff Goldblums „Das is‘ ja ‚n riesen Haufen Scheiße“? Will sagen, ein Abenteuer mit rasanter Dino-Action darf auch lustig sein. Es darf nur nicht peinlich werden, so wie es in Teil 3 leider häufig der Fall war. Es ist daher kein Zufall, dass auch weitere Schauspieler von Jurassic World aus der lustigen Ecke stammen. 

Omar Sy ist vor allem den Fans der französischen Erfolgskomödie Ziemlich Beste Freunde ein Begriff. Netzgerüchten zufolge soll seine Rolle sogar ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass die Macher über weitere Jurassic-Teile nachdenken. Na, jedenfalls wird auch bei ihm Luft für ein paar Sprüche übrig sein und das ergänzt sich wunderbar zu Chris Pratt. Wer das nun wieder ist? Pratt spielt erstens die Hauptrolle in Jurassic World, zweitens ist er die Stimme von Emmet aus Lego: The Movie.

Ich persönlich finde, dass es Filme wie Jurassic Park immer aufgewertet hat, wenn die Darsteller charismatisch auftraten. Deshalb glaube ich auch fest daran, dass Chris Pratt seine Sache gut machen wird. In kleineren Rollen gefiel er mir jedenfalls schon gut, z.B. in Zero Dark Thirty, Moneyball – Die Kunst zu gewinnen oder Jennifers Body – Jungs nach ihrem Geschmack. Gespannt bin ich vor allem was diese Dinge betrifft auf Bryce Dallas Howard, die ich in The Help grandios boshaft fand. Ob sie auch dieses Mal eine unsympathische Rolle übernimmt?

Und dann wäre da noch Judy Greer. Jeder kennt sie, kaum jemand aber ihren Namen. Woran das liegt? Nun ja, sie war schon in Serien wie CSI: Miami, Two and Half Men oder Modern Family dabei und hat mit ihren jungen 38 Jahren schon 41 Rollen gespielt. Im Gedächtnis geblieben ist sie mir vor allem durch ihre Kurzauftritte in Was Frauen wollen, Three Kings und dem Remake von Carrie. Ich würde ihr in Jurassic World eine längere Rolle gönnen, aus Sympathiegründen.

Pi und Private Paula mit dabei

Wenn man bedenkt, dass selbst für kleinste Nebenrollen Charakterdarsteller ausgewählt wurden, kann man sich nur über den Film freuen. Auch auf Irrfan Khan, der mir in Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger als älterer Pi am besten gefiel und wohl Patel, den reichen Besitzer der Jurassic World, spielen wird. Oder aber auf den 12-jährigen Ty Simpkins, der in Iron Man 3 Freundschaft mit Tony Stark schließt und in gleich zwei Teilen von Insidious für ordentlich Gruselfaktor sorgt.

Und zu guter Letzt haben wir Vincent D’Onofrio, der heutzutage wohl als Detective Robert Goren aus der Serie Criminal Intent bekannt ist. Im Kino spielte er jüngst z.B. in Sinister und Escape Plan mit. Was den meisten Leuten aber nicht auffällt, weil er über viele Jahre hinweg abgenommen zu haben scheint. Vincent D’Onofrio ist Private Paula aus Stanley Kubricks Meisterwerk Full Metal Jacket. Wenn man bedenkt, dass der Mann schon Auftritte in skurrilen Filmen wie Men in Black, The Cell und The 13th Floor hatte, ist man eigentlich sicher, dass er auch die Islar Nublar meistern wird. Ein Komödiant ist er aber nicht. Hätte ich nicht bereits gelesen, dass er wohl den CFO von Patels Firma spielt, ich hätte gewettet, dass er mindestens einen Kittel oder einen Anzug tragen wird.

Freitag, 18. April 2014

Flopcorn statt Popcorn: Vier Biografien, die keinen interessieren


Diana

Es hätte die große Rolle für Naomi Watts werden sollen. Nach dem Achtungserfolg von Peter Jacksons King Kong und ihren zwei Oscar-Nominierungen für das Tsunami-Drama The Impossible und den Episodenfilm 21 Gramm hatten viele Filmkenner Diana schon als sicheren Preisträger auf dem Zettel. Doch es kam alles anders, denn gerade die Briten waren überhaupt nicht zufrieden mit Watts‘ Interpretation der verunglückten Prinzessin von Wales. Immerhin, zeigten die Engländer wenigstens Interesse. In Deutschland scheiterte der Film gnadenlos an den Kinokassen mit nur 17.000 Zuschauern beim Start. Zum Vergleich: 252.867 Personen wollten Lego: The Movie gleich in der ersten Woche sehen, sogar für den total unbekannten Super-Hypochonder schafften es 56.412 Zuschauer in die Säle. Als Krönung wurde Naomi Watts auch noch für eine Goldene Himbeere als schlechteste Hauptdarstellerin nominiert.


Grace of Monaco


Nicole Kidman ist ab dem 15. Mai als Grace Kelly in den deutschen Kinos zu sehen. Richtig gehört, der Film kommt erst noch und trotzdem bin ich mir absolut sicher, dass auch er zu den Flops des Jahres zählen wird. Ähnlich wie bei Diana versucht sich eine gestandene Schauspielerin in einer biografischen Rolle über eine Weltikone. Nun liegt Nicole Kidmans letzter Erfolg schon Jahre zurück. Zuletzt wollte kaum jemand Stoker sehen. Für The Paperboy wurde sie immerhin noch für den Golden Globe nominiert, doch auch ihr Bett-Duett mit Zac Efron ging bei den Filmkritikern größtenteils unter. Dass sie in den bekloppten Komödien Plötzlich Star und Meine erfundene Frau mitgespielt hat, hat sowieso kaum jemand mitbekommen. Vielleicht liegt es am Botox, oder aber daran, dass die mehrfache Preisträgerin ihre Berater in Sachen Rollenwahl eventuell wechseln sollte.


Mandela


In Idris Elba, dem ich persönlich seine Schwachsinnsrolle in Prometheus nie verzeihen werde, versuchte Hollywood so etwas, wie einen aufgehenden Stern zu kreieren. Plötzlich tauchte sein Gesicht in diversen Kinofilmen auf. Vor allem in der Serie Luther sorgte er für Furore und holte den Golden Globe. Die Tatsache, dass dieser Mann Nelson Mandela verkörpern sollte schrie nach Oscars und Aufmerksamkeit. Traurigerweise gesellte sich mit Mandelas Tod ein fragwürdiger PR-Faktor hinzu. Und trotzdem: Mit rund 1,6 Millionen Zuschauern wurde die Biografie in Deutschland von knapp viermal weniger Deutschen gesehen, als zum Beispiel Lincoln oder 12 Years a Slave. Und siehe da, die vorher angekündigten Oscar-Gewinne blieben aus, Elbas Leistung wurde bestenfalls als Durchschnitt abgestempelt.


Yves Saint Laurent


Seit Mittwoch läuft in den deutschen Kinos die Biografie über Yves Saint Laurent. Dass dieser Film ebenfalls keinen großen Erfolg feiern wird ist abzusehen. Französisches Kino bekommt generell weniger Aufmerksamkeit – Filme wie Ziemlich Beste Freunde sind eine Ausnahme – als US-Produktionen. Die Darsteller sind hierzulande weitestgehend unbekannt und noch dazu sind die Geschichten von Modeschöpfern nicht so spannend, wie zum Beispiel von Freiheitskämpfern, Prinzessinnen oder Formel-1-Fahrern. Die Zeit schreibt: „Dass dieser Mann die Mode umgekrempelt hat, musste extra in den Abspann geschrieben werden, es wäre sonst unbemerkt geblieben.“ Klingt nicht danach, als würden die Filmkunstkinos demnächst gestürmt werden.

Donnerstag, 17. April 2014

Godzilla Special: 10 Gründe für die erfolgreiche Rückkehr des Königs

1 Gareth Edwards  

Der 39-jährige Brite ist der Regisseur von Godzilla. Bekannt wurde er durch seinen Independentfilm Monsters, für den er auch das Drehbuch schrieb. Er hat es also schon einmal geschafft gewaltigen Kreaturen einen besonderen Look zu verpassen und sie mal aus einer anderen Perspektive zu vermitteln. 2010 erhielt er dafür 3 Evening Standard British Film Awards. Als Regisseur der BBC- und ProSieben-Kooproduktions-Doku End Day überzeugte er mit der Inszenierung fünf verschiedener Apokalypse-Szenarien. Für die Doku Hiroshima steuerte er die visuellen Effekte bei. Warum ich so viel Hoffnung in seine Arbeit habe? An seinem Versprechen, den Film so humorfrei und realistisch wie möglich zu gestalten, ohne die altbeliebten Godzilla-Eigenschaften zu vernachlässigen, halte ich fest. 

2 Bryan Cranston und Co
 
Kaum jemand kann einen Antihelden so gekonnt verkörpern wie Bryan Cranston. Die Rolle des Walter White in Breaking Bad hat das mehrfach bewiesen. Er bringt die nötige Balance zwischen Wahnsinn, Zynismus und Zerbrechlichkeit mit. Hinzu gesellt sich Aaron Johnson, der als Kick Ass seinem schwarzen Humor mit bissiger Mimik und gut choreografierten Actioneinlagen Kultstatus verliehen hat. Auch auf Ken Watanabe freue ich mich, weil er charismatisch ist, bei meinem Lieblingsfilm Inception dabei war und als Japaner für alten Godzilla-Flair sorgt. Was mir noch mehr Hoffnung gibt ist, dass die Nebenrollen nicht halbherzig besetzt worden, sondern mit Preisträgern und Drama-Schauspielern wie Juliette Binoche (Chocolat, u.a.), Sally Hawkins (Blue Jasmine, u.a.) und David Strathairn (Lincoln, u.a.). 

3 David S. Goyer und Frank Darabont

Frank Darabont hat schon die Drehbücher zu Die Verurteilten, The Green Mile und Gesetz der Rache geschrieben. Vor allem war er aber beteiligt an der Entstehung meiner Lieblingsserie The Walking Dead. David S. Goyers Feder bringt die passende Düsternis mit. Bestes Beispiel dafür sind die The Dark Knight-Filme, Blade und The Crow. Er ist der Mann für die dunklen Blockbuster, wenn man so will. Die beiden wurden beim Schreiben nicht allein gelassen. Drew Pearce (Iron Man 3, Sherlock Holmes 3, Mission: Impossible 5) kennt sich gut aus mit der Zeichnung von Helden-Charakteren, während Dave Callaham eher aus der Action-Szene kommt (Doom – der Film, The Expendables 3). Umso schöner, dass mit Max Borenstein sogar ein bislang unbekannter Schreiberling dabei ist. 

4 Seamus McGarvey

Der 46-jährige Brite Seamus McGarvey ist ein Rockstar unter den Kamermännern, denn seine ersten Arbeiten waren Musikvideos für U2, The Rolling Stones, Coldplay oder Robbie Williams. In Hollywood gehört er aktuell zu den angesagtesten Filmern, weil er es schafft den Wechsel zwischen Geschwindigkeit und Emotion perfekt einzufangen. In Sahara oder World Trade Center punktete er zum ersten Mal in Action- und Abenteuer-Blockbustern. Doch was er richtig gut kann ist Figurennähe und Panorama. Es ist kein Wunder, dass er seine zwei Oscar-Nominierungen für Filme wie Abbitte und Anna Karenina erhielt, während er gleichzeitig für Marvel’s The Avangers arbeitete und bald Fifty Shades of Grey einfängt. Er kann Bildgewalt und Drama perfekt verbinden. 

5 Yoshimitsu Banno

Wie groß letztendlich sein Beitrag zu dem neuen Film sein wird weiß ich nicht. Trotzdem ist es angenehm ihn im Produzenten-Team zu haben. Der Japaner war selbst Regisseur bei Godzilla – Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster. Auf diese Art und Weise kann darauf gehofft werden, dass wachende Augen aufpassen, dass der neue Godzilla die Tradition der alten Filme beibehält und respektiert. Natürlich ist seine Mitbeteiligung auch schön für die PR und die Vermarktung. Trotzdem glaube ich, dass es ein weiteres Zeichen dafür ist, dass der neue Godzilla nicht so plump wird wie 1998. 

6 Alexandre Desplat


Seine Verpflichtung ist eine der größten Überraschungen, für mich persönlich aber auch eine der positivsten Nachrichten. Der französische Komponist ist nämlich kein neuer Hans Zimmer. Fast ausschließlich komponiert er eigentlich Scores für Dramen und tragische Filme. Ein paar Beispiele: u.a. Die Queen, The King’s Speech, Der Gott des Gemetzels, Argo, Zero Dark Thirty, Der seltsame Fall des Benjamin Button, Coco Chanel, Philomena oder The Grand Budapest Hotel. In den ersten Trailern hört man bereits in welche Richtung seine musikalische Untermalung geht und ich bekomme dabei jetzt schon Gänsehaut. Auch er ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Macher Godzilla endlich würdigen und ernst nehmen. 

7 Passende Dramaturgie 

Ich hatte es gerade bereits erwähnt. Die Atmosphäre des neuen Godzilla-Filmes wird sehr düster und dunkel sein. Das Auftreten des Kultmonsters wird wohl eher einer Naturkatastrophe gleichen, als einem neuen Jurassic Park. Der Humor wird dabei höchstwahrscheinlich ganz auf der Strecke bleiben. Die Trailer kündigen jedenfalls jede Menge Tod, Verlust und Zerstörung an, ohne dabei auch nur einen lockeren Spruch in die Kamera zu tragen. Bryan Cranston kommen die Tränen, ein Vater flüchtet auswegslos mit seiner Tochter auf dem Arm vor einem Tsunami und die Städte brennen. Atomare Strahlung und Kampfeinsätze der US-Armee inklusive könnte der neue Godzilla endlich wieder ohne Selbstinszenierung eines B-Schauspielers über die Bühne gehen. 

8 Das Roland-Emmerich-Syndrom 

Vorweg: Ich kann nicht mal behaupten, dass ich seine Version von Godzilla nicht schon zig mal gesehen habe. Irgendwie macht er auch Spaß. Doch dramaturgisch, fern von Tricktechnik und 90er Jahre Charme ist sein Film einfach mies. Immer wieder schien sein Godzilla die Größe gewechselt zu haben, ganz abgesehen davon, dass er zu „tierisch“ war. Mit schlechten Darstellern wie Matthew Broderick konnte das nix werden. Umso optimistischer blicke ich in die Zukunft, denn mit dem 1998er Godzilla im Rücken, kann der neue Film eigentlich nur gewinnen und vieles besser machen. 

9 Die Vorboten 

Die Trailer und Teaser zum neuen Film begeistern und lassen erahnen, dass die Versprechen eingehalten wurden. Godzilla wird es mit mindestens zwei, drei anderen Kaijus zu tun bekommen. Die Musik und die Optik sind extrem auf düstere Apokalypse getrimmt („Es wird uns zurück in die Steinzeit katapultieren“). Dazu kommen grandiose Effekte und ein Godzilla, der immer wieder nur angedeutet wird, gleichzeitig aber schon so viel zeigt, dass das Fan-Herz höher schlägt. Der "International Trailer" nimmt sogar Bezug auf Godzillas Tod in der 1954er Version und es wird mindestens in drei Städten gewütet. 

10 The King Himself 

Godzilla hat wieder etwas mehr von seiner alten Größe und seiner alten Boshaftigkeit zurückerlangt. Laut Gareth Edwards wird er sogar seinen atomaren Strahl aus dem Rachen einsetzen – wenn auch in etwas realistischerer Art und Weise. Und ganz wichtig: Sein bekanntes Gebrüll hat er auch nicht abgelegt über die Jahre. Es ist - liest man zwischen den Zeilen diverser Aussagen – fast klar, dass die anderen Kaijus, wie z.B. MUTU kein langfristiges Problem für Godzilla sein werden. Der Fokus soll ganz auf der Macht und der Größe des Titelmonsters liegen. Der neue Godzilla wird kein fischfressendes Muttertier sein, sondern eine Naturgewalt die Tsunamis auslöst und reihenweise Menschen umbringt. Wer am Ende den Kampf gewinnt ist dabei fast egal, Hauptsache ist: Der König ist zurück!

Start: 15. Mai 2014
USA - Legendary Pictures & Warner Bros
Budget: 160 Mio. Dollar
Regisseur: Gareth Edwards
Darsteller: Bryan Cranston, Aaron Johnson, Elizabeth Olsen, Juliette Binoche, Ken Watanabe, Sally Hawkins, David Strathairn, u.a.

 

Samstag, 12. April 2014

„Alles ist super“ in Lego: The Movie - die wahre Toy Story

„So in etwa muss sich ein LSD-Trip anfühlen“ – das waren meine Gedanken nach den ersten zehn Minuten von Lego: The Movie. Ich war nicht ansatzweise vorbereitet auf das, was noch kommen sollte. Der Spaß hatte erst begonnen.

Kurz zur Story: Bauarbeiter Emmet hält sich an jede Regel, fällt nicht auf und lebt ein maschinell unscheinbares Leben. Als er rein zufällig den „Stein des Wiederstands“ findet, hält ihn Freiheitskämpferin „Wyldstyle“ augenblicklich für den „Besonderen“, der sie und die Liga der „Meisterbauer“ laut Prophezeiung im Kampf gegen das Regime von „Lord Business“ führen soll.

Was dann folgt gleicht einer Achterbahnfahrt durch den Traum eines Kindes, quer durch das unaufgeräumte Kinderzimmer voller bunter Welten. Die herrlich experimentelle Animationstechnik der Studio Animal Logic ist für mich schon jetzt ein Favorit auf die nächsten Oscars. Stark an Stop Motion angelehnt, wenn auch komplett am Computer entstanden. Statt der sonst so glatten Effekte, gleicht dieses Mal jeder Tropfen und jedes Wölkchen einem materiellen Pixel. Als würde Emmet in weißen Würfeln duschen. Das ist alles so kurios und ungewohnt, dass die blitzartigen Schnitte und rasanten Kamerafahrten tatsächlich problematisch für Epileptiker sein dürften.

„Das ist Business“
   
Das Schöne ist: Der Film ist kein reiner PR-Gag. Der dänische Konzern kann über sich selbst lachen und sogar selbstkritische Töne anschlagen („Wir haben den Wilden Westen, den Weltraum,…und viele weitere Welten, die wir nicht erwähnen müssen“). Wenn überhaupt, dann wird für die Unternehmensphilosophie und ihre Prinzipien geworben. Die beiden Regisseure Phil Lord und Chris Miller haben schon mit Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen bewiesen, wie schön eine Geschichte sein kann, wenn sie nicht nur von grenzenloser Kreativität und Eigenbestimmung predigt, sondern sie mit bunten Traumwelten aktiv abfeiert.

Wer sich die Filmkritiken von „Der Spiegel“ oder „Süddeutsche“ durchliest könnte Angst bekommen, der Film sei schwere Theaterkost und politisch in seiner Metaphorik und abstreiten lässt sich letzteres auch nicht komplett. Aber: Die Macher haben die perfekte Balance gehalten ihre Geschichte so zu erzählen, dass sowohl kleine Kinder als auch Erwachsene zusammen staunen und lachen können. Mir persönlich gefallen die Anspielungen auf kapitalistische Diktaturen ebenso, wie eine bewusst stumpfsinnige Schweine-Synchronisation, die an Rene Mariks Puppen erinnert. Allein, dass der totalitäre Bösewicht „Präsident Lord Business“ heißt verdient Applaus.

Die Gesellschaft und ihr Spiegel

Noch besser finde ich die Seitenhiebe auf Fließbandmusik und anspruchslose TV-Serien. Das Radio in Emmets Welt spielt den ganzen Tag nur den Song „Alles ist super“, im Fernsehen läuft ausschließlich die Sitcom „Schatz, wo ist meine Hose?“. Helene Fischer und Charlie Sheen lassen grüßen. Dieser ganze Einheitsbrei gipfelt im Salat von Regelwerken und Anweisungen, wo das Verhalten vorgeschrieben wird und neue Gebäude strikt nach Anleitung errichtet werden (ein No-Go unter Lego-Fans).

Drehbuchtechnisch extrem clever war der Schachzug, die Gruppe der Meistermacher aus bekannten Figuren und Helden zu bilden. Von Star Wars über Herr der Ringe bis zu Harry Potter und Marvel-Comics bietet Lego: The Movie unzählige Cameo-Auftritte mit hohem Witz- und Sympathiefaktor. Dazu gesellen sich unzählige „Statistenrollen“, in die so ziemlich jede Legofigur schlüpft, die es jemals in der Geschichte der Bausteine gab.

Von Stimmen, die wir kennen und Filmen, die wir sahen

Und dann sind da noch die großartigen Sprecherrollen, bei denen Hintergrund-Details so liebevoll umgemünzt wurden. So spricht Cobie Smulders, u.a. bekannt aus Marvel’s The Avengers beispielsweise Wonder Woman. Liam Neeson gefällt als „Bad Cop/Good Cop“, den er gewissermaßen in 96 Hours personalisiert. Jonah Hill als Green Lantern, Channing Tatum als Superman und und und. Für Deutsche ist es ein großes Plus, dass David Nathan in der deutschen Fassung den Batman spricht. Das tat er nämlich auch in der The-Dark-Knight-Trilogie, inklusive verzerrter Raucherstimme. Und das macht den dunklen Rächer zu meinem ganz persönlichen Gag-Highlight im Legofilm.

Ich ;)
Wer gerne und oft ins Kino geht, der wird feststellen, dass einzelne Szenen zudem absichtlich bei aktuellen Streifen aus den letzten Jahren abkupfern. So erinnert eine Eisenbahnfahrt stark an Lone Ranger, eine Kopierer-Szene an Ich – einfach unverbesserlich 2 und ein Verhör an 96 Hours. Wenn außerdem die sogenannten Meisterbauer ganze Welten mittels ihrer eigenen Gedanken bauen können, erinnert mich das stark an die Traumarchitekten aus meinem Lieblingsfilm Inception. Und wer Die Unendliche Geschichte kennt, der wird die letzte Hälfte des Films genauso ins Herz schließen wie ich. Bis zum Ende des Monats April wird Lego: The Movie über eine halbe Milliarde Dollar eingespielt haben und das mit absolutem Recht. 

Fazit: Lego: The Movie bietet frische Animationen, chaotische und humorvolle 3D-Action und eine clevere Erzählweise, die sowohl stereotypisch als auch gesellschaftskritisch ist. Mit Liebe zum Detail und zur popkulturellen Filmgeschichte meistert der Film den Drahtseilakt zwischen dezentem Eigenmarketing und guter Unterhaltung. Wer danach nicht Lust auf Bausteine hat, dem ist nicht zu helfen. Für mich ganz klar in einer Liga mit Findet Nemo, Monster AG oder Toy Story.